Eigentlich habe sich das Erziehungsdepartement eine gewisse Zurückhaltung mit Kisten und Koffern auferlegt, witzelt Regierungsrat Christoph Eymann vor den Medien. Es ist eine Anspielung auf den Sexualkunde-Koffer, dessen Inhalt Protestbriefe verärgerter Eltern nach sich gezogen hatte.

Plüsch-Penis und -Vagina

Plüsch-Penis und -Vagina

Am heutigen Donnerstag stand wieder eine Kiste vor Eymann. Eine ziemlich grosse sogar. Dieses Mal allerdings eine mit unproblematischem Inhalt. Die Fasnachtskiste ergänzt das neue Kapitel zur Basler Fasnacht im Lehrmittel «Stadtkunde online».

Die Kiste hat das Fasnachtscomité entwickelt und zusammen mit den Basler Volksschulen umgesetzt. «Die Nachwuchsförderung hat einen hohen Stellenwert im Comité», sagt Pia Inderbitzin, Lehrerin am Isaak Iselin-Schulhaus und Mitglied des Fasnachtscomités. Es gibt nämlich immer weniger aktive Fasnächtler. 2007 kamen auf 1000 Basler 62 Fasnächtler, 2016 waren es noch 56.

Die Kiste soll die Fasnacht in die Klassenzimmer bringen und die Begeisterung der Schüler wecken. Spielerisch lernen sie einen Teil der Basler Kultur kennen, zu der gerade Zugezogene oder Kinder mit Migrationshintergrund kaum einen Bezug haben.

Eine wahre Wundertüte

Die Schülerinnen und Schüler von Inderbitzin sitzen freudig aufgeregt an ihren Pulten. «Wir haben die Fasnachtskiste im Gang gesehen», erzählt ein Mädchen. «Aber wir durften noch nicht hineinschauen.» Inderbitzin bringt neben der Kiste gleich auch noch eine Meute neugieriger Journalisten mit ins Klassenzimmer. Doch von ihnen, den Kameras und Mikrofonen lassen sich die Kinder schnell nicht mehr stören. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Inhalt der neuen Box.

Die Kinder packen den Koffer aus – und Jonas präsentiert das Piccolo.

Die Kinder packen den Koffer aus – und Jonas präsentiert das Piccolo.

Alle dürfen einen Gegenstand herausnehmen. Als Erstes hebt ein Mädchen eine Waggis-Larve aus der Kiste. Die Larve haben Freiwillige im Sommer gebastelt. «In unserem Budget gibt es keinen Posten für Fasnachtsförderung», sagt Eymann. Die 31 Kisten haben es nur dank Spenden von Cliquen und der Hilfe von Freiwilligen in die Schulzimmer geschafft. 12'000 Franken hat das Erziehungsdepartement beigesteuert.

Die Kinder ziehen Bücher – zum Beispiel das Baschi-Buch über Baschi an der Fasnacht –, CDs, einen Sack Räppli, ein Böggli und Goschdyym aus der Kiste. Ein Schüler greift zielstrebig nach dem Piccolo. Er ist Pfyffer und gibt seinen Schulkameraden gleich eine Kostprobe des «Araabi». «Ich könnte alle Strophen spielen», erzählt er später. «Aber die haben mich unterbrochen.» Jetzt erklärt er halt seiner Klassenkameradin wie man auf dem Piccolo spielt: «Du musst gucken, dass du das Mundstück spürst.» So einfach ist das aber nicht. Seine Kameradin gibt sich zwar richtig Mühe, doch einen Ton kann sie dem Piccolo nicht entlocken.

Franz König, Verfasser der Basler Stadtkunde, mit einem kleinen Theater zu den Fasnachtsfiguren.

Franz König, Verfasser der Basler Stadtkunde, mit einem kleinen Theater zu den Fasnachtsfiguren.

Am Tisch nebenan versammeln sich einige Schüler um das Böggli und schlagen mit dem Schleegel drauf, während andere die Rätsche durch die Luft schwingen, ihren Kopf in die Waggis-Larve stecken und in Goschdyym schlüpfen. Innert kürzester Zeit hat sich das Schulzimmer in eine kleine Fasnacht verwandelt. Die Kinder erklären einander gegenseitig, was sie schon wissen und blättern in den Büchern.

Ihre Freude zeigt: Diese Kiste wird in Basel Schule machen.