Portrait

Pfister Act: Zu Besuch bei Familie Pfister

Geschwister Pfister: Raphael, Pascal, Lukas und Benedikt (v.l.n.r.)

Geschwister Pfister: Raphael, Pascal, Lukas und Benedikt (v.l.n.r.)

Politik, Gastronomie und Gesellschaft. Die vier Brüder Pfister prägen Basel – jeder auf seine Weise, aber trotzdem gemeinsam. Engagement, Kirche und Fussball halten die Familienbande eng.

«Abgesehen vom Bartwuchs hat sich nicht allzu viel verändert», meint Pascal Pfister. Der 40-Jährige ist der Älteste von vier Brüdern. «Und ich bleibe wohl immer das Nesthäkchen und schwatze immer noch am meisten», meint Raphael – 13 Jahre jünger. Die vier Pfisterbrüder verbindet vieles, gleichzeitig haben sie in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen für Aufsehen gesorgt.

Pascal Pfister ist bisher der einzige Kandidat aufs SP-Präsidium. Ab Ende Monat dürfte der frühere Gewerkschafter als Präsident der mit Abstand grössten Partei im Kanton einer der wichtigsten Politiker sein. Der Zweitälteste Benedikt (Jahrgang 1978) und der Jüngste Raphael (1989) haben vor zweieinhalb Jahren zusammen mit Benedikts Partnerin die Fussballkultur-Beiz Didi Offensiv am Erasmusplatz gegründet. Dort ist auch Lukas (Jahrgang 1982) Gesellschafter. Er arbeitet beim Bund.

«Bei uns zu Hause war es immer sehr lebendig», erinnert sich Pascal. «Wir haben immer viel zusammen gemacht. Und abends am Esstisch wurden regelrechte Konferenzen abgehalten.» Das erstaunt wenig, wenn man bedenkt, wer der Vater der vier Pfister-Brüder ist. Xaver Pfister ist einer der bekanntesten katholischen Theologen in der Region.

Über zwei Jahrzehnte lang war er als Informationsbeauftragter das Gesicht der römisch-katholischen Kirche in Basel. Lange Jahre amtete der mittlerweile 69-Jährige ausserdem als Radioprediger und Wort-zum-Sonntag-Sprecher beim Schweizer Fernsehen und bei Telebasel.

Gleichzeitig ist Xaver Pfister für viele in der Kirche ein unbequemer Geist, der sich auch nicht scheute und scheut, seine Meinung zu sagen, selbst wenn er damit auf Konfrontationskurs mit der Institution Kirche ging. Für Aufsehen sorgte er etwa, als er 2004 in einem offenen Brief den damaligen Papst Johannes Paul II. zum Rücktritt aufforderte.

«Kämpferische Eltern»

Mit seinem Reformdrang zog sich Laientheologe Pfister immer wieder den Zorn von konservativen Kirchengängern auf sich. «Ich hatte schon als 10-Jähriger Leute am Telefon, die mich beschimpften, als ich mal abgenommen habe», erinnert sich Benedikt Pfister. Auch die Mutter Gabriele ist in der Kirche engagiert. Lange Zeit ebenfalls als Theologin und Jugendarbeiterin, später arbeitete sie als Religions- und Lateinlehrerin.

«Unsere Eltern waren sehr kämpferisch», sagt Pascal . «Wenn man dann als Sohn immer wieder mitbekommt, wie ihnen deswegen ans Bein gepinkelt wird, fragt man sich schon, ob das der richtige Ort für dich ist.» Gleichzeitig habe er erfahren, dass es in der Kirche auch viele Leute gibt, die wertvolle Arbeit verrichten.

Obwohl die vier keinen grossen Bezug zur Institution haben, sind noch alle Mitglied der Kirche: «Und in Diskussionen ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich am Ende die katholische Kirche in Schutz nehme», sagt Benedikt. Bei Städtereisen habe man um keine Kirche einen Bogen machen können, erinnert sich Raphael. «Ich glaube, in unserer ganzen Werthaltung spielt der religiöse Hintergrund unserer Eltern eine wichtige Rolle. Bei uns halt in säkularisierter Form», sagt Lukas.

Aus Söhnen werden Väter

Der Vater habe sich bemüht, bei seinen Söhnen ein historisches Bewusstsein zu schärfen. Jeweils am Gründonnerstag stand ein Ausflug zu einem Schauplatz des Ersten oder Zweiten Weltkriegs an. Und die Faszination für Geschichte hat Früchte getragen.

