Basel

Platz für Velos und Fussgänger statt Chaos: Aeschenplatz soll umgestaltet werden

Die alte Traminsel beim Kiosk am Aeschenplatz soll wieder verwendet werden. Nach der Umgestaltung sollen die Tramlinien 3, 14 und 15 dort halten.

Die alte Traminsel beim Kiosk am Aeschenplatz soll wieder verwendet werden. Nach der Umgestaltung sollen die Tramlinien 3, 14 und 15 dort halten.

Der Aeschenplatz könnte zu einem sogenannten «Grosskreisel» werden. Während vor allem Fussgänger und Velofahrer davon profitieren, müssten Tram- und Autofahrer mit Nachteilen rechnen.

Der Aeschenplatz ist der Endgegner. Jeder Fahrschüler aus der Region kennt den kalten Angstschweiss und den nervösen Fuss des Experten auf dem Bremspedal, wenn man auf den Platz zusteuert. Der Wirrwarr von Tram- und Buslinien, Fussgängerstreifen, Sperrflächen und den Zwei- und Vierrädern schafft einen unübersichtlichen Verkehrsknoten.

Schon seit längerem plant das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) deshalb die Umgestaltung des Platzes. Die entsprechende Vorstudie steht kurz vor dem Abschluss. Ende Jahr will der Regierungsrat seine Vorlage ans Parlament überweisen. «Ziel ist, den Aeschenplatz als Verkehrsknoten und Stadtraum sowie als Eingangstor zur Basler Innenstadt zu verbessern», sagt Sprecher Daniel Hofer. «Die Studie wird eine für alle Verkehrsmittel funktionierende und sichere Lösung aufzeigen, die stadtverträglich und zukunftstauglich ist.»

In diesem Zitat schwingt viel Zweckoptimismus mit. Denn die geplanten Umbauten dürften auf erheblichen Widerstand stossen. Recherchen zeigen, dass der Platz ein komplett neues Gesicht bekommen soll. Unter dem Strich gibt es zwei Gewinner: die Fussgänger und die Velofahrer – und zwei Verlierer: der öffentliche Verkehr (ÖV) und der motorisierte Individualverkehr (MIV).

Grosskreisel ohne Rechtsvortritt

«Ein optimales, auf eine moderne Stadt ausgerichtetes Verkehrssystem setzt in erster Linie auf flächensparende Verkehrsmittel wie Tram, Bus, Velo- und Fussverkehr und reduziert den Autoverkehr auf das Notwendige», beantwortete das BVD den bisher neusten parlamentarischen Vorstoss zum Aeschenplatz im Parlament. SVP-Grossrat Beat Schaller hatte vorgeschlagen, den Platz zu entflechten, indem der Autoverkehr unterirdisch geführt wird. Die Verkehrsplaner setzen andere Schwerpunkte: So dürfte der Aeschenplatz zur Tempo-30-Zone werden, was jedoch keinen grossen Unterschied zum zähen Ist-Zustand darstellt. Ein weiterer Ansatz aus einer umfangreichen Auslegeordnung mit deutlich grösseren Auswirkungen: Der Aeschenplatz könnte zu einem sogenannten «Grosskreisel» werden. Statt dem jetzigen Rechtsvortritt müssten die einmündenden Fahrzeuge dann warten, bis sie an der Reihe sind. Das mühselige Stop-and-go wäre Vergangenheit. Brisant: Auf den Dokumenten der Verkehrsplaner ist eine der beiden Fahrspuren auf der Südseite des Platzes verschwunden, was vor allem das Sicherheitsgefühl der Velofahrenden verbessern würde. Gleichzeitig zieht diese Idee die Frage nach sich, ob auch die doppelspurige Zufahrt vom Bahnhof her durch den Aeschengraben bald verkleinert wird.

Alte Traminsel soll wiederbelebt werden

Doch auch die ÖV-Lobby fürchtet Nachteile wegen der Umgestaltung. So zeigen interne Unterlagen aus dem Bau- und Verkehrsdepartement, dass der 15er verlegt werden soll. Statt den Platz auf dem kürzesten Weg zu queren wie bisher, wird die Tramlinie gemäss den Ideen der Verkehrsplaner entlang der 3er- und 14-Strecke geführt und dann via Umweg durch die Gartenstrasse wieder auf die bisherige Route zurückgeführt. Der Zeitverlust wird auf rund eine Minute geschätzt. Vom Gegenvorschlag, die 15er-Haltestelle südlich in die St.Jakobs-Strasse zu verlegen, hält das Bau- und Verkehrsdepartement dagegen nicht viel.

Faktisch hätte die neue Linienführung des 15er aber auch für andere Verbindungen Auswirkungen. Für die Umgestaltung sollen die Haltestellen rund um den Kiosk, wo früher der 11er und 17er hielten, reaktiviert werden. Vor der Alten Börse gäbe es mehr Raum. Die Trams würden die Perrons im Linksverkehr anfahren. Das wiederum bedeutet, dass künftig drei Tramlinien jeweils bei der Einfahrt auf den Aeschenplatz von Rechts- auf Linksverkehr wechseln müssten und bei der Weiterfahrt wieder zurück – vor dem Hammering Man und Ende Aeschenvorstadt. Die neuen Querungen würden den ÖV zusätzlich bremsen. Für den Tramverkehr kommt erschwerend dazu, dass gleichzeitig Planungen laufen, die Doppelhaltestelle Bankverein zu einer Einfachhaltestelle umzugestalten. Diese soll direkt bei der Kreuzung liegen, was insofern Sinn macht, als dass das Umsteigen einfacher wird. Für die BVB würde die Situation aber komplizierter, da bei Problemen kein Reserveraum mehr besteht. Vermehrter Rückstau wäre die Folge.

Mehr Platz für Fussgänger, neue Wege für Velofahrer

Profitieren vom entflechteten und übersichtlichen Aeschenplatz würden vor allem Fussgänger und Velofahrer. Für beide ist der Platz momentan nur sehr mühsam zu queren. Künftig soll der Veloverkehr in alle Richtungen möglich sein. Auch die Fussgänger würden mehr und klar ausgewiesene Flächen zugeordnet bekommen. Die Wege quer über den Platz sollen verkürzt werden.

Die Bauarbeiten sollen gemäss BVD 2029 starten. Es bleibt also noch viel Zeit für Diskussionen.

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