Petition
Heimatgefühl oder Nachtruhestörung: Wie oft sollen die Kirchenglocken in Basel noch läuten?

Eine im Januar bei der Basler Regierung eingereichte Petition mit gegen 400 Unterschriften fordert, die Kirchenglocken nachts ganz abzustellen oder nur noch stündlich zu läuten. Nun liegt der Bericht der Petitionskommission vor.

Nora Bader
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Sollen die Basler Kirchenglocken nachts gar nicht mehr oder nur noch jede Stunde läuten? Der Regierungsrat wird dies im Herbstprüfen müssen, wenn der Grosse Rat für die Überweisung des Geschäfts stimmt.

Sollen die Basler Kirchenglocken nachts gar nicht mehr oder nur noch jede Stunde läuten? Der Regierungsrat wird dies im Herbstprüfen müssen, wenn der Grosse Rat für die Überweisung des Geschäfts stimmt.

Symbolbild:
Matthias Jurt

Wenn ganz Basel schläft, hört man oftmals nur das Geläut der Kirchenglocken. Das passt nicht allen. Unter dem Titel «GlockenNachtruhe – für einen ruhigen Schlaf in Basel» hat eine Gruppe im Februar der Regierung eine Petition überreicht. Diese forderte, zwischen 23 Uhr und 7 Uhr die Glocken abzustellen oder nur stündlich und nicht jede Viertelstunde läuten zu lassen. «In einer multikulturellen und immer säkularer werdenden Gesellschaft sollte die Kirche kein Monopol auf Ruhestörung in der Nacht besitzen», steht im Petitionstext. Es handle sich um eine Tradition aus dem Mittelalter. Ausserdem trage heutzutage fast jede Person ein Smartphone auf sich und wisse stets, wie spät es sei.

Hearing mit den betroffenen Parteien

Am 22. März fand ein Hearing der Petitionskommission mit einem Vertreter der Petentschaft sowie dem Leiter der Abteilung Lärmschutz als vom Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, einem Vertreter der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt und der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt statt.

Alle christlichen Kirchen der Stadt Basel würden jeweils um 7 Uhr morgens, um 12 Uhr mittags sowie um 19 Uhr abends in kirchlichem Auftrag läuten, steht im nun vorliegenden Bericht der Kommission. Während der Nachtruhe handle es sich also um weltliches Geläut, das in bürgerlichem Auftrag abgehalten werde. Im Kirchenrat der Römisch-katholischen Kirche sei das weltliche Geläut im Moment kein Thema. Dieses Geläut werde zwischen der IWB und den einzelnen Pfarreien geregelt. Mit der bisherigen Lösung seien sie einverstanden: kirchliches Läuten von 7 Uhr bis 22 Uhr und die Ausnahmen an den Feiertagen respektive am Neujahr.

Ausnahmen für Mitternachtsmessen

Der Vertreter der Evangelisch-reformierten Kirche führte aus, dass sie die Petition eigentlich nur an einem Punkt treffe, nämlich bei jenen beiden Gottesdiensten, die man nach 19 Uhr abhalte: Zum einen wäre dies in der Heiligen Nacht am 24. Dezember und in der Osternacht zur Osternachtfeier. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Glocken in diesen beiden Nächten weiterhin zum Gottesdienst läuten dürften.

Gemäss dem Vertreter des WSU seien jährlich aus dem Stadtgebiet lediglich etwa drei Beschwerden eingegangen. Jede müsse im Einzelfall behandelt werden, gebe es doch keine Grenzwerte im Gesetz. Die Abklärungen der Kommission haben ergeben, dass noch insgesamt sieben Kirchen über einen nächtlichen Glockenschlag verfügen – bei der Pauluskirche sei allerdings von 22 Uhr bis 6 Uhr eine Schlagsperre in Kraft und bei der Matthäuskirche sei im Januar 2021 ein Magnethammer für die Lautstärkeregelung eingebaut worden.

Zwei Parteien in der Bevölkerung

Es habe sich gezeigt, dass es innerhalb der Bevölkerung zwei Parteien gebe: Jene, die durch die nächtlichen Glockenschläge in ihrem Schlaf gestört würde und jene, die die Glockenschläge beruhigend fände, wenn sie sie in der Nacht hört. Die Petitionskommission habe Verständnis für beide Seiten. Die Kommission ersucht die Regierung zu prüfen, ob der Glockenschlag in allen in Frage kommenden Kirchen während der Nachtruhe entweder gänzlich abgestellt oder als Alternative statt einem viertelstündlichen ein stündlicher Glockenschlag eingerichtet werden könnte.