Urteil

Physiotherapeut für sexuelle Handlungen verurteilt

(Symbolbild)

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Ein Physiotherapeut der Basler Schmerzklinik hat über Jahre hinweg seine Arbeit für sexuelle Handlungen ausgenutzt. Noch ist nicht klar, ob er ins Gefängnis muss.

Sein Stuhl war leer, als das Dreiergericht den 50-jährigen Physiotherapeuten wegen sexueller Nötigung, Schändung und Ausnützung einer Notlage zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verurteilte. Insgesamt gab es Schuldsprüche in 18 von 20 Anklagepunkten. Der Mann muss wegen massiver sexueller Übergriffe an vier betroffene Frauen auch Genugtuungen von zweimal 8000 und je einmal 6000 und 2000 Franken bezahlen. Dazu kommen Gerichtskosten von über 20 000 Franken. Dazu sprach das Gericht ein Berufsverbot als Physiotherapeut für die maximal mögliche Dauer von fünf Jahren aus, allerdings nur in der Schweiz. Bereits zum Prozessaufakt zu Wochenstart hatte er ein Arztzeugnis eingereicht: Er leide an einem Bandscheibenvorfall. Die Verhandlung fand dennoch statt. Zur Urteilseröffnung am Freitag liess er sich nun per Arztzeugnis dispensieren, der in Deutschland wohnhafte Mann ist wohl bereits abgereist. Damit er überhaupt an die Hauptverhandlung nach Basel kam, sicherte ihm das Gericht freies Geleit zu: Eine Verhaftung war demnach ausgeschlossen.

Was das für das Urteil nun bedeutet, ist unklar: Die teilbedingte Strafe von zweieinhalb Jahren beinhaltet einen unbedingten Teil von sechs Monaten. Möglicherweise muss er diese Strafe in Deutschland absitzen.

Mitarbeiterinnen bedrängt

Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger sagte zur Urteilsbegründung, der Mann habe als Leiter der Physiotherapie das Vertrauen seiner Patientinnen ausgenutzt. Darunter seien auch Frauen mit starken Beschwerden gewesen, die auf die Behandlung angewiesen gewesen wären. Übel nahmen ihm die Richter, dass er auch diese Woche an der Hauptverhandlung in einer herabsetzenden Weise über die Opfer gesprochen habe. Der Mann hatte alle Vorwürfe kategorisch abgestritten.

Nebst Patientinnen hatte der Mann auch Mitarbeiterinnen und Druck gesetzt. Als eine Frau ihm sagte, sie werde ihn anzeigen, antwortete er, sie könne nichts beweisen. Später drohte er ihr bei einer Aussprache mit Konsequenzen, woraufhin sie die Übergriffe meldete. Die Staatsanwaltschaft schrieb danach hunderte von Frauen an, erst danach meldeten sich weitere Opfer. Dutzende von Frauen berichteten von Belästigungen – allerdings gelten viele Fälle bereits als verjährt.

Staatsanwältin Eva Eichenberger hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten gefordert. Sie wollte gestern noch nicht sagen, ob sie das Urteil weiterzieht. Falls der Fall vor dem Basler Appellationsgericht landet, ist es denkbar, dass die Schweiz von Deutschland die Auslieferung des Mannes verlangt.

Zehn Wochen hat der Mann allerdings bereits durch die damalige Untersuchungshaft abgesessen. Er musste damals eine Kaution von 10 000 Franken hinterlegen, diese wurde nun zugunsten der Opferhilfe eingezogen.

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