«Kinder und Jugendliche interessieren sich nicht für Politik», lautet ein Vorurteil. Dies mag teilweise gelten. Doch längst nicht für alle Jungen. Mit dem vor eineinhalb Jahren lancierten Polit-Baukasten bekommen diese die Chance, Einblick in die Basler Politik zu gewinnen und daran teilzunehmen. Wer bisher kein Interesse hatte, wird neugierig gemacht.

Der Polit-Baukasten vereint mehrere Teilprojekte zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen unter einem Dach. Dahinter steht die parteipolitisch unabhängige Arbeitsgruppe «Miteinander im Gspröch sy». Darin engagieren sich das Kinderbüro Basel, der Parlamentsdienst des Grossen Rats, aktive und ehemalige Mitglieder des Rats, der Bürgergemeinde, des Riehener Einwohnerrats und des Jungen Rats.

Nach einem Jahr Pilotphase ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit. «Das Interesse von Kindern, Jugendlichen und Schulen ist gross. Der Polit-Baukasten ist ein Erfolg», resümiert Grossrätin Franziska Roth (SP), Mitglied der Projektleitung. Die Projekte sollen weiterentwickelt und die Vernetzung mit anderen Angeboten verbessert werden. Obwohl die Grossräte ehrenamtlich mitmachen, kosten die Baukasten-Projekte auch Geld. Eine nachhaltige Finanzierung sei nötig, so Roth.

Junge sollen sich äussern

Mit den «PolitiKids» soll der direkte Austausch zwischen Kindern oder Jugendlichen mit Entscheidungsträgern gefördert werden. Es werden Fragen gestellt und Themen der Jungen diskutiert. Damit erhalten sie einen Einblick in politische Diskussionen. Auf Ratsführungen und mit Publikationen gehen die Jungen den Geheimnissen des Rathauses auf die Spur.

Die Schulen werden in der Umsetzung des Lehrplans 21, der unter anderem weniger Geschichtsunterricht vorsieht, und der gelebten Partizipation unterstützt. «Wir passen die Führungen und Diskussionen dem Alter der Kinder an», sagt CVP-Grossrat Osi Inglin, einer in dieser Sache aktivsten Parlamentarier. So wie am vergangenen Freitag, als der Schülerrat der Primarschule Gotthelf Rathausluft schnupperte.

Die Wandmalereien mit dem Basilisk, den alten Männern und der grosse Saal hätten ihnen am besten gefallen, erzählen die Kinder. «Wo sitzt der Chef?», wollte ein Mädchen von Osi Inglin wissen. «Es ist schön, welch spannende Fragen die Kinder stellen. Man erhält auch selber einen anderen Blick auf das, was hier passiert.»

Osi Inglin ist es wichtig, dass junge Menschen früh mitbekommen, wie in einer Demokratie Meinungen zustande kommen. Er warnt davor, die Kinder zu unterschätzen. Das Mitmachen beginne bereits mit Dreijährigen in den Kindertagesstätten, berichtet Cornelia Herrmann, Projektleiterin vom Kinderbüro Basel. «Wir wollen so früh wie möglich die Bedürfnisse und Anliegen der Kinder aufnehmen, um denen gerecht zu werden.»

Aktiv bei den «PolitiKids» sind die 14-jährige Salma Ibrahim und die 15-jährige Carlotta Thrier. «Es ist toll, kann man sich nicht erst als 18-Jährige einbringen und Basel aktiv mitgestalten», lobt Salma. Wegen ihres Engagements sei auch das Interesse bei ihren Mitschülern gewachsen, verrät Carlotta. «Sie sehen, dass man auch als Junge etwas bewegen kann.»