Zwei säuerliche Damen und eine Quotenzürcherin. Ein Schnitzelbangg, «die Aagschissene», muss vorsingen. Wir spüren: Das kommt nicht gut. Freche Verse lassen sie raus, mal sexistisch, mal rassistisch. Die Sauertöpfinnen sind entsetzt, die Zürcherin findet es «hueremegageil» und «hammäär».

Und sofort finden wir diese Zürcherin – die Fasnachtsklassenfeindin – sympathisch. Ein raffinierter szenischer Trick, denn so etwas darf ja im Prinzip nicht sein. Eine neue Form des Stockholm-Syndroms?

So geht es um die plötzlich erschreckend aktuell gewordene Frage: Was darf Satire? Was darf sie nicht? Wie gehen wir in Basel vor und während der Fasnacht mit dieser Frage um? Es ist zu befürchten, dass sie uns wie ein Schatten begleiten wird.

«Die Aagschissene», der Name ist Programm, müssen alles überarbeiten: Name, Verse, Kostüme, Pointen. Kurze Zeit später sind sie da: Sie heissen «Duftkerzli», haben brave Nachthemmli an und Buschilärvli mit einem Nachthafen mit Kerze auf dem Kopf, eh wie hailos luschtig!

Und wie nett doch die Värsli geworden sind, etwa in der Art: «I stich nit dry, ich schloh nit zue und sag minere Frau nid bleedi Kue.» Die Zürcherin ödets an und irgendwann warnt sie: Wenn es sich zu stark gegen Zürich wendet, dann werde das SRF nicht ausstrahlen. Dieses Rahmenstiggli bekommt die Kurve elegant, was man über einen Burka-Vers des Schnitzelbangg Peperoni nicht behaupten kann.

Sympathische Neulinge

Einen ausgezeichneten Einstand hatte der erstmals im Pfyfferli auftretende Urs Bihler – ein grosser Gewinn. Publikumsliebling war, ebenfalls ein Neuling, David Bröckelmann mit seinen umwerfenden Personen-Sprachimiationen. Auch wenn er fast nichts sagt. Wie etwa als Muri Yakin.

Der «Schlamm Poet» ist eher von der rustikalen Sorte. Roland Herrmann gibt als Rammel-Rapper Gas. Und als Masseur, der die Wellnessklinikhoteldirektorin mit grünem Schleim bearbeitet, ist er auch nicht gerade zimperlich. Hermann kann so machomässig-dümmlich dreinschauen, dass man Mitleid bekommt.

«Vor der Kaserne»

Von der ganz feinen Art war die Lilli Marleen von Caroline Rasser mit subtilem Sprachwitz, Melancholie und Esprit. Lilli darf ungeniert von einer Elb(Rhy-)philharmonie auf der Kaserne, x-fach höher als der Roche-Turm, daherfantasieren. Das Bühnenbild, ein kleines Meisterwerk, zeigt einen verregneten Kasernenhof. Und sie macht eine kurze Referenz an Grossvater Rasser alias HD Läppli, der kurz in einem eingespielten Filmausschnitt auftaucht. Weme dänggt, weme dänggt.

Die fasnachtsmusikalischen Beiträge sind wie gewohnt spitze. Das Arrangement von John Ciaglia des heute immer weniger gespielten «Tango» ist zwar ungewohnt, funktioniert aber. Ausserordentlich das Trommeltrio mit dem «Dialog» von Alex Häfeli. Die eine Trommel ist dumpf (ohne Saiten), sodass im Prinzip zweistimmig getrommelt wird. Bemerkenswert ist der «Fyyrvogel». Voller Synkopen, Taktwechsel und unerwarteter Pausen – um Himmelswillen, wie kann man so etwas auswendig lernen? Wahrscheinlich haben die heimlich geübt.

Regie führte zum ersten Mal Nicolas Ryhiner. Pro Vorstellung treten als Bangg jeweils zwei der folgenden Formationen auf: «Singvogel», «Peperoni», «Spitzbueb», «Tam Tam» und «Doggter FMH». Achtung: Es hat nur noch wenige Plätze!