Nachgefragt

Politexperte zu Wahlen in Basel: «Die Kämpfe im linken Lager nehmen zu»

Basel-Stadt hat gewählt. Und für einmal ticken wir nicht anders als die Schweiz. Der Berner Politikberater und Buchautor Mark Balsiger ordnet die Resultate vom Sonntag in den nationalen Kontext ein.

Herr Balsiger, wie schätzen Sie die Basler Wahlergebnisse ein? Entsprechen sie den nationalen Trends?

Mark Balsiger: Das ist in der Tat so. Da wäre zum einen die Grüne Welle, die nach den nationalen Wahlen vor einem Jahr in den Kantonen weiterrollt. Zum anderen sehen wir, dass die Mitte vor grossen Veränderungen steht – ausgelöst durch den Erfolg der GLP, die mit progressiven Ansätzen Einiges aufwirbelt. Allerdings ist auch interessant, dass die CVP nach acht kantonalen Wahlen ihre Mandate praktisch halten konnte. Das war nicht sicher.

Warum?

Weil die Partei im Umbruch ist, im Hinblick auf die Fusion mit der BDP. Die Stabilität in den kantonalen Wahlen wird nun aber noch zusätzlich Mut machen für das Projekt «Die Mitte».

Gab es weitere Überraschungen in Ihren Augen?

Ich ging davon aus, dass die SP zugunsten der Grünen verlieren wird. Mit einem Minus von vier Sitzen im Grossen Rat fällt dieser Verlust in der Hochburg Basel jedoch heftig aus. Die Wählerstromanalyse liegt noch nicht vor, aber ich nehme an, dass dies einem Teil der SP-Wählerschaft geschuldet ist, der sich für die Grünen und vereinzelt für die Grünliberalen entschieden hat. Damit hat die SP in Basel eine gute Gelegenheit verspielt.

Wie meinen Sie das?

Die Partei musste zwei starke Figuren in der Regierung ersetzen. Dies hätte einen dynamischen Wahlkampf ermöglichen können; die SP hat dies aber nicht zu ihrem Vorteil genutzt.

Wird die SP weiterhin Wähler an die Grünen verlieren?

Die nächsten kantonalen Wahlen finden im März in Solothurn und im Wallis statt. Gut möglich, dass bis dann die soziale Frage ein viel grösseres Gewicht hat als heute. Davon profitiert üblicherweise die SP. Seit dem fulminanten Sieg der Grünen vor Jahresfrist mit einem Plus von sechs Prozentpunkten betrachten diese sich allerdings nicht mehr länger als Juniorpartner der SP. Als Konsequenz nehmen die Kämpfe im linken Lager zu.

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