Es war das erste direkte Aufeinandertreffen von Thomas Strahm (LDP), Hansjörg Wilde (parteilos), Guido Vogel (SP) und Christine Kaufmann (EVP). Es schien dabei, als wolle sich niemand den eigenen Mund verbrennen. Trotzdem gab die Diskussion unter der Leitung von Toprak Yerguz einige Aufschlüsse über die Persönlichkeiten und politischen Ideen der Kandidierenden. Und dass Letztere zwischen dem Sozialdemokraten Vogel und dem bürgerlich-konservativen Wilde oft nicht allzu weit voneinander entfernt scheinen, unterstreicht die schwierige Entscheidung, vor der die Riehener Wahlbevölkerung am 26. Januar steht.

Gerade sie beide versuchten während den zwei Stunden, sich nicht in eine politische Schublade stecken zu lassen. «Die ganze Frage von links und rechts ist für ein Exekutivamt unwichtig», fand Guido Vogel. Auch streckte er nicht auf, als Moderator Yerguz in die Runde fragte, wer wohl der Linkste unter den vier Kandidierenden sei. Sich gar als «Linkster und Rechtester» bezeichnete sich gar Hansjörg Wilde. «Mir steht die Sache im Vordergrund. Es ist mir völlig egal, von wem ein guter Vorschlag kommt.» Er sei auch gegen das Referendum der SVP gegen die Dorfkernplanung.

Strahm kontert Wilde aus

Sowohl Hansjörg Wilde wie auch Thomas Strahm überstrahlten mit ihrer Präsenz auf dem Podium Christine Kaufmann und vor allem auch Guido Vogel. Dass er keine Politerfahrung hat, sei kein Nachteil, ist Wilde überzeugt. «Ich habe mit der CVP, FDP und SVP drei Parteien hinter mir. Meine politische Arbeit stimmt.» Er gab sich auf dem Podium als jener Kandidat, der Neues in das Präsidium bringt. «Es ist mir ein Anliegen, dass sowohl die Gemeinderatssitzungen wie auch die Einwohnerratssitzungen effizient ablaufen. Es kann nicht sein, dass man im Parlament zwei Stunden über ein Geschäft berät.»

Zum ersten Mal konterte da Strahm Wilde aus und stellte klar, dass «die Demokratie nicht zwingend effizient sein muss». Der Einwohnerrat habe bei vielen Geschäften schon zu viel Zeitdruck. Es war eine von mehreren kleinen Spitzen von Strahm in Richtung Wilde. Auch Kaufmann widersprach dem Parteilosen: «Als Gemeindepräsident kann man nicht einfach nach zwei Stunden gehen.»

Vogel für mehr Freiräume

Als Wilde mehrmals wiederholte, wie wichtig ihm die Gemeindeautonomie Riehens in den Verhandlungen mit Nachbarsgemeinden sei, gab ihm Strahm nur teilweise recht. «Als Gemeindepräsident braucht es eben nicht nur die Innen-, sondern auch die Aussensicht auf Riehen.» Und als Grossrat mit engen Kontakten zu Vertretern ausserhalb Riehens sei dies bei ihm gewährleistet, gab sich Strahm selbstbewusst. Er und auch Einwohnerrätin Christine Kaufmann zeigten sich in den einzelnen Themengebieten sehr dossierfest.

Gerade was die Aktualität der Beziehungen zu Gemeinden im grenznahen Ausland angeht, wusste Kaufmann zu punkten. «Ich bin klar dafür, dass man die Gespräche über die Grenzen öfters sucht.» So hätte beispielsweise das Hochhaus auf Lörracher Seite vielleicht verhindert werden können. Guido Vogel forderte indes mehr Freiräume für die Jugend. «Wir müssen akzeptieren, dass die heutige Jugend andere Lebensgewohnheiten hat.» Wilde widersprach dem mit Vehemenz. «Wir müssen für Junge gute Angebote wie Vereine schaffen. Freiräume sind für gelangweilte Jugendliche, die nicht wissen, was mit der Zeit anzufangen.»

Kandidierenden zu bedacht

Nach der Diskussion blieben im Plenum viele fragende Gesichter. Auch nach der kurzen Fragerunde, in der wenig Konkretes raus kam, blieben diese bestehen. «Der Abend hat mich in meiner Entscheidung nicht weitergebracht», sagte beispielsweise Liselotte Kurth. Zu bedacht seien die Kandidierenden gewesen und hätten zumeist wenig Profil gezeigt. Spätestens im zweiten Wahlgang müssen die Schauklappen abgelegt werden.