Krise

Politik sorgt sich um Robi-Spiel-Aktionen «Kanton hätte genauer hinschauen müssen»

Heisse Angelegenheit: Die Krise der Robi-Spiel-Aktion beschäftigt auch die Politik

Die Robi-Spiel-Aktionen stecken in der Krise. Nun schiessen Parlamentarier gegen den Kanton. Er habe eine Mitverantwortung an der Misere des Vereins.

Bei den Robi-Spiel-Aktionen ist Feuer im Dach. Der Verein ist finanziell massiv in Schieflage geraten. Grund ist ein grober Schnitzer in der Bilanz. Eine aufgeführte Forderung von einer halben Million Franken dürfte nicht werthaltig sein. Offenbar wurde fälschlicherweise mit Subventionsgeldern gerechnet. Dazu kommt ein strukturelles Defizit.

Damit rutscht der Verein tief in die roten Zahlen. Offensichtlich waren die Verantwortlichen administrativ überfordert. Beim Ausbau des Angebots – neben der offenen Jugendarbeit ist der Verein auch der wichtigste Anbieter von Tagesstrukturen – wurde den Finanzen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Zur finanziellen Krise kommt eine personelle dazu: Der Geschäftsführer Andreas Hanslin, welcher die Robi-Spiel-Aktionen über drei Jahrzehnte aufgebaut hat, verlässt die Organisation, weil er zurückgestuft hätte werden sollen.

Als Reaktion stiegen die Mitarbeiter der Robi-Spiel-Aktionen auf die Barrikaden. Sie würden keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mehr sehen, teilten sie in einem Brief der GGG, der der Verein angeschlossen ist, mit.

Hintergrund ist die Diskussion, wie es mit den Robi-Spiel-Aktionen weitergehen soll. Die GGG würde den Verein gerne ganz in die eigene Organisation integrieren, die Mitarbeiter dagegen wollen unabhängiger werden. Dabei geht es auch um viel Geld.

Bisher konnte die Krise unter dem Deckel gehalten werden. Vor zwei Wochen hat die bz die Probleme rund um den Verein in einem Artikel thematisiert. Das Verhältnis zwischen den Jugendarbeitern und der GGG hat sich seither nochmals verschlechtert.

«Kanton steht in Verantwortung»

Und auch die Politik wurde daraufhin aktiv. Claudio Miozzari (SP) reichte eine Interpellation ein, am Mittwoch doppelte Beatrice Isler (CVP) nach. Beide wollen vom zuständigen Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) wissen, wie er die Situation einschätzt und welche Massnahmen er für notwendig hält.

Die Anfrage von Miozarri beantwortete Cramer am Mittwoch im Grossen Rat. Er schätze das wertvolle Angebot der Robi-Spiel-Aktionen, so der Erziehungsdirektor. Auch die GGG sei ein Garant für innovatives Engagement und gute Führung. Er sei zuversichtlich, dass auch künftige Generationen von Kindern von diesen Angeboten profitieren können und werde sich entsprechend dafür einsetzen, erklärte Cramer.

Angesprochen auf die Verantwortung des Kantons, welcher jährlich rund sieben Millionen Franken für die Tagesstrukturen und Jugendarbeit zahlt, erklärte Cramer: «Wir prüfen, ob die Leistungen, für die Staatsbeiträge ausgerichtet werden, in quantitativer und qualitativer Hinsicht erbracht werden.»

Weiter verlange das Departement auch eine Kostenrechnung als Grundlage für die Verhandlung von Staatsbeiträgen. Aufbau- und Ablauforganisation sowie das interne Kontrollsystem seien dagegen Sache der Trägerschaft und deren Organe.

Diese Antwort befriedigte den Interpellanten nur teilweise: «Ich bin der Meinung, dass der Kanton durchaus eine gewisse Mitverantwortung an der Situation trägt», sagte Miozzari. Man hätte genauer hinschauen müssen, ob der Verein den Entwicklungsschritt, den er aufgrund der neuen Aufträge des Kantons gemacht hat, auch bewältigen kann. «Ich wünsche mir, dass das Ganze nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.»

Auch Isler sieht den Kanton in der Verantwortung: «Bei einem Verein, dem der Kanton so hohe Subventionen zahlt, gehört er auch in den Vorstand.» Die Dienststellen des Kantons würden eng mit den Robi-Spiel-Aktionen zusammen arbeiten. «Ich verstehe nicht, warum man da nicht genauer hingeschaut hat. Auch die Rolle der GGG hinterfragt Isler: «Die GGG zahlen mit 100'000 Franken jährlich nur einen Bruchteil, kontrollieren aber alles.» Das Wichtigste sei, dass die Robi-Spiel-Aktionen keinen Schaden nehmen, so Isler.

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