Pfefferspray, Gummischrot und Schutzmontur auf der einen Seite – Steine, Petarden und Bierflaschen auf der anderen. Hier Polizisten, die für Ordnung sorgen – dort Chaoten, die Unruhe stiften. Szenen, die immer wieder Schlagzeilen machen.

Das Jubiläumsbuch von Robert Heuss mit dem Titel «Basler Polizei 1816 bis 2016» wirft einen Blick zurück. Heuss, der ehemalige stellvertretende Kommandant der Basler Polizei, beschreibt darin Szenen aus dem Polizeialltag von damals. Schnell wird klar: Gewalt gegen und durch Polizisten gab es schon immer. «Früher war sicher nicht alles besser», sagt Heuss. Schon in den 20er- und 30er-Jahren sei man gegen die Polizei vorgegangen und Einsätze wurden politisch diskutiert. Zum Beispiel jener im Januar 1925.

Zu Beginn nur Beschimpfungen

Am 31. Januar 1925 traf man sich zur Protestkundgebung vor dem Blumenhaus Käumlen an der Falknerstrasse. Der Vorwurf: Das Unternehmen überschreite das Arbeitsgesetz und beute jugendliche Arbeiter aus. Als die grölende Menge lauter wurde, rückten Polizisten aus. Sie wurden mit Beschimpfungen empfangen und drohten, Waffen einzusetzen. «Die Polizei zog blank und schlug unter dem Kommando von Leutnant Benz mit ihren geschliffenen Säbeln auf die Vordersten ein. Widerstand ist nicht geleistet worden», hiess es später im Bericht des Appellationsgerichts.

Das hatte ein Nachspiel. «Brutaler Polizeiüberfall», titelte die «Basler Vorwärts», das Blatt der Kommunistischen Partei der Schweiz. Kritisiert wird das «unglaubliche Vorgehen» der Beamten, das sich nur mit «bodenloser Dummheit» und «der zum Teil bewussten Absicht zu provozieren» erklären liesse. Die Konsequenz: Der Säbel als Einsatzmittel gegenüber Demonstranten wurde als ungeeignet eingestuft. Stattdessen wurden 100 Gummiknüppel mit Lederschlaufe angeschafft. Künftig wurden Demos mit dem Befehl «Gummiknüppel vor!» aufgelöst. Nötig war das erst fast 30 Jahre später wieder.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 1954 kam es zu einem Krawall in der Greifengasse, Basels damaligem Ausgehviertel. Hier gab es Bars und Bordelle – und Schlägereien. Die ausgerückten Polizisten versuchten, einen der «Skandaleure» abzuführen, aber Gäste mischten sich ein. «Betrunkene Radaubrüder» riefen zum offenen Widerstand gegen die Polizei auf. Irgendwann waren es an die 900 Personen. «Gummiknüppel vor!»

Auf diesen Polizeieinsatz folgten vier Interpellationen im Grossen Rat und die Zeitungen schrieben, die Polizei habe zu spät eingegriffen. Ist der Gummiknüppel zu wenig effizient? Braucht Basel einen Wasserwerfer? «Nein, diese seien Ausdruck eines Polizeistaates», wehrte sich der damalige Regierungsrat Brechbühl.

Rohes Fleisch und Tränengas

Unruhig wurde es erst wieder Ende der 60er-Jahre. Am 18. Juli 1969 erreichten die Jugendunruhen Basel. Lehrlinge und Studenten setzten sich am Aeschenplatz auf die Tramgleise, um gegen höhere Preise zu protestieren. Sie blieben sitzen, obwohl die Polizei sie aufforderte, zu gehen. Die Antwort in den 60er-Jahren: Tränengas und 71 Festnahmen.

In den 80er-Jahren änderte sich die Situation grundlegend. «Die Polizei wurde zum Buhmann», sagt Heuss. «Die eigene Unzufriedenheit wurde auf sie projiziert.» Es gab mehr Demonstrationen und der Ton war ein anderer. Jugendliche forderten ein autonomes Jugendzentrum. Unter die Demonstranten mischte sich ein «harter Kern von sogenannten Chaoten, die systematisch für Ausschreitungen sorgten», heisst es im Verwaltungsbericht. Schaufenster wurden eingeschlagen, Fassaden verschmiert. Polizisten wurden nicht mehr nur beschimpft, sondern mit Steinen, Flaschen und rohen Fleischstücken beworfen. «Ein Feuerwehrmann wurde bei der Räumung der besetzten alten Stadtgärtnerei durch einen Molotow-Cocktail lebensgefährlich verletzt», sagt Heuss. Auch in den 80er-Jahren reagierte die Polizei mit Tränengas und später mit Gummischrot.

Und heute? Meldungen über Saubannerzüge. Parteien, die härtere Strafen fordern. Berichte von Jugendlichen, die beim Tinguely-Brunnen Polizisten angreifen, nachdem diese einen mutmasslichen Täter mit dem Schlagstock geschlagen hatten. «Basel ist nicht unsicherer als vor 50 Jahren», sagt Heuss. Das Thema sei einfach präsenter. Auch weil es von politischen Parteien wie der SVP bewirtschaftet wird.

Blaulichttag am Samstag, von 11 bis 17 Uhr auf dem Barfüsserplatz. Besucher erfahren mehr aus dem Alltag von Polizei, Feuerwehr und Sanität.