Kleinhünigen
Plötzlich läufts im Stücki rund

Totgesagte leben länger: Das Kleinbasler Shoppingcenter scheint sich aus der Negativspirale zu befreien.

Benjamin Rosch
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Brachte den Erfolg ins Stücki: Christian Mutschler.

Brachte den Erfolg ins Stücki: Christian Mutschler.

Martin Toengi

Für die Schnitzelbänggler ist das eine Hiobsbotschaft. Seit der Eröffnung 2009 verging kaum ein Jahr, in dem das Kleinbasler Einkaufscenter Stücki nicht für manche träfe Pointe herhalten musste. Doch jetzt erscheint ein Silberstreifen am Horizont von Kleinhüningen: Mehrere Läden berichten von steigenden Umsatzzahlen.

Zum Beispiel die Migros. Etwas ambitiös gestartet, musste der Grossverteiler redimensionieren und die Verkaufsfläche verkleinern. Seither ist man aber zufrieden mit dem Standort unweit der deutschen Grenze: «In den letzten eineinhalb Jahren ist eine positive Entwicklung festzustellen», bestätigt Sprecher Moritz Weisskopf auf Anfrage der bz. «Wir haben eine erhöhte Nachfrage sowohl im Supermarkt als auch im Migros-Restaurant. Aufgrund einer höheren Kundenfrequenz haben wir auch eine positive Umsatzentwicklung zu verzeichnen.» Genaue Zahlen wolle man aber nicht preisgeben.

Auch Rolf Maria Schmitz ist äusserst zufrieden. Mit dem Restaurant Blockhouse gehört er seit der Geburtsstunde des Stückis zum Inventar. In den letzten Monaten habe er jeweils ein Umsatzwachstum zwischen 4 und 8 Prozent feststellen können. «Im letzten Quartal haben wir sogar im zweistelligen Bereich dazugelegt», sagt er. Vergangenen Februar konnte er mit seinem Bruder im oberen Stockwerk einen Fitnesspark eröffnen. Das «Gyym» wirbt mit einer Kältesauna mit Temperaturen von 160 Grad unter dem Gefrierpunkt und diversen Animations-Kursen. «Bis Ende 2016 peilten wir die Zahl von 1500 Mitgliedern an.» Heute sind es rund 4000 Fitnessjunkies, die in Schmitz’ Muckibude pilgern. «Ich kann das gar noch nicht richtig einordnen», sagt er. Einen Grund für die positive Entwicklung hat er aber schnell zur Hand: «Das Management hat gewechselt. Es brauchte jemanden von hier, nicht aus Deutschland.» Mit der früheren Leitung, die wie Schmitz selbst aus Hamburg stammt, vertrug er sich nicht.

«Mister Euro» reüssiert

Einer der Hauptverantwortlichen für die Wende ist Christian Mutschler. Im Mai letzten Jahres übernahm er das Zepter im Konsumpalast. National bekannt ist er für sein Engagement als Turnierdirektor an der Euro 08. Er kommentiert die Entwicklungen in seiner Shoppingmall mit Vorsicht: «Es ist sicher erfreulich, dass wir uns in einem schwierigen Umfeld behaupten können», sagt er. Das positive Feedback aus den Läden decke sich mit seiner Einschätzung. Aktuelle Zahlen gebe es allerdings noch nicht. Den Erfolg schreibt er auch den Bemühungen zu, das Stücki attraktiver zu machen. Wunschbaum, Winterdörfli, eine Schlittschuh-Bahn für Kinder – die Anstrengungen im Weihnachtsgeschäft erscheinen beträchtlich.

Shoppen als Erlebnis lautet das Rezept. Im letzten Quartals-Bericht der Immobilienfirma Wincasa, in deren Hand sich auch das Stücki befindet, heisst es: «Um dem Trend zum Online-Shopping entgegenzuwirken, setzen die Shopping Center vermehrt auf das Einkaufen als emotionales Rundum-Erlebnis mit Mehrwerten, die ein Einkauf im Web nicht bieten kann.» Schon nächste Woche folgt der nächste Event: Die Mini-Migros, «ein grosser Verkäuferlis-Laden für Kinder», macht Halt.

Ganz allgemein geht es den Konsumtempeln der Schweiz nicht besonders gut: «Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben die Shopping-Center im dritten Quartal 2016 einen nominalen Umsatzrückgang von 3,8 Prozent zu verkraften», musste Branchenprimus Wincasa verzeichnen.