Xylella fastidiosa. Was wie ein Zauberspruch aus den Harry-Potter-Romanen klingt, ist in Wahrheit der Name eines Bakteriums. Schlimmer noch: Xylella ist ein Pflanzenkiller. Aus Nord- und Lateinamerika kommend, wütet der Schädling in Italien bisher besonders schlimm. Ganze Haine von Olivenbäumen hat er zerstört. Anfang August drang die Nachricht an die Öffentlichkeit, dass Xylella auch in vier Pflanzen in der Schweiz gefunden wurde. Drei davon standen laut «Tages-Anzeiger» in einem Gartencenter im zürcherischen Dürnten, die vierte im Kanton Luzern, wie der eidgenössische Pflanzenschutzdienst (EPSD) auf Anfrage mitteilt.

Die Region Basel ist bisher verschont geblieben vom Schädling, der auch Feuerbakterium genannt wird. Gleichwohl sind die Auswirkungen von Xylella auch hier spürbar. Das Gartencenter Wyss, mit Standorten in Muttenz und Oberwil, hat schon Pflanzen aus dem Sortiment genommen, etwa die Zwergdattelpalme. Tillandsien sind nur noch reduziert verfügbar. Ein internes Merkblatt informierte die Mitarbeiter bereits Ende 2015 über das Problembakterium. Verdächtige Pflanzen sollen demnach sofort der Einkaufsabteilung gemeldet werden. Das Problem dabei: Ein typisches Schadensbild gebe es nicht bei Xylella-Befall. Auch bei den Merian Gärten ist Xylella ein Thema, teilt die Kommunikationsverantwortliche Alexandra Baumeyer mit. Beim Kantonalen Pflanzenschutz ist man laut Stephan Ramin «sehr sensibilisiert» auf den Schädling.

Ein Gegenmittel existiert nicht

Xylella befällt mehr als 100 Pflanzenarten, darunter auch Nutzpflanzen wie Kaffee- und Zitruspflanzen und eben Oliven. Hat es eine Pflanze erwischt, ist sie nicht mehr zu retten. Ein Mittel gegen das Bakterium existiert nicht. «Wir sind sehr besorgt wegen Xylella», sagt Bruno Erny, Leiter des botanischen Gartens der Universität Basel. Man beziehe keine Pflanzen, welche Träger sein könnten, aus Problemländern wie Italien. Ansonsten halte man sich an die Weisungen des Bundesamtes für Landwirtschaft.

Dazu gehört der nationale Pflanzenschutzdienst – und dieser hat die Einfuhrbestimmungen seit 2015 mehrfach verschärft, um Xylella aus der Schweiz fernzuhalten. Hochrisikokandidaten wie die Kaffeepflanze dürfen nicht mehr aus Honduras und Costa Rica eingeführt werden. Direktimporte seien aber ohnehin selten, sagt Andreas von Felten vom EPSD. Pflanzen aus Nicht-EU-Ländern werden häufig via Holland, Belgien oder auch Deutschland importiert. Jede importierte Pflanze wird durch den jeweiligen Pflanzenschutzdienst kontrolliert. In die Schweiz kommen die meisten Importe via die Flughäfen Zürich und Genf. Der EuroAirport steht laut von Felten weniger im Fokus, weil ihn keine Flieger aus Hochrisikoländern anfliegen.

Wenn die verschärften Einfuhrbestimmungen seriös umgesetzt werden, sollte Xylella fastidiosa aus der Schweiz fernzuhalten sein, ist sich von Felten sicher. Als grösste Gefahr, dass das Bakterium sich auch hierzulande verbreitet, sieht er Einschleppungen durch Private, die ihren Import nicht anmelden. «Wenn jemand ein Olivenbäumchen aus den Ferien in Apulien heimbringt, ist das grundsätzlich verboten», sagt von Felten. Oftmals wüssten die Leute das aber nicht. Würde Xylella auf diesem Weg in die Schweiz eindringen, würde es nachher extrem schwierig, die Ursprungspflanze zu finden, weil sie in keiner Kontrolle registriert worden wäre. Wer eine Pflanze in die Schweiz importieren will, muss sie bei der Einfuhr beim EPSD anmelden. Ausserdem muss die Pflanze von einem Pflanzenpass begleitet werden und der Importeur in der Schweiz registriert sein.