«Ich habe sie nicht getötet. Ich bin unschuldig», sagte der 44-jährige Angeklagte am Mittwochabend kurz vor 17 Uhr. Den ganzen Tag über am Prozessauftakt hatte er geschwiegen und jegliche Aussagen zu den Vorwürfen verweigert, dies auf Anraten seiner Verteidiger: Nach 16 Jahren könne ein Beschuldigter keine zuverlässigen Aussagen über die damaligen Ereignisse im Jahr 2000 mehr machen (bz vom Montag). «Fehler in der Erinnerung können fatal sein, jegliche Widersprüche würden dann gegen ihn verwendet», sagte sein Verteidiger.

Für Staatsanwalt Sasha Stauffer war die Sache allerdings klar: Der Angeklagte habe seine damalige 23-jährige Exfreundin in deren Wohnung in der Klybeckstrasse grausam ermordet und sie verbluten lassen. Noch in der Nacht sei er geflohen. «Er hatte eine kleine Wohnung, drei Fahrzeuge und einen ordentlichen Job. Es gab nur einen Grund, weshalb er Hals über Kopf alles aufgegeben und Basel verlassen hat», folgerte Stauffer. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen Mordes, die Beweise seien eindeutig.

Der Anwalt der Familie des Opfers forderte für die Mutter, den Vater und die beiden Brüder jeweils eine Genugtuung von 75 000, 50 000, 25 000 und 20 000 Franken. In einem Brief an das Gericht schilderte die Familie die Zerstörung ihres Dorfes in Sri Lanka im Jahr 1984 und ihre Flucht in die Schweiz, dieses neue Leben liege mit der Tat des Mannes nun ebenfalls in Trümmern. Aufgeflogen ist der 44-Jährige in Neuseeland offenbar durch einen Tipp der Opferfamilie. Jahrelang wurde innerhalb des Netzwerks von Exil-Tamilen nach dem Mann gesucht.

Keine Rückkehr nach Neuseeland

Die Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft vor, einseitig ermittelt zu haben und vielen Spuren nicht nachgegangen zu sein. «Jetzt ist der Druck gross, dass der einzige, den man hat, auch verurteilt werden muss», sagte die Verteidigerin. Als Schuldspruch kommt nur ein Mord infrage, der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung ist bereits verjährt.

«Viele Zeugen sind inzwischen verstorben oder können sich nicht mehr erinnern, das macht es auch für die Verteidigung ausserordentlich schwer. Ein faires Verfahren ist fast nicht mehr möglich, auch deshalb sind die Verjährungsfristen sinnvoll», betonte die Verteidigerin. Sie betonte, der genaue Todeszeitpunkt sei keinesfalls klar, und die Frau habe im Freundeskreis mehrmals die Unwahrheit über ihre Beziehungen erzählt. Es sei denkbar, dass ihrem Mandanten ein Verbrechen angehängt wurde.

Die fünf Richter fällen ihr Urteil am Freitag. Bei einem Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung würde das Verfahren eingestellt, bei Zweifeln am Tathergang gäbe es einen Freispruch. Doch auch dann wäre die Zukunft des Mannes ungewiss: Da er in Neuseeland unter falschem Namen eingereist war, wird ihm die dortige Staatsbürgerschaft wohl aberkannt. Dann würde er als Staatenloser wohl in der Schweiz bleiben müssen. Über 40 Zuschauer verfolgten den Prozess, auch die Familie des Angeklagten ist aus Neuseeland angereist: In einer Verhandlungspause durfte der Mann seine 8- und 12-jährigen Kinder sehen.