Nur wenige Meter über den Köpfen der Arbeiter setzen die donnernden Flugzeuge zur Landung an. Die Arbeiter sind das aber gewohnt. Seit dem 3. Mai – und noch bis zum 9. Juli – wird der nördliche Abschnitt der Piste am Basler Euro-Airport saniert. Der Grund: Risse und Wellen im erst fünfjährigen Belag.

Weil die Schäden gleich nach dem Bau festgestellt wurden, fand jedoch gar nie eine Bauabnahme statt. Darum laufen die Arbeiten, die rund 5 Millionen Euro kosten, noch unter Garantie. Einen Teil wird allerdings auch der Flughafen beisteuern müssen, weil der Mittelstreifen auf einer Breite von 18 Metern neu gemacht wird. Im Jahr 2006 waren nur 15 Meter saniert worden. Ein Sicherheitsrisiko habe in den vergangenen fünf Jahren wegen der Baumängel aber keines bestanden, versichert Flughafendirektor Jürg Rämi.

Platten ausfräsen

Nun werden die beiden mittleren Platten auf einer Gesamtlänge von 1530 Metern mit vier neuen Betonplatten ersetzt. Dafür müssen zuerst die bestehenden Platten ausgefräst und die Stahlverbindung zwischen den Platten weggenommen werden. Die Maschinen höhlen die Piste dabei aus bis auf eine Tiefe von 38 Zentimetern. Die anfallenden 12000 Kubikmeter Aushubmaterial werden zu einem späteren Zeitpunkt als Füllmaterial wiederverwertet, erklärt Flughafensprecherin Vivienne Gaskell.

Auf den kieshaltigen Grund wird dann eine Schicht mit Bitumen – einem klebrigen Erdöl-Gemisch – angebracht. Abschliessend kommt der Betonfertiger zum Zug. Diese eindrückliche Baumaschine stellt quasi laufend die 38 Zentimeter dicken Betonplatten her. Wegen des Regens war sie allerdings bei der Medienbesichtigung nicht in Betrieb.

Die Pisten-Sanierung hat natürlich auch Folgen für den Flugbetrieb. Erstens wird die Länge der zur Verfügung stehenden Piste auf 2310 Meter gekürzt. Dazu werden die Pisten-Schwellen nach Süden versetzt. Das bedeutet: Die Flugzeuge überfliegen die Agglomeration im Süden rund 80 bis 100 Meter tiefer, was mehr Lärm bedeuten kann. Im Norden fliegen die Maschinen hingegen rund 80 Meter höher als sonst an.

Anflug auf Sicht

Und zweitens sind die beiden Instrumentenlandesysteme ILS 15 und ILS 33 während dieser Bauzeit ausser Betrieb. Gelandet wird darum wieder nach den vor der ILS-33-Einführung Ende Dezember 2007 geltenden Flugregeln. Von Norden werden Landungen nach dem früheren Instrumentenanflugverfahren eingeleitet; von Süden erfolgt der Anflug auf Sicht.

Das heisst: Der ILS-Landestrahl, der seit seiner Einführung für viel Unmut bei den Anwohnern verursacht hat, wird rund zwei Monate lang nicht benutzt. Für die betroffenen Gebiete im Süden des Flughafens bedeutet dies weniger Fluglärm. Dafür steigt die Lärmbelastung beispielsweise in Allschwil an, weil die Flugzeuge wie früher in einem weiten Bogen über Allschwil Kurs auf den Flughafen nehmen. Entlastend kommt dazu, dass während der Bauarbeiten wegen der verkürzten Piste keine Grossraum-Flugzeuge landen.

Um die Lärmbelästigung für die Anwohner möglichst tief zu halten, werden die lärmigsten Arbeiten tagsüber durchgeführt. Gearbeitet wird aber grundsätzlich rund um die Uhr. Flughafendirektor Jürg Rämi betonte, die Piste werde nicht verbreitert: «Die Piste wird nur verbessert.»