Wer im Bahnhof SBB Plaketten verkaufen will, der darf das auch in Zukunft. Soweit die gute Nachricht. Denn die Schweizerischen Bundesbahnen, in Gestalt der SBB Immobilien AG, sind zu folgender Erkenntnis gelangt: «Die Basler Fasnacht, zusammen mit dem Verkauf der Plaketten, sind in Basel eine feste Tradition».

Allerdings haben sich die SBB Immobilien lange, ausgiebig und offensichtlich mit einigem Erfolg Gedanken darüber gemacht, wie sich denn diese Tradition ordnungsgemäss in den Basler Bahnhofsalltag einzufügen habe. Zehn Punkte umfasst das Merkblatt, das sich an die «sehr geehrten Fasnachts-Plaketten-Verkäuferinnen und -Plaketten-Verkäufer» richtet. Einleitend erwarten die SBB «ein adäquates Verhalten im Bahnhof Basel SBB». Und das ist offensichtlich vor allen Dingen ein leises Verhalten. Denn Punkt eins der Regeln lautet: «Keine lauthalsen Anpreisungen und Ausrufe wie «Fasnachts-Blaggedde», Blaggedde, oder ähnliches». Eine Nachfrage auf der angegebenen Telefonnummer brachte keine Aufklärung über die erlaubte maximale Dezibel-Stärke des «lauthalsen Anpreisens». Die Dame sagte lediglich, man dürfe «nicht rumschreien». Eine klar festgesetzte Lärmgrenze gebe es aber nicht.

Ausserdem soll man niemandem im Weg stehen – oder, wie das auf SBB-Deutsch heisst: «Kein Stehen im unmittelbaren Zirkulationsstrom der Reisenden». Selbstverständlich auch nicht auf den Rillen für Blinde oder vor den Billettautomaten. Zu den Rolltreppen müssen vier Meter Sicherheitsabstand gewahrt werden und – dies ist auch bei den Strassenmusikanten Pflicht – alle 30 Minuten muss der Standort gewechselt werden.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die SBB wollen auch eine klare Trennung zwischen jenen «Promotoren», die im Bahnhof Werbung machen oder Waren an den Mann bringen und dafür bezahlen, und den aus kulturellen Gründen ohne Entgelt tolerierten Plakettenverkäufern. Die Verkäufer der beliebten Fasnachtsabzeichen in Kupfer, Silber und Gold plus Bijou müssen zu denjenigen, die dafür bezahlen, die Passanten belästigen zu dürfen, einen Mindestabstand von zehn Metern einhalten. Ob dabei Massband und Freistoss-Spray zum Einsatz kommen sollen, war nicht in Erfahrung zu bringen. Dafür jedoch, dass man sich in allen Belangen an die Hausordnung im Bahnhof und die Anweisungen der SBB-Sicherheitsorgane zu halten habe, andernfalls diese befugt seien, «eine Wegweisung auszusprechen». Also: Wer «Blaggedde» brüllt, fliegt raus.

Vielleicht sollte das Fasnachts-Comité im Rahmen der Schnupperstunden «Die erschti Lektion» in Zukunft nicht nur Piccolo- und Trommelkurse anbieten, sondern auch noch einen «Blagedde-im-Bahnhof-Verkaufen-Kurs». Wo man beispielsweise das nichtlauthalse Ausrufen und Anpreisen erlernen kann. Oder die Kunst, lautlos, aber marktschreierisch Werbung zu machen. Natürlich ohne «Plakatständer, Handwagen, Gepäckrollis und anderes». Die sind nämlich laut SBB-Plaketten-Verordnung ebenfalls keinesfalls gestattet.