Mit der Fasnacht steht der grösste Menschenaufmarsch des Jahres in der Stadt bevor. Um die Hunderttausenden von Aktiven und Passiven zu schützen, wird ein Grossaufgebot der Basler Polizei im Einsatz sein. Hintergrund ist mitunter die Bedrohung durch mögliche fundamentalreligiöse Attentäter. «Wie bereits bei den Grossveranstaltungen im vergangenen Jahr verstärkt die Kantonspolizei ihr Sicherheitsdispositiv auch während der Fasnacht», sagt Polizeisprecher Martin Schütz.

Letztes Jahr war die Polizei unter anderem an der Feier zum 1. August und am Weihnachtsmarkt deutlich stärker präsent als in den Vorjahren. «Man wird sie sicher besser sehen und stärker bemerken», sagte Schütz vor der Bundesfeier zur bz. Am Abend standen dann die Polizeibeamten mit der Maschinenpistole im Anschlag entlang des Rheinufers. Am Weihnachtsmarkt liess die Polizei kurzfristig auf dem Münsterplatz Betonelemente aufstellen. Damit reagierten die Verantwortlichen auf das Attentat in Berlin, bei dem ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt raste und zwölf Menschen tötete. Betonklötze entlang des Cortège hält der ehemalige Nachrichtendienstchef Peter Regli jedoch für keine gute Idee.

Köln setzt auf Videoüberwachung

Auch eine stärkere Videoüberwachung in der Innenstadt ist denkbar. Auf dieses Mittel setzte Köln am letztjährigen Karneval. Damit sollte eine «Massierung gewaltbereiter Gruppen» möglichst früh erkannt werden, schreibt das Onlineportal «welt.de». Grund für die zusätzlichen Kameras waren die Übergriffe von vornehmlich nordafrikanischen Männern auf Frauen in der vorherigen Silvesternacht.

Mehr Kameras während der Fasnacht – das halten nicht alle für gleich sinnvoll. Claude Schrank, Präsident der Olympia-Clique, zweifelt, dass das die Sicherheit erhöhen würde. Nichts von Videoüberwachung im öffentlichen Raum hält die fasnachtsbegeisterte SP-Grossrätin Salome Hofer, auch nicht an Grossanlässen. Ihre Ratskollegen Christophe Haller (FDP) und Remo Gallacchi (CVP) – ebenfalls aktive Fasnächtler – sind sich einig, dass Kameras kein Attentat verhindern könnten. Hingegen könnten sie dabei helfen, jemanden nachträglich zu identifizieren, sagt Gallacchi. Kein Problem mit der Videoüberwachung hätte Naarebaschi-Obfrau Cathrin Balmelli, weil es die Clique nicht tangieren würde.

Die Sicherheit an der Fasnacht gibt bei den Cliquen kaum zu reden, das zeigt eine Umfrage bei diversen Gesellschaften. Bis auf Guy Macquat, Präsident der Basler Bebbi Basel, der sich «ein wenig» um die Sicherheit sorgt, schauen alle mit einem normalen Gefühl dem Morgestraich entgegen. Selber wollen sie keine Massnahmen ergreifen. «Das obliegt den Behörden», sagt Markus Krayer, Obmann der Lälli-Clique. Auch Christoph Bürgin vom Fasnachts-Comité verweist auf die Polizei. Diese arbeitet in der Vorbereitung auf die Fasnacht eng mit dem Comité zusammen.

Cristina Cireddu, Tambourchefin der Wiehlmys, macht sich weniger Gedanken über ein mögliches Attentat an der Fasnacht als vielmehr über die Ansammlungen von Betrunkenen, die ihr ein Gefühl der Unsicherheit geben. Seit einiger Zeit hat die Polizei mit dieser Zielgruppe öfter zu tun an der Fasnacht. Das Fasnachtstreiben habe sich verändert, bestätigte Polizeisprecher Andreas Knuchel letztes Jahr gegenüber «Radio Basilisk». Die Morgestraich-Partys in der Sonntagnacht hätten zugenommen. Viele Leute, die morgens um vier Uhr aus den Clubs kämen, hätten nicht viel mit Fasnacht am Hut. Das sei für die Polizei wie eine Samstagnacht. «Dann muss man dem einen oder anderen auch mal sagen, es sei jetzt Zeit, nach Hause zu gehen», sagt Knuchel.

Fasnachtsveranstaltungen blieben von Terrorgefahr bislang verschont – mit einer Ausnahme: 2015 wurde der Karnevalsumzug in Braunschweig kurzfristig abgesagt. Staatsschutzquellen hatten die Behörden damals über einen möglichen Anschlag informiert. Die Ermittlungen lieferten jedoch keine Hinweise auf einen Täter oder einen islamistischen Hintergrund.