Basler Fasnacht

Plaketten-Panne: Das Fasnachts-Comité stiehlt sich selbst die Show

Comité-Obmann Christoph Bürgin kann inzwischen über die Panne schmunzeln (Archiv)

Comité-Obmann Christoph Bürgin kann inzwischen über die Panne schmunzeln (Archiv)

Die Tücken der Technik haben an Weihnachten dafür gesorgt, dass das Motto der Basler Fasnacht 2013 sowie die Plakette vorgestellt wurden – und das drei Tage zu früh. Beim Comité kann man nach dem ersten Schock über die Panne schmunzeln.

Die Luft ist raus. An sich war die grosse Show, bei der die neue Fasnachts-Plakette 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, für Freitag, den 28.Dezember, im Volkshaus geplant. Am ersten Weihnachtstag aber informierte das Fasnachts-Comité höchstpersönlich auf seiner Internetseite, dass der Gestalter der Plakette 2013 Kurt Walter heisst, und bildete diese auch noch ab.

Erklärt wurde das im Wortlaut so: «Kurt Walters Plakette zeigt zwei Fasnachtsfiguren: eine junge alte Tante aus Basel mit Stäggeladäärne und einen Baselbieter Chienbäse-Träger aus dem Stedtli, der die Stadtbaslerin umgarnt.» Und weiter: «Zu mir oder zu dir, das ist hier die Frage».

Diskussion um Halbkantone

«Zu mir oder zu dir?» lautet also das Motto der Fasnacht 2013, die die «heisse Diskussion um die Fusion der beiden Halbkantone» aufgreife. Ausserdem erfuhr man auf der Internetseite, dass der 62-jährige freischaffende Künstler und Drummeli-Raamespiiler Kurt Walter 14 Künstlerinnen und 40 Künstler ausgestochen hat und damit den Plaketten-Wettbewerb nach 2000 und 2005 bereits zum dritten Mal gewann. Insgesamt sind 102 Entwürfe eingegangen.

Auf seiner Homepage informierte das Comité aus Versehen über die neue Plakette.

Auf seiner Homepage informierte das Comité aus Versehen über die neue Plakette.

Am späten Abend des ersten Weihnachtstags verschwand die Seite mit den Informationen zur Plakette wieder vom Internetauftritt des Fasnachts-Comités, aber da war die Information bereits auf den Internetseiten der Printmedien, unter anderem auch der bz Basel, veröffentlicht worden. Laut der Seite fasnacht.ch habe sich der Link zur besagten Webseite des Basler Fasnachts-Comités am späten Nachmittag vom 25.Dezember auf Facebook befunden.

Die Tücken der Technik

Wie ist es zum Outing der Plakette 2013 gekommen: PR-Gag, Panne oder «Angriff» eines vom Weihnachtsfest gelangweilten Hackers? André Auderset, Mitbegründer des Seite fasnacht.ch und LDP-Grossrat, verweist auf die «Tücken der Technik» und sagt: «Wir bereiten auch manchmal eine Information schon vor.»

Glaubt man Comité-Obmann Christoph Bürgin, war die Plaketten-Information auf der Internetseite ungenügend gesichert. «Da ist jemand langweilig gewesen und er hat nach der Plakette geforscht. Nächstes Jahr wird man mit Sicherheit nichts mehr über die Plakette per Internet herausbekommen», rechtfertigte er sich gegenüber Radio Basilisk.

Das Ganze sei «kein Super-GAU». «Nachdem wir zwei Mal leer geschluckt haben, haben wir versucht, möglichst positiv mit der Situation umzugehen», fuhr er fort. Schliesslich habe man noch nie an Weihnachten so viel über die Fasnachts-Plakette geredet. Ausserdem erhoffe sich das Comité noch mehr Schub, um diesmal noch mehr Plaketten zu verkaufen.

Der Journalist Roger Thiriet, langjähriger aufmerksamer Beobachter und Kommentator der Basler Fasnacht, mag an Letzteres nicht recht glauben. «Am Verkauf wird sich nichts ändern. Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig – ausser beim Bijou, der Plakette für 100 Franken, die man neu geschaffen hat.» Thiriet, selber aktiver Fasnächtler, glaubt an einen «klassischen Unfall» und kommentiert: «Da hat ein eifriger Webmeister zu früh etwas vorbereitet.»

Die Plakette als Torte

Allerdings mag er das frühzeitige Plaketten-Outing auch nicht überbewerten. «Einziger Schönheitsfehler ist, dass dem Comité die Show für die Plaketten-Vorstellung gestohlen wurde – ein Termin, der immer mit sehr viel Aufwand vorbereitet wurde. Thiriet erinnert sich daran, dass sein Journalisten-Kollege Willi Erzberger immer versucht habe, herauszubekommen, wie die Plakette aussehe. «Einmal hat er den Primeur gehabt und eine Torte backen lassen, die wie die Plakette aussah», erzählt Roger Thiriet. Er habe das Rätsel sogar ein zweites Mal geknackt, bestätigte Erzberger gestern gegenüber «Telebasel», und sie vom Karikaturisten Hans Geisen nachmachen lassen.

Was die Plaketten 2013 kosten, wurde an Weihnachten allerdings noch nicht enthüllt. 2012 hatte einzig der Preis der Silber-Plakette um einen Franken auf 16 aufgeschlagen. Die übrigen Preise waren gleich geblieben. Auch ein anderes Geheimnis um die Basler Fasnacht blieb ungelüftet: Wie viel das Fasnachts-Comité durch den jährlichen Verkauf der Plaketten einnimmt.

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