In Basel-Stadt gibt es wegen psychischer Krankheiten fast doppelt so viele Hospitalisierungen wie im Schweizer Durchschnitt. «Ambulant vor stationär»: Unter diesem in der Gesundheitsversorgung immer beliebteren Grundsatz beginnen im kommenden Herbst zwei Pilotprojekte der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK Basel).

Ziel ist es, geeigneten bis anhin stationären Patienten einen früheren Austritt aus den Kliniken zu ermöglichen und diese zu Hause ambulant psychiatrisch zu betreuen und begleiten. Dieses in der Fachsprache Home Treatment genannte Modell soll dabei eine Brückenfunktion zwischen stationär und ambulant einnehmen und so die Erfolgsaussichten der ambulanten Behandlung erhöhen. Die Koordination zwischen ambulant und stationär soll verbessert und noch immer vorhandene Leerläufe vermindert werden. Home Treatment ist Teil der integrierten Gesundheitsversorgung, die schweizweit in den verschiedensten Bereichen auf dem Vormarsch ist.

Kürzere Klinikaufenthalte

Die Verantwortlichen der UPK Basel stellten am Freitag zusammen mit Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) und dessen Bereichsleiter Gesundheitsversorgung Peter Indra die beiden Pilotprojekte anhand von fiktiven Beispielen vor. Im einen Fall leidet eine alleinerziehende Mutter unter Depressionen und Angstzuständen. Nach einem stationären Aufenthalt soll sie in einer Übergangsphase von mehreren Wochen zu Hause von einem Team der UPK regelmässig besucht und betreut werden.

Während das Medizin- und Pflegepersonal die psychiatrische Behandlung übernimmt, hilft ihr ein Sozialarbeiter, ihren Alltag und das Leben mit ihrer Tochter zu meistern. Das ganze Umfeld der Patientin wird in die Betreuung mit einbezogen. Am Ende dieser Home Treatment-Phase soll die Mutter wieder soweit gesund sein, dass sie ohne Behandlung der UPK Basel zurechtkommt und bei Bedarf die Betreuung ihres privaten Psychiaters in Anspruch nimmt.

Krankenkassen zahlen nicht

Im zweiten Pilotprojekt werden im Home Treatment chronisch Kranke, bei denen die psychiatrische Grunderkrankung langfristig bleibt, regelmässig zu Hause besucht. Wenn möglich sollen die Patienten in eine ambulante psychiatrische Betreuung und psychiatrische Spitex überführt werden. «Wir möchten den Übergang von stationär zu ambulant vereinfachen», erklärt Anne Lévy, CEO der UPK. Klinikaufenthalte würden dadurch verkürzt und die Wahrscheinlichkeit eines Wiedereintritts vermindert. Der Regierungsrat beantragt beim Grossen Rat für die dreijährigen Pilotprojekte knapp 4,2 Millionen Franken.

Während Home Treatment die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen soll, sparen der Kanton und die Öffentlichkeit im Rahmen der Krankenkassenprämien Kosten. Weil das Krankenversicherungsgesetz eine solche Zwischenlösung zwischen stationär und ambulant für die Kostenübernahme durch die Krankenkassen nicht vorsieht, entsteht eine Finanzierungslücke, welche gemäss Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger der Kanton übernehmen wird.

Hochrechnungen des Gesundheitsdepartements zeigen, dass der Kanton trotzdem jährlich netto 1,5 Millionen Franken sparen könnte, weil er aufgrund der sinkenden Zahlen bei den Klinikaufenthalten mehr spart, als er für Home Treatment ausgibt. Bei den Versicherern ergeben sich Ersparnisse von gut 1,4 Millionen Franken. Peter Indra ist überzeugt, dass allgemein in der Gesundheitsversorgung mit solchen integrierten Modellen bis zu einem Viertel der Kosten gespart werden könnte.