Seilbahnen
Pläne für eine Gondelbahn über den Rhein feiern Comeback

Seilbahnen boomen in Tourismus-Städten weltweit – nur nicht in der Schweiz. Ein Experte sagt: «Die Expo könnte die Initialzündung sein.» In Basel gab es bereits erste Versuche mit einer Gondel über den Rhein.

Samuel Hufschmid
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Gondel in Basel
3 Bilder
Die Station auf der Grossbasler-...
...und auf der Kleinbasler Seite.

Gondel in Basel

Koblenz, im Sommer 2011. Die Stadt hat sich herausgeputzt, es ist Bundesgartenschau, über drei Millionen Besucher werden erwartet. Die grosse Attraktion: Eine 890 Meter lange Seilbahn, die den Rhein überquert und die Besucher zur Befestigungsanlage Ehrenbreitstein bringt. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland eine solche Bahn in einem städtischen Umfeld gebaut wird – jedoch war das mit der Auflage möglich, dass sie ein Provisorium bleibt und spätestens 2013 wieder abgerissen wird.

Doch die Verkehrsplaner hatten die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht, denn diese hat sich kräftig gegen den geplanten Rückbau gewehrt. Tausende Koblenzer setzten sich auf der Strasse für den Erhalt «ihrer» Luftseilbahn ein, darunter auch Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig. «Die Seilbahn ist im Nu ein Wahrzeichen der Stadt geworden und für viele Einwohner nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern eine Herzensangelegenheit», sagte er damals gegenüber der «Rhein Zeitung». Der Aufstand zeigte Wirkung – die Gondelbahn blieb und transportierte mittlerweile bereits zehn Millionen Passagiere.

Expo als Initialzündung

«Konstanz ist das beste Beispiel dafür, was eine Landesausstellung bewirken kann», sagt Andrey Maurice vom Gondelbahn-Hersteller Garaventa. «Während solche Anlagen weltweit in Tourismus-Städten boomen, ist es im deutschsprachigen Raum sehr schwierig, überhaupt eine Bewilligung zu bekommen.» Sowohl die Bundesgartenschau in Koblenz als auch die Expo.02 im Drei-Seen-Land hätten aber gezeigt, dass solche Ausstellungen eine Initialzündung sein könnten. «An der Expo.02 haben wir in Neuenburg eine unterirdische Standseilbahn gebaut, die seither den Bahnhof mit dem See verbindet und nicht mehr wegzudenken ist. Ich glaube nicht, dass dieses Grossprojekt ohne Landesausstellung bewilligt worden wäre.»

Zürich plane bereits seit längerer Zeit eine Touristen-Gondel, doch das Projekt sei schwierig umzusetzen, weil zu viele Bewilligungen eingeholt werden müssten. «Es muss beispielsweise ein Überfahrtsrecht ausgehandelt werden mit allen Grundstückbesitzern», sagt der Projekt-Manager beim schweizerisch-österreichischen Seilbahnhersteller. In anderen Ländern, besonders im asiatischen Raum, seien Gondelbahnen auf Stadtgebiet wesentlich einfacher umsetzbar und derzeit ein grosser Trend. «Es ist ein ideales städtisches Transportmittel, sehr attraktiv für Touristen und dazu erst noch umweltfreundlich.»

Erinnerungen ans «Schwääbetram»

Auch die Baslerinnen und Basler kamen bereits in den Genuss einer Luftseilbahn. Während den Feierlichkeiten zu «600 Jahre Gross- und Kleinbasel zusammen» verband eine Gondelbahn die Pfalz mit dem gegenüberliegenden Rheinufer. Die Überfahrt in der 185 Meter langen Bahn kostete fünf Franken. Die «Neue Zürcher Zeitung» beschrieb die Gondel im Drämmli-Look als «besondere Attraktion», räumte aber auch ein, dass es sich damals in der Basler Bevölkerung um ein umstrittenes Projekt handelte.

Tatsächlich wurde im Juni 1992 im Grossen Rat eine Interpellation behandelt, die «einen sofortigen Baustopp der Münsterseilbahn» forderte. Gebaut wurde sie trotzdem, aber nach den Feierlichkeiten auch gleich wieder demontiert. Garaventa als Hersteller fand im Archiv noch Baupläne und zwei Bilder, und Projektleiter Maurice weiss noch, dass die Kabine später als Transportseilbahn wiederverwendet wurde.