Pilotprojekt
Nun kommt der Härtetest für das Velogleis

In brenzligen Situationen soll künftig ein Tramgleis mit Gummiprofil die Verkehrssituation für Velofahrer entschärfen. Der Kanton sucht nun Testpersonen, die das neue Gleis prüfen.

Jonas Hoskyn
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65 Meter des neuen Gleises wurden in Füllinsdorf für Tests verlegt.

65 Meter des neuen Gleises wurden in Füllinsdorf für Tests verlegt.

Kenneth Nars/BLZ

So ziemlich jeder, der regelmässig auf dem Velo sitzt, dürfte die unangenehme Situation kennen, wenn ein Reifen im Tramgleis stecken bleibt. Wie gefährlich eine solche Situation enden kann, zeigte sich erst vergangene Woche wieder auf tragische Weise: Am Freitagabend hat sich ein 43-jähriger Velofahrer auf der Mittleren Brücke bei einem Sturz schwere Verletzungen zugezogen, nachdem er bei einem Überholmanöver mit dem Fahrrad in die Tramschienen geraten war.

Das Gummiprofil (schwarz) des neuen Gleises verhindert, dass die Reifen stecken bleiben.

Das Gummiprofil (schwarz) des neuen Gleises verhindert, dass die Reifen stecken bleiben.

Kanton BS

Vor drei Jahren reichte der heutige SP-Regierungsrat Kaspar Sutter damals noch als Parlamentarier einen Vorstoss für ein Pilotprojekt ein. Eine Gleiskonstruktion, die mit einem Gummiprofil gefüllt ist, soll namentlich bei den gefürchteten hohen Kaphaltestellen die Situation für die Zweiräder sicherer machen. Während die Gummifüllung vom Tram weggedrückt wird, sollen die Velos über eine ebene Fläche fahren können, so die Idee. So müssen sich Velofahrer nicht mehr zwischen Gleis und Trottoir quetschen. Abgesehen von der SVP, unterstützten alle Parteien den Vorstoss.

Kanton sucht Testpersonen

Seit zwei Jahren liegen nun 65 Meter velofreundliches Gleis auf dem Areal einer Baufirma in Füllinsdorf verlegt. Seither wird das neue System mit verschiedenen Zweiradtypen und unter verschiedensten Wetterbedingungen auf seine Tauglichkeit getestet. Die Auswertung zeige, dass der Gummi das Sicherheitsgefühl und die Befahrbarkeit in allen geprüften Szenarien und für alle Velotypen wesentlich verbessert, so das erste Fazit des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD). Und auch die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) zeigen sich zufrieden.

(Den bz-Test des velofreundlichen Gleises lesen Sie hier)

Nun gehen die Tests in die nächste Runde. Am Samstag 21. August, können die neuen Gleise selber ausprobiert werden. Die Verantwortlichen suchen ein breites Spektrum an Velofahrern. Interessierte Personen können sich bis am Freitag via der Website von Pro Velo beider Basel anmelden.

Der definitive Härtetest für das velofreundliche Gleis läuft dann ab Ende Jahr, wenn die Bauarbeiten bei der Tramhaltestelle Bruderholzstrasse abgeschlossen sind. Dort wird aktuell das neue Gleis eingebaut. Ab Dezember soll die Strecke wieder befahrbar sein. Ein Jahr später will das Amt für Mobilität den Test dann auswerten. Im Fokus stehen vor allem die Langlebigkeit der Gummifüllung, weitere Erkenntnisse zu Betrieb und Unterhalt sowie die Akzeptanz im täglichen Verkehr.

Die neue Technik hat ihren Preis

Ob und in welchem Umfang das velofreundliche Gleis in Basel verbaut wird, dürfte aber nicht zuletzt auch eine Frage des Geldes sein. Aufgrund der neuen Technik kostet der Einbau rund 80 Prozent mehr als bei herkömmlichen Gleisen und auch die Unterhalts- und Wartungskosten liegen deutlich höher. Sollte das velofreundliche Gleis dereinst an sämtlichen Kaphaltestellen im Kanton eingebaut werden, so dürften die Mehrkosten bei rund 20 bis 30 Millionen Franken liegen. Viel Geld für letztlich ein paar wenige Meter Sicherheit.

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