Pop-Up

Piroggen anstatt Gipfeli: Polnisches Restaurant zieht in Beschle-Filiale am Bahnhof ein

Nach Beschle kommt ein polnisches Pop-Up-Restaurant an die Centralbahnstrasse – jedoch nur für 100 Tage.

Noch steht die ehemalige Beschle-Filiale an der Centralbahnstrasse 9 leer. Seit dem Aus der Traditionsconfiserie im Mai sind die Lichter gelöscht, das kultige Interieur mit den drei Schneckenbars ungenutzt. Schemenhaft sind Teekännchen und Tassen auf dem Tresen und gestapelte Stühle hinter den Scheiben auszumachen. Doch bald soll Leben in die Bude kommen. Dann gibt’s allerdings keine Gipfeli mehr, sondern – unter anderem – Piroggen, polnische Teigtaschen: Am 1. Oktober eröffnet an Ort und Stelle das Pop-Up-Restaurant «Warschau». Für genau 100 Tage.

Hinter dem Gastroprojekt steht das neu gegründete «Frohsinn Florida»-Unternehmen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Mit dabei sind Jonas Gass, Co-Direktor des Hotel Nomad der Krafft Gruppe, der freischaffende Projektleiter Thilo Mangold (Padel Basel) und das Innenarchitektur- und Szenografiebüro Bravo Ricky mit Sabine Fischer und Thomas Keller, die unter anderem für die Konzeption der Foodhalle «Klara» verantwortlich zeichneten.

Verarbeitung einer Reise

Die zukünftigen Gäste des «Warschau» werden frische polnische Landküche serviert bekommen, wie Jonas Gass auf Anfrage der bz sagt. Warum ausgerechnet polnisch? Darin liegt die Besonderheit des Pop-Ups: Bei der Gründung von «Frohsinn Florida» war die Stossrichtung des Gastroprojekts noch längst nicht festgelegt. Die Vier wollten sich auf einer gemeinsamen Reise inspirieren lassen.

Die Organisation legten sie in die Hände des Reisebüros Bbacksoon: Es bestimmte, wohin der Kurztrip gehen soll. Er führte nach Warschau, der neuen Szenestadt Europas. «Die kulinarische Stossrichtung wird unsere persönliche Verarbeitung dieser Reise sein», sagt Gass. Geplant sei jeweils ein Vier-Gänge-Menu von Küchenchef Sebastian Länzlinger, das monatlich wechsle, sowie Snacks an den Schneckenbars, wie etwa eben Piroggen.

Noch sei nicht beschlossen, welche Gerichte den Anfang machen auf der Karte, sagt Gass. «Angedacht sind aber ein Salat mit angebratenen Randen, Kohlrabi-Carpaccio oder Pastinakensuppe mit geräucherter Forelle.» Viel Eingemachtes werde dabei sein, das sei typisch für die polnische Küche, so Gass. Er wird zusammen mit Länzlinger für den «Gastro-Part» verantwortlich sein, Fischer und Keller für die Gestaltung und Mangold für das Organisatorische.

Am 15. August ist Schlüsselübergabe. «Dann geben wir Vollgas», so Gass. In was für einem Kleid das Lokal am 1. Oktober sich präsentieren wird, sei noch nicht ganz klar, aber wie die Küche werde auch die Einrichtung und Gesamtgestaltung Themen aus Polens Hauptstadt aufgreifen. Auch werde das Interieur der ehemaligen Konditorei im 1980er-Jahre-Schick sicher eine wichtige Rolle spielen. Fischer und Keller hätten in Warschau meterweise Vorhangstoff gekauft; wie diese zum Einsatz kommen, wird laut Gass eine Überraschung sein. «Das Interieur wird sicher in dunklen Tönen gehalten, anstelle der einen hinteren Schneckenbar wird es Platz für Tische und Stühle geben.»

Es ist das erste grosse Projekt der «Frohsinn Florida». Laut Gass könnte es das erste werden von vielen. «An der Centralbahnstrasse werden wir aber nicht bleiben. Mit der Hauseigentümerin, derAnlagestiftung der UBS für Personalvorsorge, haben wir uns auf die Zwischennutzung geeinigt.» Nach 100 Tagen, am 6. Januar 2019 wird also definitiv Schluss sein. Und die Reise des «Frohsinn»-Quartetts vielleicht an einen neuen spannenden Ort führen.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

Meistgesehen

Artboard 1