«Diese Woche hat uns einen Vorgeschmack auf die Fusionsdebatte gegeben, wie sie Anfang nächsten Jahres auf uns zukommen wird. Zuerst hat der Baselbieter Regierungsrat (mehrheitlich) «Nein» gesagt zur Fusionsinitiative, dann kamen verschiedene Knatschthemen aufs Tapet, von der Unifinanzierung bis zur Spitaldebatte um Patientenfreizügigkeit und Spitalausbau.

Allen Diskussionen ist gemeinsam, dass Basel-Stadt wie Baselland sich eifersüchtig gegenseitig überwachen. Beide haben das Gefühl, der andere übervorteile sie. Baselland glaubt, zu viel an Basel-Stadt zu zahlen, Basel-Stadt fühlt sich von Baselland als Zentrum benutzt, aber nicht adäquat entschädigt. Das Resultat sind Streitereien, wie man sie vom Familientisch unter Geschwistern kennt.

Die zuständigen Politiker, Wirtschaftsführer und Funktionäre sollten einmal in einen Heissluftballon steigen und ihre Landschaft aus tüchtiger Distanz von oben betrachten. Denn die beiden Basel streiten sich mit dem Falschen, wenn sie untereinander streiten. Die eigentlichen Herausforderungen liegen ausserhalb unserer Region.

Beispiel Universität: Das Gezänk um Studienbeiträge und Studiengebühren lenkt vom eigentlichen Problem ab. Wie kann sich die Uni Basel in einem immer stärker globalisierten Wettbewerb um Talente gegenüber Konkurrenten wie der ETH Zürich positionieren? Wie holen wir doch noch einen Innovationspark nach Basel? Wie verhelfen wir dem Life Science Cluster in der Region zu Stärke – und zwar nicht zwischen Basel und Liestal, sondern gegenüber Singapur, Boston oder allenfalls gegenüber Zürich und Lausanne?

Beispiel Verkehr: Ob das Drämmli beim Margarethenstich von der BVB oder der BLT geführt wird, ist doch Hans was Heiri. Hauptsache, das Leimental wird gut an den öffentlichen Fernverkehr angeschlossen. Denn in unserer Region sind es vor allem die grossen Verkehrsadern, die zum Problem werden. Und die Staus auf der Autobahn oder die schlechte Anbindung der Region Basel an die Region Genf lassen sich weder von Liestal noch vom Basler Rathaus aus lösen.

Beispiel Spitäler: Aus einem imaginären Heissluftballon gesehen spielt es keine Rolle, wo sich die Patienten in der Region behandeln lassen. Ein viel grösseres Problem ist, dass sich immer mehr Patienten in Spitäler begeben und dass auch in unserer Region die Menschen immer älter werden. Wer soll das bezahlen? Eine normale Familie kann sich die Krankenkassenprämien schon heute kaum leisten. Und da streiten sich Politiker darüber, welcher Kanton welches Spital kriegt?

Die beiden Basel müssen endlich einsehen, dass der «Feind» nicht in Liestal respektive Basel sitzt, sondern in Schanghai oder Boston. Dass es an der globalen wirtschaftlichen Entwicklung liegt, am Verkehrsproblem zwischen Deutschland und Italien oder an der Alterspyramide. Wir brauchen keine Basler oder Liestaler Perspektive. Die Region Basel braucht die Perspektive Heissluftballon mit Blickweite Freiburg, Mulhouse, Zürich. Mindestens. Und manchmal muss man Ballast abwerfen und noch höher hinaus. Gut möglich, dass die Luft dann dünn wird. Aber das ist allemal besser als dicke Luft zwischen beiden Basel.