Hätte ja sein können. Schlechte Erfahrungen und dann der Entscheid: Chaisen sind passé, wir machen Fasnacht ohne Pferde. War aber nicht so. Im Gegenteil. Der Kanton lobt die Kutscher für ihre Kooperation, er freut sich über die gute Gesundheit der Pferde und ist zufrieden mit dem neuen Checkpoint-System. Aus diesen Gründen haben das Veterinäramt und das Fasnachts-Comité nun beschlossen, Chaisen und Vorreiter weiterhin zu erlauben. Dies teilten sie am Mittwoch gemeinsam mit.

Erstmals hat eine Tierärztin während des Cortège sämtliche Pferde auf Stresssymptome und deren allgemeinen Gesundheitszustand untersucht. An einem Checkpoint beim Riehenring mussten die Chaisen, also Kutschen, anhalten und ihre Tiere einem Schnellcheck unterziehen lassen. Im Vorfeld hatten die Kutscher bereits ihre Fähigkeit nachweisen und Angaben zu den Tieren machen müssen. Bei den Kontrollen stellte die Ärztin fest: «Lediglich ein Pferd wies altershalber leichte gesundheitliche Auffälligkeiten auf.» 

Nächstes Mal nur Stichproben

Die neuen Auflagen waren eine Reaktion auf Protestaktionen. Unter Federführung des Polizisten und Tierrechtsaktivisten Olivier Bieli hatten Tierschützer ein Verbot von Tieren an der Fasnacht gefordert. Stress und Lärm seien unzumutbar. Ausserdem sei es unverantwortlich, die Tiere zu sedieren.

Die Massnahmen ging den Tierschützern aber nicht weit genug, weshalb sie mit weiteren Aktionen für ihr Anliegen kämpften. Mit einer Standdemonstration machten sie auch während der Fasnacht auf sich aufmerksam und wurden teilweise massiv beschimpft. Zwar konnten sie auch viele Unterschriften gegen den Einsatz von Pferden sammeln – allerdings, wie sich jetzt zeigt, ohne einen weiteren Erfolg zu erzielen.

«Wir haben beschlossen, die Eigendeklaration der Chaisen und die schriftlichen Angaben zu den Pferden aufgrund der Einführung neuer Bestimmungen der eidgenössischen Tierschutzverordnung beizubehalten», schreiben Veterinäramt und Comité, aber: «Lückenlose Untersuchungen der Pferde werden aber keine mehr durchgeführt. Vorbehalten bleiben Stichproben durch eine Tierärztin.» 

Tierschützer kämpfen weiter

Olivier Bieli kritisiert, es müsse sich «wohl zuerst ein Zwischenfall ereignen», bis dem «Pferdeleid» ein Ende bereitet wird. Und: «Völlig gesunde Tiere werden für einen Spass-Anlass ruhig gespritzt – das grenzt an Tierquälerei.»

Rund ein Fünftel der Pferde hat laut Veterinäramt Beruhigungsmittel erhalten. Die Dosen seien allerdings «sehr tief» gewesen. Für Olivier Bieli ist klar: «Wir kämpfen weiter und werden unsere Arbeit nicht einstellen, bevor auch die letzte Chaise verschwunden ist.»