Jahrelanger gab es zu wenig Lehrstellen, jetzt hat sich das Blatt gewendet: Zum ersten Mal seit Beginn der Lehrstellen-Statistik benötigt die Schweizer Wirtschaft mehr Lehrlinge als vorhanden sind.

Bei diesem plötzlichen Notstand greift vor allem die Pharma- und Chemieindustrie auf Kräfte aus dem Ausland zurück. Die Basler Konzerne Novartis, Roche und Syngenta rekrutieren Lehrlinge auch über die Grenze hinweg.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Auszubildenden seien aus grenznahen Teilen Deutschlands und Frankreichs, erklärt Martin Oppliger, Berufsbildungskoordinator bei Novartis-Manager gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Die Lernenden gehen auch in der Schweiz in die Berufsschule. Der Schweizer Markt für anspruchsvolle Berufe Bio- oder Chemielaborant sei zu klein.

Im angrenzenden Ausland finden Pharma- und Chemiefirmen das, was sie suchen. Erstaunlich ist dabei auch, dass viele der deutschen Lehrlinge ein Abitur haben.

Ausländische Lehrlinge finden sich aber nicht nur in der Basler Pharma und Chemie. Auch andere Grenzkantone kennen sie. Im Aargau gibt es heute 70 Auszubildende, die von jenseits der Grenze stammen. Auch im Kanton Zürich gibt es solche, sie werden dort statistisch aber nicht erfasst.