Gewerbeverband
Peter Malamas langer Schatten liegt über dem Neujahrsapéro

Wenn der Basler Gewerbeverband zum Neujahrsapéro ruft, kommen alle: Wirtschaftsvertreter, Politiker, Künstler. Der Anlass ist in Basel längst ein gesellschaftlicher Pflichttermin, die Gästeliste liest sich wie ein Who’s who des Stadtkantons.

Hans-Martin Jermann und Moritz Kaufmann
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Das Markenzeichen von Peter Malama: Leidenschaftlich vorgetragene Reden wie hier am Neujahrsapéro 2010.

Das Markenzeichen von Peter Malama: Leidenschaftlich vorgetragene Reden wie hier am Neujahrsapéro 2010.

Martin Töngi/Archiv

Wenn der Basler Gewerbeverband heute zum Neujahrsapéro ruft, kommen alle: Wirtschaftsvertreter, Politiker, Künstler. Der alljährliche Anlass ist in Basel längst ein gesellschaftlicher Pflichttermin, die Gästeliste liest sich wie ein Who’s who des Stadtkantons.

Auch heute werden wieder über 1500 Menschen das Theater Basel bevölkern, wo traditionell eine Vorpremiere des neuen Ballettstücks des Basler Tanz-Maestros Richard Wherlock präsentiert wird. Theaterdirektor Georges Delnon nannte bei seiner Grussbotschaft letztes Jahr den Apéro «den Ferrari unter den Neujahrsveranstaltungen» – treffenderweise luxuriös und aufsehenerregend.

Leidenschaftliche Reden

Gleichwohl dürfte es heuer anders werden, als sich dies die Basler in den letzten Jahren gewohnt waren. Es fehlt nämlich der Mann, der den Neujahrsapéro des Gewerbeverbands vom gewöhnlichen Cüpli-Anlass zur gross inszenierten und viel beachteten Polit-Show gemacht hat: der im vergangenen Herbst verstorbene Gewerbedirektor und FDP-Nationalrat Peter Malama.

Seine Reden – die er stets mit Leidenschaft auf der grossen Tribüne vortrug – sorgten nicht nur tagelang für Gesprächsstoff, sondern trugen teilweise auch konkrete politische Früchte: Malamas Kritik am mangelnden Interesse der Region für Bundesbern anlässlich der Ansprache 2010 hatte zur Folge, dass der Basler Regierungspräsident Guy Morin letztes Jahr eine eigene Lobbyistin im Bundeshaus installierte.

Beim heutigen Neujahrsapéro wird Malamas Auftritt nicht ersetzt. So wird Philipp Spichty, der Gewerbedirektor ad interim, keine Rede halten. Die traditionelle Neujahrsansprache übernimmt Präsident Marcel Schweizer.

Grosses Rätsel um die Nachfolge

Der Neujahrsempfang heute Mittag zeigt es damit exemplarisch: Malamas Tod hat beim mächtigen Basler Gewerbeverband einen langen Schatten geworfen. Was heute allerdings oft vergessen wird: Malama war bei seinem Stellenantritt im Dezember 2001 in der Stadt weitgehend unbekannt. Zum grossen Zampano im bürgerlichen Lager wurde der erst in den folgenden Jahren aufgebaut.

Mitte Januar will die eigens für die Malama-Nachfolge eingesetzte Findungskommission dem Vorstand des Gewerbeverbands erste Vorschläge präsentieren. Die Überlegungen der Findungskommission werden aber noch wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Klar ist derzeit bloss, wer für den Direktor-Posten nicht infrage kommt. Bereits abgesagt haben drei Capabile aus eigenen Reihen: Direktor ad interim Philipp Spichty, Vizedirektor Reto Baumgartner sowie Vorstands-Vize Oliver Scheidegger, der nun die Findungskommission präsidiert.

Gegenüber der bz winken nun zwei weitere Persönlichkeiten ab: der gewerbenahe FDP-Grossrat und Vizefraktionschef Christian Egeler sowie Hansjörg Wilde, Präsident des Verbands der Elektroinstallationsfirmen und Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands. Im Wissen darum, dass Diskussionen um den neuen Gewerbedirektor reine Spekulation sind, präsentiert die bz vier mögliche Kandidaten.

Auf der Suche lässt sich der Gewerbeverband offensichtlich Zeit. Laut Verbandspräsident Marcel Schweizer soll in drei bis spätestens sechs Monaten der neue Direktor vorgestellt werden. Genau in einem Jahr – am Neujahrsapéro 2014 – hätte dieser dann seinen ersten grossen Auftritt. Wir sind gespannt.

Wer wird neuer Basler Gewerbedirektor? Die bz spekuliert über mögliche Kandidaten

Martin Dätwyler, Bereichsleiter Handelskammer Stärken: Der Bereichsleiter Verkehr, Energie und Raumentwicklung bei der Handelskammer beider Basel wäre fachlich als Gewerbedirektor bestens geeignet. Dätwyler war vor zwei Jahren bereits als neuer Direktor der Handelskammer im Gespräch. Der Verkehrsexperte sitzt im Verwaltungsrat des TCS beider Basel undjenem der Schweizerischen Rheinhäfen. Mit 43 Jahren im besten Alter.Handicap: Der gebürtige Solothurner lebt in Laufen. Die Tatsache, trotz guter Vernetzung kein Basler zu sein, ist ein kleiner Makel.Chancen: Sehr gut - sofern er zum Konkurrenzverband wechseln will.