Benedikt arbeitet neben der Beiz als freischaffender Historiker und hat zuletzt ein Buch über die Geschichte der Katholiken in Basel verfasst und letztes Jahr das Buch «Erfolg isch nid alles im Lääbe» über die Fankultur des FCB mitgeschrieben. Raphael hat ebenfalls Geschichte studiert und ist neben seiner Arbeit im Didi Offensiv momentan an der Ausbildung zum Sekundarlehrer.

Auch die Verhältnisse im Hause Pfister haben die vier geprägt. «Obwohl es am Schluss die klassische Rollenverteilung war, würde ich sagen, dass meine Eltern für die damalige Zeit sehr fortschrittlich waren», sagt Pascal. So habe der Vater bereits einen Papi-Tag gehabt und die Mutter habe trotz vier Kindern praktisch durchgehend ihren Beruf ausgeübt. Mittlerweile ist die Familie Pfister um eine weitere Generation gewachsen.

Zwischen Weihnachten und August vergangenen Jahres sind die drei älteren Brüder jeweils selber Vater geworden, Pascal sogar von Zwillingen. Daraufhin kündigte er seine Stelle bei der Gewerkschaft und amtete ein halbes Jahr als Vollzeitvater. Alle drei Väter arbeiten Teilzeit. Raphael ist als Babysitter im Einsatz. «Ein toller Nebeneffekt ist, dass man sich mittlerweile wieder deutlich öfters sieht», sagt Lukas. Auch gemeinsame Ferien sind angedacht.

«Beflügeln sich gegenseitig»

Kommt dazu: Mit dem Nachwuchs hat sich die Anzahl Geburtstage und damit Familienfeiern deutlich vermehrt. Und an diesen entstehen bekanntlich immer die besten Ideen. So auch das Didi Offensiv. Die Beiz am Erasmusplatz hat sich seit dem Anpfiff vor drei Jahren zum gemütlichen Treffpunkt und Mekka für Fussballbegeisterte entwickelt. «Die Idee trug ich schon lange mit mir rum», sagt Benedikt.

An einem Familienfest sei es dann zur Sprache gekommen, «noch sehr unausgegoren». Neben dem Konzept, die Beiz der Fussballkultur zu widmen, sei das Didi Offensiv von Anfang an als Familienbetrieb aufgegleist gewesen: «Wir wollen nicht alles kommerziell bis zum letzten ausreizen, sondern legen mehr Wert darauf, dass sich die Leute bei uns wohlfühlen», sagt Benedikt.

«Die vier sind sehr eigenständige Wege gegangen», sagt ihr Vater Xaver Pfister. «Aber für alle ist ein Engagement für die Gemeinschaft oder die Gesellschaft sehr wichtig.» Darauf seien er und seine Frau sehr stolz. Durch die gute Beziehung untereinander würden sich die Brüder immer wieder gegenseitig beflügeln. Beeindruckt ist der frisch gebackene Grossvater von der Rolle, welche seine Söhne als Väter übernehmen. «Sie sind in der Entwicklung klar einen Schritt weiter als wir.

Wir haben zwar immer beide gearbeitet, aber letztlich war klar, dass ich bei 100 Prozent bleibe.» Zum Familienbild beigetragen habe sicherlich auch seine starke Depression, welche er zwischen 50 und 60 durchmachte und die er immer wieder öffentlich thematisierte, so Xaver Pfister. «Sie haben erlebt, dass ein Vater nicht nur stark sein kann. So eine Erfahrung gibt ein ganzheitlicheres Menschenbild.»

Faszination Fussball

Nur die Liebe zum Fussball kann sich der Vater nicht so ganz erklären: «Ich habe mich nie sonderlich dafür interessiert. Aber schon als kleine Buben wollten sie, dass ich sie ins Joggeli mitnehme.» Tatsächlich mauserte sich das runde Leder neben Kirche und Geschichte zu einer weiteren Konstante im Hause Pfister.

Drei der vier Brüder haben zusammen beim FC Nordstern gespielt. «Und der Samstagabend war ein Fixtermin bei uns zuhause: Zuerst die deutsche Sportschau mit Bundesliga, dann das gemeinsame Nachtessen», erinnert sich Raphael. Und noch heute verbindet sie der Fussball, alle besitzen ein Saisonabo fürs Joggeli – neben den Familienfesten ein weiterer Fixtermin, zu dem die vier zusammen kommen.

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