Corona-Virus

Pflanzen trotz Krise? Viele regionale Gärtnereien bangen ums Geschäft – und werden erfinderisch

Stephanie Zumstein mit Primeli, die dringend Abnehmer suchen.

Stephanie Zumstein mit Primeli, die dringend Abnehmer suchen.

Für viele Betriebe geht es jetzt ums nackte Überleben. Das treibt den Erfindergeist an – die Krise schreibt auch schöne Geschichten.

Die Corona-Krise trifft die Gärtnereien der Region zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Im Frühling werden sie normalerweise überrannt: Die Leute kaufen en masse Jungpflanzen – seien es Kräuter-, Gemüse- oder Zierpflanzensetzlinge, rüsten damit ihr Gartenbeet, die Terrasse oder die Balkonkiste auf. Stephanie Zumstein von der Gärtnerei Zumstein in Schönenbuch sagt zur bz: «In den Monaten März bis Mai erwirtschaften wir drei Viertel unseres Jahresumsatzes.»

Normalerweise. Wegen der Notmassnahmen des Bundes müssen jetzt auch die Gärtnereien – in den meisten Fällen handelt es sich um kleine Familienbetriebe – geschlossen bleiben. Zumindest ihre öffentlich zugänglichen Läden. «Eine Katastrophe für uns. Wir betreiben ja auch einen Stand am Marktplatz in Basel – diese Einnahmequelle fällt auch weg,» sagt Zumstein. Nicht nur, dass grosse Teile der Umsätze nun wegbrechen könnten. Das Horrorszenario von Schnittblumen und den Jungpflanzen, die anfangen zu blühen: Dass sie vernichtet werden müssen. Denn, so sagt Zumstein weiter: «Die Setzlinge wachsen nun rasch. Das heisst, sie müssen bald umgepflanzt werden, in grössere Töpfe. Dafür haben wir keinen Platz, wir sind dringend auf Abnehmer angewiesen.»

Die Gärtnereien probieren nun alle möglichen Ideen, um die Pflanzen doch noch an die Kunden zu bringen. Bei der Biogärtnerei am Hirtenweg in Riehen werden zum Beispiel bestellte Pflanzen im Abholbereich des Geschäfts kontaktlos bereit gestellt, ebenso bei der Gärtnerei Allemann in Witterswil. Inhaber Rolf Allemann: «Jedem Kunden, der etwas bestellt hat, teilen wir einen fixen Zeitpunkt zur Abholung mit, damit jeweils nur eine Person sich bei der Abholbox aufhält. Das funktioniert, die Leute sind sehr diszipliniert. Eine tolle Geschichte, die gerade passiert. So werden sowohl meine Mitarbeiter als auch die Kunden geschützt.»

Jungmannschaft stellt Onlineshop auf die Beine

Sowohl Allemann als auch die Gärtnerei Zumstein setzen nun zudem auf einen kostenlosen Heimlieferdienst. «Wir liefern gerne aus – vor allem für ältere Menschen. Wenn möglich, bitten wir die Kunden aber, von der Abholbox Gebrauch zu machen,» sagt Allemann.
Die Gärtnerei Zumstein hat den kontaktfreien Heimlieferservice vergangene Woche lanciert, und so, wie der Start verlaufen ist, macht es den Zumsteins Mut: Donnerstag und Freitag sei die Nachfrage riesig gewesen. «Nun hoffen wir, dass das so weiter geht», sagt Stephanie Zumstein. Finanziell habe man schon ein wenig Luft, «aber wenn die Situation anhält, werden wir ums Überleben kämpfen.» Auf einen Onlineshop verzichtet Zumstein, weil das einen zu grossen finanziellen Aufwand für das kleine Unternehmen bedeuten würde. Bestellt werden kann per E-Mail oder per Telefon.

Besser sieht es bei Allemann in Witterswil aus. Er sagt, dass er mit dem neuen Verkaufskonzept, das seine Familie in den vergangenen Tagen auf die Beine gestellt habe, überleben könne. «Wir betreiben seit vergangener Woche einen Onlineshop. Meine Kinder haben sich enorm ins Zeugs gelegt.» Es würden nun sehr viele Bestellungen auf diesem Weg reinkommen, so Allemann. Darunter seien viele Sammelbestellungen von Stammkunden, die Solidarität von dieser Seite sei «unglaublich». Und im Consum, dem neuen Lebensmittelladen an der Rheingasse von Hotelier Franz-Xaver Leonhardt (die bz berichtete), könne man Kräuter von seiner Gärtnerei kaufen, so Allemann. «Diese Zusammenarbeit ist für mich ein Highlight in dieser Krise. Es passieren gerade sehr viele schöne Dinge, das macht mir Mut.»

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