Martin Dätwyler, Bereichsleiter Handelskammer Stärken: Der Bereichsleiter Verkehr, Energie und Raumentwicklung bei der Handelskammer beider Basel wäre fachlich als Gewerbedirektor bestens geeignet. Dätwyler war vor zwei Jahren bereits als neuer Direktor der Handelskammer im Gespräch. Der Verkehrsexperte sitzt im Verwaltungsrat des TCS beider Basel undjenem der Schweizerischen Rheinhäfen. Mit 43 Jahren im besten Alter.Handicap: Der gebürtige Solothurner lebt in Laufen. Die Tatsache, trotz guter Vernetzung kein Basler zu sein, ist ein kleiner Makel.Chancen: Sehr gut - sofern er zum Konkurrenzverband wechseln will.

Juri Junkov
Daniel Stolz, Geschäftsführer Aids-Hilfe, Nationalrat Stärken: Lange unterschätzt, da Nicht-Akademiker, hat sich Daniel Stolz als Chef der Basler FDP bestens bewährt. Mit einem pointiert urban-liberalen Profil hat «seine» FDP in den letzten Jahren einige Wahlerfolge gefeiert. Gilt als umgänglich und konziliant, kann aber wenn nötig auch Härte zeigen. Als Gross- und Nationalrat politisch bestens vernetzt. Mit 44 Jahren im besten Alter.Handicap: Gilt nicht wirklich als Gewerbe-nah. Fraglich, ob er sich an Verbands-Apéros wohl fühlen würde.Chancen: Seine Wahl wäre unkonventionell. Doch das war Peter Malamas Wahl auch. Warum also nicht?

Daniel Stolz, Geschäftsführer Aids-Hilfe, Nationalrat Stärken: Lange unterschätzt, da Nicht-Akademiker, hat sich Daniel Stolz als Chef der Basler FDP bestens bewährt. Mit einem pointiert urban-liberalen Profil hat «seine» FDP in den letzten Jahren einige Wahlerfolge gefeiert. Gilt als umgänglich und konziliant, kann aber wenn nötig auch Härte zeigen. Als Gross- und Nationalrat politisch bestens vernetzt. Mit 44 Jahren im besten Alter.Handicap: Gilt nicht wirklich als Gewerbe-nah. Fraglich, ob er sich an Verbands-Apéros wohl fühlen würde.Chancen: Seine Wahl wäre unkonventionell. Doch das war Peter Malamas Wahl auch. Warum also nicht?

Juri Junkov
Andreas Zappalà, Geschäftsführer Hauseigentümerverband Stärken: Als Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands und Vermietervertreter der Mietschlichtungsstelle in Wirtschaftskreisen gut vernetzt. Hat sich zuletzt als Fraktionschef der FDP im Grossen Rat profiliert.Handicap: Zappalà ist eher der Denker im Hintergrund anstatt - wie Peter Malama - der Mann für tosende Neujahrsreden. Ausserdem ist der 49-Jährige in der Stadt etwas zu wenig bekannt.Chancen: Hat gegenüber der bz verraten, eine allfällige Anfrage des Gewerbeverbands ernsthaft zu prüfen. Gleichwohl ohne reelle Chancen.

Andreas Zappalà, Geschäftsführer Hauseigentümerverband Stärken: Als Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands und Vermietervertreter der Mietschlichtungsstelle in Wirtschaftskreisen gut vernetzt. Hat sich zuletzt als Fraktionschef der FDP im Grossen Rat profiliert.Handicap: Zappalà ist eher der Denker im Hintergrund anstatt - wie Peter Malama - der Mann für tosende Neujahrsreden. Ausserdem ist der 49-Jährige in der Stadt etwas zu wenig bekannt.Chancen: Hat gegenüber der bz verraten, eine allfällige Anfrage des Gewerbeverbands ernsthaft zu prüfen. Gleichwohl ohne reelle Chancen.

bz
Markus Lehmann, Versicherungsbroker, Nationalrat Stärken: Markus Lehmann ist ein mit allen Wassern gewaschener Polit-Fuchs. Seine Wahl in den Nationalrat hat Lehmann mit einer geschickten Listenverbindung selbst eingefädelt. Seit zehn Jahren Chef der Basler CVP, als Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands und selbstständiger Versicherungsbroker in Wirtschaftskreisen bestens vernetzt.Handicap: Mit 57 Jahren gilt Lehmann nicht gerade als Kandidat, der sich für die Zukunft aufbauen lässt. Hat mit seiner direkten Art zudem einige Feinde in der Stadt.Chancen: In den Medien heiss gehandelt, trotzdem eher Aussenseiter.

Markus Lehmann, Versicherungsbroker, Nationalrat Stärken: Markus Lehmann ist ein mit allen Wassern gewaschener Polit-Fuchs. Seine Wahl in den Nationalrat hat Lehmann mit einer geschickten Listenverbindung selbst eingefädelt. Seit zehn Jahren Chef der Basler CVP, als Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands und selbstständiger Versicherungsbroker in Wirtschaftskreisen bestens vernetzt.Handicap: Mit 57 Jahren gilt Lehmann nicht gerade als Kandidat, der sich für die Zukunft aufbauen lässt. Hat mit seiner direkten Art zudem einige Feinde in der Stadt.Chancen: In den Medien heiss gehandelt, trotzdem eher Aussenseiter.

Juri Junkov