Natur

Pflanzenfestival Botanica in Basel: Die etwas andere grüne Welle

Die Begeisterung für Zimmerpflanzen boomt auch in Basel – das zeigte das Pflanzenfestival Botanica eindrücklich.

Reges Treiben im Klybeck-Quartier: Die ehemalige Industriehalle, in welcher der Padelclub Basel normalerweise die Trendsportart aus Mittelamerika ausübt, erscheint plötzlich in tropischem Flair. Grüne Zimmerpflanzen wohin das Auge blickt, es duftet nach feuchter Erde und frischen Blättern.

Und mitten durch diesen urbanen Dschungel wandeln sie, die Pflanzenbegeisterten aus der ganzen Schweiz, die für die erstmals stattfindende Botanica nach Basel strömten. Über 1000 Gäste waren es, die von Mittwoch bis Samstag in die Halle kamen, um tropische Pflanzen zu kaufen, an Workshops über Balkongärtnern oder Heilkräuter teilzunehmen oder eigens für Pflanzen komponierter Musik zu lauschen und dabei an einem Botanical-Drink zu nippen.

«Dass gleich beim ersten Mal so viele Pflanzenfreunde kommen würden, hätten wir nicht erwartet. Auch, weil wir kaum Werbung machen konnten», sagt Organisatorin Myrta Holinger. Die Idee, ein Pflanzenfestival zu veranstalten, sei ihr während des Corona-Lockdowns gekommen. Der Hintergrund ist klar: Die Menschen mussten zu Hause bleiben, also begannen sie, sich die Natur nach Hause zu holen. Es entwickelte sich eine Community, die nun ihre Ausläufer nach Basel schickte. «Das Bewusstsein für Natur und Nachhaltigkeit wächst schon seit einigen Jahren – entsprechend waren Pflanzen schon vor Corona wieder im Trend», erklärt Hollinger. «In den letzten Monaten ist der Boom aber nochmals angewachsen. Social Media war dabei ein entscheidender Faktor.»

Nun konnten sich die Pflanzen-Freaks erstmals wieder physisch austauschen, statt ihre Begeisterung nur via Instagram & Co. zu teilen. Die Padel-Halle erwies sich dafür als bestens geeignet, war sie doch gross genug, um die Einhaltung der Abstandsregeln zu gewährleisten.

Sich um etwas kümmern: Pflanzen als Kinder-Ersatz

Illustrationen der Basler Kunstschaffenden Cora Meyer und Tizian Aellig, Bilder der lokalen Fotografin Claudia Link und eine aufwendige Videoinstallation des Duos Stroboboks liessen die Betrachter ins Dschungelfieber abtauchen. Daneben lockten täglich Workshops und Talks zu Themen wie Zimmerpflanzen, Pflanzenkunst und Heilkräutern.

«Es hat total Spass gemacht, die Begeisterung mit so vielen Menschen zu teilen», sagt Marlon Candeloro. Der 34-jährige Informatiker leitete den Zimmerpflanzen-Workshop. Auch er bemerkt einen Boom in der Szene. «Meine These ist aber auch, dass es vor allem bei Leuten einschlägt, die in einem Alter sind, in dem man früher schon Kinder bekommen hätte. Jetzt ist da eben trotzdem ein Bedürfnis, sich um etwas zu kümmern. Da sind Pflanzen ein toller Ersatz», ergänzt er.

Marlon Candeloro begann vor 15 Jahren, sich Zimmerpflanzen zuzutun. Mittlerweile stehen über 160 davon in seiner Wohnung. «Vermutlich muss auch ich etwas kompensieren», gibt er lachend zu. Seine These könnte sich bewahrheiten – denn blickt man durch die Reihen der Pflanzenfreunde, fällt doch auf, dass ein Grossteil davon in den späten Zwanzigern ist. «Da bin ich wohl gerade ein gutes Beispiel», scherzt eine junge Frau, während sie stolz eine frisch gekaufte Pflanze einpackt.

Doch nicht nur Zimmerpflanzen standen im Rampenlicht. Auch das Urban-Gardening hatte dank dem Basler Start-up Urban Roots Platz an der Botanica. «Wir wollen den Menschen auf spielerische Weise das Gärtnern wieder näherbringen», erklärt Gründerin Scarlet Allenspach ihre Motivation. Im Workshop nimmt sie Anfänger an die Hand, erklärt Themen von Aussaat bis Kompost.

Carla Boschung vor ihrem fast leergekauften Pop-Up-Store.

Carla Boschung vor ihrem fast leergekauften Pop-Up-Store.

Wer es erst am Samstag an die Botanica schaffte, erblickte nicht mehr ganz so viel grün wie an der Eröffnung. Die Pflanzen-Freaks hatten den Pop-up-Store der Pflanzerei Zürich fast leer gekauft. «Wir sind mega happy», sagt Inhaberin Carla Boschung. Stolze 800 Pflanzen seien während der Botanica über ihre Theke gegangen.

Für Boschung und die anderen Organisatoren ist klar: Die grüne Welle soll bald wieder über Basel schwappen: «Wir sahen die erste Durchführung als Testlauf, ob überhaupt das Bedürfnis für so einen Event besteht. Das hat geklappt, die Rahmung durch die vielen Events und Aktivitäten war genial. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.»

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