Als die bz Basellandschaftliche Zeitung im Juni auf die Zunahme von Auseinandersetzungen und Ladendiebstählen durch tunesische Asylsuchende hinwies, beeilten sich die zuständigen Amtsstellen, den Sachverhalt zu verharmlosen. «Höchstens einmal pro Woche, maximal zweimal im Monat» käme es zu Zwischenfällen, die den Einsatz der Polizei erforderten.

Schon damals war der Basler Staatsanwaltssprecher Markus Melzl einer der wenigen, die auf die Zusammenhänge zwischen dem verstärkten Flüchtlingsstrom aus den Maghrebstaaten und der Zunahme der Kleinkriminalität hinwiesen. Inzwischen steht ausser Frage, dass die Asylsuchenden aus Tunesien in Basel im Durchschnitt mehr Probleme bereiten als andere Flüchtlingsgruppen vor ihnen.

Von 2 auf 105

Nun erneuerte Melzl gegenüber dem «Regionaljournal Basel-Baselland» von SR DRS seine Feststellung und belegte diese mit aktuellem Zahlenmaterial. Laut einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft begingen zwischen Mai und Oktober 2011 insgesamt 105 tunesische Asylsuchende Ladendiebstähle. Zudem müsse man von einer Dunkelziffer ausgehen. Im gleichen Zeitraum 2010 waren es nur 2 Tunesier gewesen, die deswegen polizeilich erfasst wurden. Auch die Polizei im Kreis Lörrach klagt derzeit über eine Häufung von Ladendiebstählen. Diese werden von tunesischen Asylsuchenden begangen, stellt Polizeisprecher Joachim Langanky gegenüber SR DRS fest, welche sich illegal «über die grüne Grenze schleichen» und in Weil und Weil-Friedlingen straffällig werden.

Der Basler Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass bestätigte gestern am Radio, dass gerade die Maghrebiner und Tunesier der Basler Polizei Sorgen bereiten: Diese «Art der Delinquenz» sei bei früheren Flüchtlingsgruppen so nicht aufgetreten. Laut Melzl besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen den von Ladendiebstahl hauptsächlich betroffenen Gebieten im Kleinbasel, dem benachbarten Weil und der Lage des Empfangszentrums Bässlergut. Die Asylsuchenden würden Geschäfte in der Nähe bevorzugen, wo sie teilweise in Gruppen auftreten und so das Sicherheitspersonal auf Trab halten. Grosse Warenhäuser am Claraplatz hätten auf das Problem bereits mit einer Verstärkung des Security-Personals reagiert.

Präsenz erhöht

Auch die Basler Polizei zieht Konsequenzen aus der verschärften Lage. Laut Gass wurde die Polizeipräsenz an der Freiburgerstrasse beim Bässlergut erhöht, ebenso in der Innerstadt. Die alljährliche «Aktion Noël», bei der die Basler Polizei zur Vorweihnachtszeit verstärkt in der Innerstadt patrouilliert, um Taschen- und Ladendiebe abzuschrecken, wurde in diesem Jahr wegen der Tunesier vorgezogen.