Basel

Pitbull & Co. verschwinden langsam aus der Stadt

Dieser Pitbull (links) und der Pitbull-Rottweiler-Mischling fallen auf in Basel – was in den Neunzigern zum Stadtbild gehörte, ist inzwischen ein seltener Anblick.

Dieser Pitbull (links) und der Pitbull-Rottweiler-Mischling fallen auf in Basel – was in den Neunzigern zum Stadtbild gehörte, ist inzwischen ein seltener Anblick.

Die strengen Auflagen für das Halten mancher Rassen zeigen Wirkung. In Basel leben noch 45 «Kampfhunde». Vor vier Jahren waren es doppelt so viele. Das Thema bewegt aber weiter die Bevölkerung.

Sie heissen Gizmo, Jeff und Zora. Sie schauen treuherzig, sind jung und gesund. Im Banner auf der Website steht: «Diese Hunde suchen ein Zuhause!». Die Schrift fährt wie eine Breaking News über das Bild. Trotzdem finden längst nicht all diese Hunde jemanden, der sie aufnehmen will. Denn diese Hunde, das sind «Kampfhunde». Korrekt: potenziell gefährliche Hunde oder Listenhunde. Ihre Blütezeit ist vorbei – zumindest in Basel.

Im vergangenen Jahr kamen zu den insgesamt 4785 Hunden in Basel-Stadt gerade einmal 6 neue Listenhunde dazu. Ihre Halter mussten zuvor beweisen, dass sie über keine Vorstrafen verfügen und dass die Tiere bei ihnen gut aufgehoben sind. In einem sechsseitigen Formular werden Angaben über das Vorleben des gewünschten Tieres oder Personalien späterer «Babysitter» verlangt. Wer nicht zuvor schon Hundebesitzer war, kann es vergessen – das ist eine von vielen Bedingungen für das Halten eines «Kampfhundes».

Insgesamt leben in Basel-Stadt noch deren 45 – im Jahr 2010 waren es noch doppelt, 2006 dreimal so viele. American Staffordshire Terrier, Pitbulls und Rottweiler verschwinden aus dem Stadtbild.

Kantonsverbot für illegale Hunde

Der Basler Kantonstierarzt Michel Laszlo ist nicht unglücklich über diesen Umstand: «Die Bewilligungspflicht zeigt Wirkung», sagt er. Seit im Kanton potenziell gefährliche Hunde einer solchen unterstellt seien, würden diese Hund deutlich seltener angeschafft. Einerseits, weil die Bedingungen und Voraussetzungen umfangreich seien; andererseits, weil die betreffenden Rassen oder Kreuzungen daraus in der Bevölkerung teilweise immer noch «gemischte Gefühle» weckten und somit «eher uninteressant» für Halter seien.

Polizeiliche Kontrollen zeigten zwar, dass hie und da auch «illegale Kampfhunde» durch die Stadt geführt werden, doch ein Problem stelle das nicht dar: 2013 wurden 13 entsprechende Hunde mit einem Kantonsverbot belegt – oder das Tier wurde «eingezogen». «Es ist in unserem überschaubaren Kanton fast nicht möglich, einen solchen Hund länger illegal zu halten», sagt Laszlo. Die Polizei habe zudem ein Auge dafür. Ein Auge für bewilligungspflichtige Rassen haben auch die Bürger. Wechselten manche früher aus Angst noch die Strassenseite, gehen sie heute immer öfters auf Konfrontation.

«Listenhundebesitzer werden in der Öffentlichkeit häufig angefeindet», sagt Béatrice Kirn, Geschäftsleiterin Tierschutz beider Basel. «Mit einem solchen Hund müssen Sie nicht an der Birs spazieren gehen wollen.» Denn mindestens eine Anfeindung in Form einer bösen Bemerkung oder dergleichen gäbe es mit Sicherheit. «Es geht so weit, dass manche Halter ihr Tier nach 13 Jahren abgeben wollen, weil sie mit den Anfeindungen nicht mehr zurecht kommen», sagt Kirn.

Das Team des Tierheims suche das Gespräch mit diesen Menschen und versuche ihnen klar zu machen, dass es für das Tier besser wäre, bei seinem vertrauten Herrchen oder Frauchen alt zu werden. Zudem sei es wegen der Bewilligungspflicht und dem schlechten Image nicht einfach, einen Listenhund zu platzieren. «Diese Hunde bleiben länger im Tierheim als andere.»

Der Trend weg von «Kampfhunden» hin zu Rassen wie Möpsen oder Chihuahuas spiegelt sich aber auch im Tierheim wider: Von derzeit 67 Hunden sind gerade mal zwei «potenziell gefährlich». Die Chance, diese platzieren zu können, sind zumindest für die Baselbieter Klientel des bikantonalen Heims nicht schlecht. Zwar besteht auch eine Bewilligungspflicht, doch sind die «Kampfhund»-Zahlen dort – anders als in der Stadt – stabil.

Wer vom Baselbiet mit einem Listenhund in die Stadt ziehen will, hat also kein Problem: Seine Bewilligung wird einfach übernommen. Anders sieht es aus, wenn ein Basler ins Wallis zügeln will: Dort herrscht ein Verbot mancher Rassen. Nachdem es immer wieder zu schwerwiegenden Vorfällen mit «Kampfhunden» gekommen war und Kinder bei Angriffen starben, wurde im Bundeshaus vor einigen Jahren über ein einheitliches Hundegesetz diskutiert. Die Idee war jedoch bald vom Tisch, der Flickenteppich blieb.

Die kantonalen Gesetze reichen von null Einschränkungen bis zu Rassenverboten – die beiden Basel befinden sich mit ihrer Bewilligungspflicht im Mittelfeld. Vor einem knappen halben Jahr nahmen Bundespolitiker allerdings einen zweiten Anlauf für ein nationales Gesetz. Auslöser waren erneute Angriffe durch «Kampfhunde». Die zuständige Kommission im Nationalrat wird noch dieses Jahr die erste Anhörung dazu durchführen.

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