Nachgefragt

Politexperte Claude Longchamp: «Heidi Mück hat nichts zu verlieren»

Gemäss Politexperte Claude Longchamp funktioniert Rot-Grün in Basel nach wie vor.

Gemäss Politexperte Claude Longchamp funktioniert Rot-Grün in Basel nach wie vor.

Claude Longchamp schätzt die Basler Wahlen ein.

Claude Longchamp, in Basel überschlagen sich seit Sonntag die Ereignisse. Wie haben Sie das Geschehen verfolgt?

Claude Longchamp: Machen wir uns nichts vor: Es ist ein politisch höchst brisantes Ergebnis bei den Regierungswahlen, während sich die Ergebnisse aus dem Grossen Rat im erwartbaren Rahmen bewegen.

Sie sprechen das Abschneiden von Elisabeth Ackermann an, die gegen den grünen Trend die Wiederwahl verpasst hat?

Genau. Es ist eine persönliche Abstrafung. Es war eine Klatsche, Quereinsteigerinnen wie Frau Eymann zu unterliegen. Eine Wiederwahl hätte Ackermann nur mit Glück geschafft.

Wie stehen die Chancen für Rot-Grün, die Macht in der Regierung zu wahren?

Sie wurden nicht besser. Der zweite Wahlgang ist in fünf Wochen. Da muss eine Bewerbung gut eingeführt sein. Es muss jemand sein mit Wahlkampferfahrung, es muss eine Frau sein und jemand mit Unterstützung von allen drei linken Parteien. Es ist eine explosive Situation. Heidi Mück hat nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Aber die Latte ist sehr hoch. Sibel Arslan hat viel Potenzial und mehrere Optionen; sie kann auch in vier Jahren antreten.

Die Basta wollte noch im Mai in die «Opposition» gehen. Wie glaubwürdig ist nun eine Kandidatur?

Heidi Mück ist eigentlich eine Oppositionspolitikerin. Die SP dürfte auch nicht vergessen haben, dass sich Mück gegen die Rentenreform von Berset gestellt hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die SP-Leitung und Basis von sich überzeugen kann. Es wird ohnehin nicht einfach: Ein Kandidaten-Austausch zwischen den Wahlgängen ist immer nur zweite Wahl.

Wie schätzen Sie das Basler Stimmvolk ein?

Rot-Grün funktioniert immer noch. Bei den Parlamentswahlen hat die Linke um ein Prozent zugelegt. Die Bürgerlichen hingegen haben vier Prozent verloren. Und die SVP will Dürr nicht unterstützen. Holala, das ist noch nicht gelaufen! Baschi Dürr ist als Bisheriger im zweiten Wahlgang. Stephanie Eymann hat überrascht und die grösste Hausmacht. Sie dürfte gewählt werden.

Was ist mit Esther Keller von den Grünliberalen?

Sie wird besser Chefredaktorin von Telebasel (lacht)! Sollte sie gewählt werden, wird sie in der Regierung immer zwischen den beiden Blöcken zerrieben, während ihr im Parlament gerade einmal acht Grossräte die Stange halten können. Das würden harte vier Jahre. 

An jenem Wahlsonntag hat das Basler Stimmvolk auch über die nationalen Vorlagen zu befinden. Welchen Effekt hat das?

Das hilft Rot-Grün. Die Konzernverantwortungsinitiative wird nochmals andere linke Wählende mobilisieren.

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