Basler Strafgericht
PKK-Kriegsveteran erhält fünf Jahre Gefängnis für Messerattacke

Ein PKK-Kriegsveteran griff vor vier Monaten im Kleinbasel zwei Passanten mit einem Messer an. Die genauen Gründe für den Angriff bleiben im Dunkeln. Statt sieben erhält er nun fünf Jahre Gefängnis wegen vorsätzlicher Tötung

Patrick Rudin
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Ein PKK-Kriegsveteran erhält für eine Messerattacke fünf Jahre Gefängnis (Symbolbild).

Ein PKK-Kriegsveteran erhält für eine Messerattacke fünf Jahre Gefängnis (Symbolbild).

Keystone

"Ich will normal wie ein Mensch leben", wünschte sich der 33-jährige Mann am Dienstag vor dem Basler Strafgericht, doch zumindest die nächsten Jahre wird daraus sicher nichts: Die fünf Richter verurteilten ihn wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert.

Der Verurteilte hatte am vergangenen 1. Mai um vier Uhr morgens an der Ecke Klybeckstrasse/Bläsiring zwei Passanten mit einem Messer angegriffen, dabei hatte er gezielt gegen den Kopf- und Brustbereich gestochen. Die Verletzungen waren zwar im konkreten Fall bei beiden Opfern nicht lebensbedrohend, doch Gerichtspräsident Marc Oser stellte klar, dass man bei solchen Messerstichen den Tod des Angegriffenen in Kauf nehme.

Nach der Tat ist der Angeklagte geflüchtet, das Messer hat man nicht gefunden. Er betonte gestern vor Gericht, er habe sich nur gewehrt, die zwei Männer seien von der kurdischen Arbeiterpartei PKK und hätten ihn dazu zwingen wollen, wieder in den Krieg zu ziehen. Der Angeklagte ist ein Kurde aus Syrien und und hat nach eigenen Angaben zwölf Jahre für die PKK im Irak gekämpft. Unter verschiedenen Namen hat er in der Schweiz Asyl beantragt, das Verfahren läuft noch.

Vergebliches Bemühen des Verteidigers

Die beiden Passanten hingegen waren keine Kurden, sondern Türken -- auf eine entsprechende Frage des Staatsanwaltes sagte einer der Männer vor Gericht etwas irritiert, er sei eigentlich Schweizer. Beiden betonten unisono, sie hätten nichts mit der PKK zu tun. Wie der Streit zwischen den Männern genau angefangen hat blieb gestern im Dunkeln -- offenbar gab es "missverständliche Blicke", danach ein Wortgefecht, schliesslich kam das Messer zum Einsatz.

Das Gericht beurteilte die PKK-Geschichte als Schutzbehauptung, der Angeklagte sei aus nichtigem Anlass ausgerastet. Klar sei allerdings auch, dass er wohl durch seinen Kriegseinsatz an einem posttraumatischen Stressyndrom leide. Der Mann kann das Urteil noch weiterziehen.

Der Verteidiger hatte vergeblich eine psychiatrische Begutachtung des Angeklagten gefordert, das Gericht sah aber keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit. Unberücksichtigt blieb auch der Hinweis des Verteidigers, eines der Opfer habe kurdische Verwandte, auch hätten zehn Zeugen die Schlägerei beobachtet und sich geweigert ihre Namen zu nennen oder gar Aussagen zu machen. Ein Zeuge allerdings hatte sich gemeldet, er erschien aber nicht vor Gericht. Das hat ihm nun eine Busse von 300 Franken eingebracht.