Jetzt steht die Basler Politik in der Pflicht. Das ist für Stararchitekt Pierre de Meuron klar: «Es braucht nun ein Engagement der Öffentlichkeit und einen neuen Effort der Basler Politik, das Commitment des Kantons», sagt er. Das Schweizerische Architekturmuseum (SAM) müsse gerettet werden.

Neben dem Schweizerischen Sportmuseum wird auch das SAM durch Subventionsstreichungen des Bundesamts für Kultur (BAK) in seiner Existenz gefährdet. Dieses hat die Regeln verschärft und das Förderkonzept für Museen und Sammlungen geändert. Die beiden Museen werden vom Bund künftig nicht mehr berücksichtigt. Bisher erhielt das Architekturmuseum von Basel-Stadt 80 000 Franken im Jahr und vom Bund 300 000 Franken. Der Einschnitt ist entsprechend drastisch. Das Museum steht vor dem Aus.

Aus wäre «riesiger Verlust»

Für de Meuron wäre das Aus des Architekturmuseums ein «riesiger Verlust». Es sei eine unerlässliche Plattform, wo Fragen über die Gegenwart und Zukunft von Urbanität und Städtebau, von Landschaft und Territorium gestellt würden. «Mit solchen Fragen müssen sich nicht nur Fachleute, sondern muss sich die ganze Gesellschaft beschäftigen, nicht zuletzt auch die Jugend», ist de Meuron überzeugt.

Zudem habe das Museum eine spezifische Geschichte in Basel, «dieser Stadt der Kunst, Kultur und Architektur: Es gehört hierher». Die Schuld an der schwierigen Situation sieht de Meuron auch bei der Basler Politik. Denn der Bund hat von Anfang an klar gemacht, dass er nur noch zahlt, wenn sich Basel in gleicher Höhe beteiligt – mit mindestens 250 000 Franken. Weil sich der Kanton bisher aber nur mit 80 000 Franken beteiligt, ist das SAM bereits durch den Raster gefallen.

«Ich bin der Meinung, dass die Basler Politik die Situation noch nicht richtig erkannt hat. Das ist enttäuschend», kommentiert de Meuron. Ergo: Mit einer Erhöhung der Subventionen um 170 000 Franken wäre die Parität zu den Mindest-Bundessub- ventionen erreicht gewesen – die dann hätten fliessen können. «So wäre mit relativ geringem Aufwand ein grosser Hebeleffekt zu erzielen gewesen.»

Pierre de Meuron steht mit seiner Kritik nicht alleine. Auch Samuel Schultze, Stiftungsratspräsident des Architekturmuseums und CEO beim Architekturbüro Burckhardt + Partner, hat Erwartungen an die Basler Politik: «Wir müssen mit den Kantonsvertretern sprechen und fragen, was ihnen das Museum wert ist. Es ist bisher eher eine ideelle Wertschätzung. Aber davon können wir uns nichts kaufen.»

Die 80 000 Franken Subventionen im Jahr seien im Vergleich zu anderen Museen sehr wenig. Wenn die Bundessubventionen wegfallen, brauche es einen grösseren Betrag, sonst sei das Museum ernsthaft bedroht. «Ein inhaltliches Museum ‹light› durchzuschleppen, ist nicht sinnvoll.»

Politiker sind bisher skeptisch

Im Basler Grossen Rat dürften solche Forderung auf wenig Begeisterung stossen. Bisher zeigten sich Kulturpolitiker skeptisch. Das Thema sei heikel, weil Baselland mit dem neuen Kulturvertrag bereits fünf Millionen Franken einsparen wolle – für die wohl ebenfalls Basel-Stadt einspringen muss. Die SVP hat sich bereits klar gegen eine Rettungsaktion für die bedrohten Museen durch den Steuerzahler ausgesprochen. Und auch auf linker Seite hält man dies für derzeit kaum mehrheitsfähig. Es brauche daher zumindest noch weitere Geldquellen.

Vom Gesamtbudget von 1,2 Millionen Franken fehle neu ein Viertel für eine inhaltlich überzeugende Museumsführung. Diese über Dritte wieder reinzuholen, dürfte nicht einfach werden, schätzt Schultze. «Es gibt viele Stiftungen in Basel. Sie befassen sich mit bildender Kunst und Sozialem, aber Architektur gehört leider kaum zu deren unterstützungswürdigen Themen.» Pierre de Meuron gibt deswegen noch lange nicht auf.

Wie Burckhardt + Partner engagiert sich das Architekturbüro Herzog & de Meuron schon heute finanziell und personell für das SAM. «Ich glaube, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist», sagt de Meuron. «Wir werden uns weiter mit aller Kraft für das Museum einsetzen.»