Der Ständerat hat letzte Woche eine Motion aus dem Nationalrat mit 28 zu drei Stimmen gutgeheissen. Die Auflagen hat die kleine Kammer eingebaut, weil sie Pokerspiele gegenüber anderen Glücksspielen nicht privilegieren und die neue Verfassungsbestimmung, die im März 2012 von Volk und Ständen angenommen wurde, respektieren will.

Weiter sollen Pokerturniere nicht online und nur in öffentlich zugänglichen Räumen stattfinden dürfen. Damit werde sichergestellt, dass Aufsicht und Kontrolle durchgeführt werden könnten, sagte Kommissionssprecher Claude Janiak.

Damit entsteht ein neuer Markt und das bisherige Monopol der Casinos wird aufgehoben.

Organisatoren glauben nicht an Boom

Ob Basel nun zur Gamblerhölle wird, darf stark bezweifelt werden. Viele Pokerspieler sind durch die strikte Gesetzgebung in den letzten Jahren auf Alternativen wie Online-Poker umgestiegen oder in die Illegalität abgetaucht.

Ausführlich Auskunft geben will keiner der von uns kontaktierten Organisatoren. Auch T.G.* aus Riehen, der aus eigenem Interesse anonym bleiben möchte, gibt sich wortkarg. Erst nach mehrmaligem Nachhaken ist er bereit, sich zu äussern.

Er hat früher selber Pokerturniere organisiert und kennt sich in der Szene bestens aus. Ob es in Basel eine grosse Bandbreite an illegalen Turnieren gibt, liess er unkommentiert. Auf einen allfälligen Pokerboom angesprochen teilt er lediglich mit: «Die Politik hat unsere Pokerszene zerstört. Auch wegen den Auflagen wird sie sich kaum mehr erholen.»

Keine Unruhe im Grand Casino

Im Grand Casino Basel wurde der Entscheid des Ständerats zur Kenntnis genommen.

Grosse Angst vor Konkurrenz hat man nicht. «Poker-Turniere haben bei uns keinen hohen Stellenwert», erklärt Matthias Werner, Leiter der Spielttischliga des Casinos, gegenüber der bz. «Wir veranstalten lediglich ein Turnier pro Woche mit Einsätzen zwischen fünfzig und hundert Franken.» Beim Angebot handle es sich um ein Zusatzprojekt aus Goodwill gegenüber den Teilnehmern.

Es sei unwahrscheinlich, dass Pokerturniere nun wie Pilze aus dem Boden schiessen. «Die Auflagen des Ständerats sind für private Organisatoren praktisch unüberwindbar», erklärt Werner.

So sei die Gewinnmarge bereits bei offiziellen Veranstaltungen im Casino relativ klein oder gar nicht vorhanden. «Wenn dann noch ein Grossteil an die AHV und an gemeinnützige Zwecke ausbezahlt werden muss, wird das Pokerturnier schnell zum Verlustgeschäft», so Werner.

Ein Gamblertourismus in der Region Basel ist nicht nur deshalb unwahrscheinlich. Auch das öffentliche Interesse soll gemäss Matthias Werner deutlich zu klein sein. «Oft haben wir Mühe, die 50 Plätze an unseren Pokertischen zu besetzen.» (agt/sda)

*Name der Redaktion bekannt.