Riehen zählt damit zu den Schweizer Gemeinden mit höchsten Altersdurchschnitt. Zum Vergleich: In Basel sind rund 26 Prozent über 60; 23 Prozent sind es gesamtschweizerisch. «Bei uns ist die Entwicklung vorweggenommen. Die restliche Schweiz wird in 15 bis 20 Jahren auch dort sein, wo wir stehen», sagt die zuständige Gemeinderätin Annemarie Pfeifer (EVP). Betagte seien Herausforderung und Chance zugleich: «Sie haben ein grosses Potenzial an Erfahrung und Zeit und sind teilweise auch bereit, dieses in die Gemeinschaft einzubringen.»

Um ihre Bedürfnisse zu erfahren und die Rentnergeneration besser gesellschaftlich einbinden zu können, hat Riehen 2012 das Konzept 60 Plus entwickelt. Pfeifer: «Das grosse Thema ist, wie wir die Menschen, die sich einbringen möchten, mit denen zusammenbringen, die etwas brauchen.» Der Kompass sei ausgerichtet, nun gehe es darum, den bereits «sehr guten Service für die Betagten» weiter zu verbessern.

Massnahmenpaket geplant

Diesen September hat der Gemeinderat das Alterskonzept mit 37 Massnahmen verabschiedet. Die Palette der Massnahmen ist sehr breit. Einige Dinge klingen simpel. Zum Beispiel sollen mehr Sitzbänke montiert werden, es soll ein weiteres Café Balance sowie Internetkurse für Senioren geben. Die Pflegeberatung erhält 70 Stellenprozente mehr und wird zur Fachstelle Alter.

Aber auch der Bereich Alterswohnen soll gefördert werden. «Wir wollen private Eigentümer und Genossenschaften ermutigen, bei Umbauten die Wohnungen barrierefrei zu gestalten», sagt Pfeifer. Das Angebot von rund 180 Wohnen mit Service-Angebot sei schon recht gross. Dennoch wünscht sich die Gemeinde rund 40 weitere Wohnungen. «Eine Lücke sehe ich bei Mehrgenerationen-Projekten. Betagte wollen nicht unbedingt auf einem Alters-Gelände wohnen.»

Die Massnahmen haben nicht Politiker erfunden. In Mitwirkungsverfahren konnten ältere Menschen ihre Anliegen einbringen. «Wir waren überrascht, wie viele mitgemacht haben», sagt Anna Katharina Bertsch, ehemalige Leiterin des Projekts 60 Plus. Sie ist nun für die Umsetzung verantwortlich. Jeder der drei Workshops wurde von 50 Personen besucht, gerechnet hatte sie mit rund 20. «Interessant war zu sehen, wie unterschiedlich die Bedürfnisse sind abhängig von Gesundheit, sozialer und finanzieller Situation der Senioren.»

Kanton plant Pflegebetten

Ganz unabhängig ist die Alterspolitik in Riehen nicht. Die Pflegebetten-Planung liegt beim Kanton. Momentan gibt es in Riehen 366 Pflegebetten. Die Situation in den vier Riehener Pflegeheimen sei komfortabel, sagt Pfeifer: «Die Wartezeit für ein Bett beträgt etwa drei Monate.» Und in den nächsten fünf Jahren wird der Bestand mit diversen Neu- und Ausbauprojekten aufgestockt. Zum Beispiel baut das Adullam und wird die Bettenzahl erhöhen; ebenso das Wendelin. Weitere Plätze sind in den Heimen Dominikushaus und Humanitas geplant. «Werden alle Betten realisiert, wird es Platz für betagte Basler geben», sagt Pfeifer. Einen Trend, dass ältere Menschen ihren Lebensabend in Riehen verbringen wollen, stelle sie aber nicht fest.