Jahrelang wurde die Scope in Basel umhergescheut, war heimatlos. Nach drei Jahren auf dem Kasernenareal beschied man den Machern der Kunstmesse 2012, sie erhielten keine Bewilligung mehr. In der E-Halle hinter dem Messegelände und auf dem Landhofareal hatte es zuvor jeweils ein Jahr gedauert, bis die Messe ausquartiert wurde. So kam sie 2013 zum Hafen. Und es sieht danach aus, als würde sie eine Weile dortbleiben.

Auf ihrer Fläche ist Scope aber nicht mehr allein. Zum Nachbarn Wagenplatz gesellt sich neuerdings Shiftmode. Die Regierung hatte dem Verein im Mai die Verantwortung für Zwischennutzungen auf der Brache übertragen. Dies unter der Bedingung, dass die Scope weiterhin stattfinden kann. Die beiden mussten sich finden, denn wie sollen Projekte betrieben werden können, wenn jeweils im Mai Lastwagen auffahren, um ein Riesenzelt aufzubauen?

Scope mit über 1 Million für Hafen

Die Lösung stand bereits im bz-Schwesterblatt «Schweiz am Sonntag» und wurde am Dienstag offiziell präsentiert: Scope investiert über eine Million Franken in das aus vier Holzgebäuden bestehende Projekt von ShiftMode. Die Scope wird ihre Kunst in den Bauten zeigen, während der anderen Monate finden darin ergänzend zu festen Projekten wie etwa einer Bar oder einer Bühne auf dem Restplatz Zwischennutzungen statt. Shiftmode und der Kanton zahlen 250'000 Franken an die 1,5 Millionen Franken, die das Projekt voraussichtlich kostet. Den Rest besorgt Scope.

Bloss: Was passiert, wenn alle Stricke reissen? Wenn die Scope trotz der Zuversicht nicht genug Investoren findet? Oder es zu Schwierigkeiten kommt, etwa mit dem Wagenplatz nebenan, dessen Bewohner ihren Groll gegenüber Shiftmode und Scope bei jeder Gelegenheit kundtun? Sei es mit einem Internet-Pranger, eingeschlagenen Scheiben, Abfallhalden vor den Verein-Containern oder den immer wiederkehrenden Worten «Shit Mode»? Es gibt einen Plan B.

Und dieser heisst: Allschwil. Scope und Gemeinderat sind heute vor einer Woche zusammengekommen, um über die Möglichkeit zu sprechen, die Scope auf dem Wegmatten-Areal durchzuführen.

Und siehe da: Allschwil ist alles andere als abgeneigt, wie die bz erfuhr. «Nach diesem ersten unverbindlichen Gespräch besteht von unserer Seite her grundsätzlich die Bereitschaft, die Scope in Allschwil zu ermöglichen», sagt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. Einige politische Fragen müssten allerdings noch geklärt werden.

Patrick Tschan von der Scope spricht von einer «guten Alternative». «Allschwil wäre sehr interessant für uns, wenn es am Hafen wieder zu Schwierigkeiten kommen sollte.»

Die Wagenleute bocken

Erste Schwierigkeiten zeichneten sich ab, als ein Dutzend Wagenleute an der Präsentation nicht verstehen wollten, was es mit Quersubventionierungen auf sich hat, wie diese dem Verein Shiftmode vorschweben. Ziel des Vereins ist es, Quartierbewohnern öffentliche Projekte sehr günstig ermöglichen zu können. Die Wagenleute aber, die bocken. Und wollen nichts davon wissen, ihre eigenen Projekte bei Shiftmode zu integrieren, sowie der Verein das anbietet.

Die Wagenleute beharren auf dem Standpunkt: «Unsere Projekte waren praktisch kostenlos.» Sie beziehen sich auf den ungeduldeten Teil «ihres» Platzes, den die Verwaltung vor zwei Wochen räumen liess. Und werfen Shiftmode vor, tatenlos zugeschaut zu haben. Dass sich die Wagenleute über Wochen den Forderungen der Regierung widersetzt haben, ihren Platz zu halbieren, scheinen sie bei der Kritik zu vergessen.

Die Grundeigentümerin Immobilien Basel-Stadt erfuhr durch die bz von der Müllhalde, die Shiftmode am Dienstag vor ihrem Projekt-Container vorfand. Sprecherin Barbara Neidhart sagt dazu: «Wir nehmen diesen Vorfall zur Kenntnis und werden Massnahmen prüfen.» Man erwarte von den Wagenleuten, dass sie mit solchen Störaktionen aufhörten.