Öffentlicher Verkehr
Pläne für eine neue S-Bahn-Haltestelle am Zoll Riehen

Das Projekt einer neuen S-Bahn-Haltestelle am Zoll Riehen ist bei der Internationalen Bauausstellung eingereicht worden. Die neue Haltestelle würde ein Gebiet mit grossem Entwicklungspotenzial erschliessen. Die Tramlinie 6 würde dorthin verlängert.

Peter Schenk
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Die S-Bahn soll am Riehener Zoll eine Haltestelle erhalten.

Die S-Bahn soll am Riehener Zoll eine Haltestelle erhalten.

Keystone

Unmittelbar am Riehen-Lörracher Zoll soll eine neue S-Bahn-Haltestelle gebaut werden. Riehen und Lörrach haben das Projekt gemeinsam bei der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020 eingereicht. Die IBA, ein Konzept aus Deutschland, ist keine Ausstellung im ursprünglichen Sinn des Wortes, sondern ein Prozess der Stadtentwicklung, der im trinationalen Raum Basel naturgemäss über die Grenzen geht.

Kürzlich präsentierte der Lörracher Baubürgermeister Michael Wilke das Vorhaben vor dem Kuratorium der IBA. Er ging auf eine Studie ein, die die Stadt Lörrach dazu in Auftrag gegeben hatte. Demnach sei die neue Haltestelle auch ohne teure Infrastrukturmassnahmen wie Doppelspurinseln auf der weitgehend einspurigen Wiesentalbahn nach Zell im Wiesental machbar. «Die bis zu drei Minuten, die ein zusätzlicher Halt direkt an der Grenze erfordern würde, liessen sich im Badischen Bahnhof und auf der Verbindungsstrecke in den Bahnhof SBB herausholen», berichtete die «Badische Zeitung».

Als nächster Schritt muss nun in einer Fahrplanstudie untersucht werden, «wie viel Zeit für einen Halt am Zoll wirklich gebraucht wird; die genannten drei Minuten sind sicherlich die obere Grenze», teilte Wilke der bz mit. In einem nächsten Schritt gelte es, die komplexe Fragestellung zu prüfen, «wo genau zeitliche Reserven genutzt werden können».

Fahrplanstudie geplant

Die Fahrplanstudie könne Ende Jahr oder nächstes Jahr in Auftrag gegeben werden, die Bearbeitungszeit wäre voraussichtlich ein halbes Jahr. Mit ihr wird sich auch klären, ob wirklich kein zusätzlicher Ausbau im Wiesental nötig ist.

«Mit der neuen S-Bahnhaltestelle wollen wir den Grenzbereich Riehen–Lörrach, ein Gebiet mit grossem Entwicklungspotential, besser in das öffentliche Verkehrsnetz einbinden», heisst es im IBA-Projektblatt. «Wir streben die räumliche Bündelung der Haltestellen und eine bessere Vertaktung an, um die Umsteigesituation Tram–S-Bahn–Bus zu verbessern.»

Da die S-Bahn-Haltestelle nach den aktuellen Plänen auf deutschem Boden an den Zollweg in Lörrach Stetten gebaut werden soll, muss das 6er-Tram mit der Wendeschlaufe bis dorthin verlängert werden. «Seitens der Zollverwaltung wird das grundsätzlich als machbar angesehen», meint Wilke.

Im IBA-Projektblatt steht: «In direkter Nähe der neuen S-Bahn-Haltestelle soll ein zukunftsorientiertes Wohn- und Mischgebiet (energetisch und sozial nachhaltig) in mehreren Etappen entwickelt werden.»

In Riehen stockt die Entwicklung

In Riehen allerdings ist die Entwicklung des Stettenfelds, das Gebiet auf der Schweizer Seite der Grenze, ins Stocken gekommen. 2009 hatten die Riehener Stimmberechtigten den Projektierungskredit für die Planung für eine Gesamtüberbauung des Stettenfelds abgelehnt. Neu soll ein Drittel des Areals für Grün- und Freizeitflächen frei gehalten werden. Ziel ist es, die verbleibenden zwei Drittel verdichtet zu bebauen. Weil die Entwicklung des Gebiets umstritten ist, soll diese nun in einem zweistufigen Verfahren durchgeführt werden. Als nächster Schritt steht die Zonenplanrevision an.

Michael Wilke ist überzeugt, dass es auch ohne die Überbauung des Stettenfelds genügend Nachfragepotenzial für die neue Haltestelle gibt. So würden im Bereich westlich und östlich der Bahnlinie zirka 2200 Einwohner leben.

Der Riehener Gemeindepräsident Willi Fischer verweist darauf, dass im Umkreis um die neue Haltestelle Dreiviertel des Gebiets bebaut sei: zwei Viertel in Lörrach und ein Viertel um die Lörracherstrasse in Riehen. Das verbleibende, nicht bebaute, Viertel sei das Stettenfeld. «Auch ohne dessen Bebauung würde eine Haltestelle Sinn machen, aber nicht im gleichen Ausmass. Von Schweizer Seite gibt es sicherlich mehr Schwung für das Projekt, wenn die Überbauung kommt.» Er verhehlt nicht, dass er dies für «sehr wünschenswert» hält.

Die Entscheidung, die Haltestelle in Deutschland zu bauen, sei im Einvernehmen mit Lörrach gefällt worden. «Wir haben das gemeinsam erarbeitet. In Lörrach gibt es mehr Platz und ausserdem bietet sich die Topografie an. Dort ist es im Gegensatz zu uns flach.» Die Haltestelle komme aber so nahe an die Grenze, dass der hintere Zugteil bis zur Grenze reiche.

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