Kundgebung

Polizeieinsatz in Vollmontur: Der Basler Frauenstreik 2020 geht unschön zu Ende

Frauenstreik Basel 2020: Polizeieinsatz löst Demo auf

Frauenstreik Basel 2020: Polizeieinsatz löst Demo auf

Die Aufnahme zeigt, wie der Frauenstreik 2020 in Basel von der Polizei bei der Johanniterbrücke aufgelöst wird.

Als sich um 14 Uhr an mehreren Standorten in der Basler City und in Wohnquartieren Frauen treffen, um für ihre Rechte zu streiken und zu «fraulenzen», wie es im Aufruf heisst, deutet noch nichts darauf hin, dass der Tag mit einem Polizeieinsatz enden wird.

Die Stadt sieht an diesem Sonntag ganz anders aus als vor einem Jahr: Am 14. Juni 2019 nahmen in der ganzen Schweiz über hunderttausend Menschen an Protesten für mehr Frauenrechte teil. Auch in Basel zogen Zehntausende durch die Strassen. Dieses Jahr hat das Organisationskomitee des Frauenstreiks darauf verzichtet, zu einer Massendemonstration aufzurufen.

Stattdessen wurden Aktionen an fünf verschiedenen Standorten in der Stadt durchgeführt. Abgesehen vom Theaterplatz, wo etwa 150 Personen an einer Diskussion teilnehmen und zuhören, ist bei den meisten Aktivitäten wie Workshops oder Kickboxen eine überschaubare Anzahl Leute präsent. «Das liegt vorwiegend an Corona», sagt Franziska Stier vom Organisationskomitee.

Lohnungleichheit: «Ab 15.24 Uhr arbeiten Frauen gratis»

Der Höhepunkt des diesjährigen Basler Frauenstreiks ist nicht Teil des offiziellen Programms. Um 15.24 strömen von Klein- und Grossbasel her Leute mit Transparenten auf die Mittlere Brücke. «Ab dieser Uhrzeit arbeiten die Frauen in der Schweiz rechnerisch gesehen gratis, weil es immer noch keine Lohngleichheit gibt», erklärt Franziska Stier den Zeitpunkt.

Wenige Minuten später nehmen die ungefähr 300 Versammelten die Mittlere Brücke in Beschlag. Trams fahren keine mehr, die Streikenden setzen sich auf den Boden und lauschen während einer Stunde den Reden, die gehalten werden. Im Anschluss an die Blockade bildet sich ein Demonstrationszug, der auf der Johanniterbrücke aber plötzlich von der Polizei gestoppt wird.

Die Beamten sperren die Brücke beidseitig ab und nehmen die Personalien aller Anwesenden auf. Wie Polizei-Mediensprecher Martin Schütz am Sonntagabend sagte, sei die mehrfache Blockierung des öffentlichen Verkehrs der Hauptgrund für die Personenkontrollen gewesen. Franziska Stier findet den Einsatz der Polizei unverhältnismässig: «Nachdem in den vergangenen Wochen andere Demonstrationen geduldet wurden, verstehe ich das Vorgehen nicht.»

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