In Riehen geht die Angst um. Vor Einbrecherhorden und Unsicherheit. So stellt die SVP im Dorf die Lage dar. 1000 Menschen haben ihre Initiative unterzeichnet, die sich gegen die Schliessung des Polizeipostens wehrt. Eine Initiative, die rechtlich zumindest auf äusserst wackligen Beinen steht, denn die Kantonspolizei ist, wie der Name verrät, Kantonssache und nicht Gemeindeangelegenheit. Seit Wochen versuchen Sicherheitsdirektor Baschi Dürr, sein Polizeikommando und sogar der SVP-nahe aber parteilose Riehener Gemeindepräsident Hansjörg Wilde klar zu machen, dass die Sicherheit in Riehen dadurch nicht gefährdet sei.

Unversöhnliche Positionen

«Ich bin überzeugt, dass die Sicherheit in Riehen auch in Zukunft so garantiert ist wie heute», sagte Dürr an einem Podium im Sommer in Riehen. Und vermochte damit den pensionierten Grenzwächter und SVP-Politiker Eduard Rutschmann nicht zu beruhigen. Der konterte: «Sicherheitsdirektor Baschi Dürr lässt Riehen im Stich. Alles wurde so aufgegleist, dass es Riehen schadet.»

Dank der Fleissarbeit des Statistischen Amtes gibt es Grafiken, die zeigen, wo in Basel gewisse Delikte verübt werden. Und die verraten: Riehen ist ein sehr sicheres Pflaster. Die Befürworter eines 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffneten Postens werden nun argumentieren, das sei eben der präventive Aspekt eines solchen. Doch die Karte verrät auch: Die meisten Delikte passieren in unmittelbarer Nachbarschaft zum grössten Basler Polizeiposten, dem Claraposten. Auch was die Einbrüche angeht, diese angeblich der Grenzsituation geschuldete Geissel des Dorfes, steht Riehen gar nicht schlecht da. Auf die Einwohner heruntergerechnet gibt es in Riehen weniger als halb so viele Einbrüche, wie auf dem Bruderholz, das höchstens an der Kantonsgrenze liegt. Und das war auch schon so, bevor der Gundeliposten nachts geschlossen wurde, das Bruderholz also die dauernde Polizeipräsenz verlor.

Auf der Strasse statt im Büro

Die Argumentation der Polizeileitung ist folgende: Polizisten, die in der warmen Stube sitzen, entfalten weder eine präventive Wirkung, noch sind sie schneller an einem allfälligen Tatort, als ihre Kollegen, die in den Alarmpiketts und Patrouillenfahrzeugen durch die Strassen kurven. In Riehen lässt sich das relativ gut belegen, dort wurden schon Läden in unmittelbarer Nähe zum Posten ausgeräumt. Polizisten auf einem Posten sind im Prinzip Schalterbeamte. Die Polizeileitung vertritt die Position, die brauche es in der Nacht nicht, wer eine Anzeige wegen einer Bagatelle aufgeben wolle, könne auch am Tag kommen. Zahlen, die vor der Schliessung des Gundelipostens erhoben wurde bestätigen dies: Nachts oder frühmorgens zeigt kaum jemand einen Velodiebstahl oder Ähnliches an.

Die Debatte ist nicht neu

Dafür haben die Diskussionen einen historischen Wert: 1997 begannen die Pläne für das Projekt 4 Plus unter dem damaligen Sicherheitsdirektor Jörg Schild und Polizeikommandant Markus Mohler. Die Reduktion auf vier Polizeiposten in der Stadt und einen in Riehen riefen sofort die damals noch nahezu inexistente SVP auf den Plan. Assistiert von der mittlerweile in die ewigen Jagdgründe eingegangenen DSP von Schilds Vorgänger, Karli Schnyder.

Auch damals waren es politisch aktive, ehemalige oder aktive Grenzwächter und Polizisten der untersten Kaderstufen, die sich am lautesten wehrten. Und auch damals hiess es, die Sicherheit sei gefährdet. Der Blick in die Statistik verrät: 1997, vor der Schliessung von vier Polizeiposten, wurden in Basel-Stadt 28 416 Delikte angezeigt. 2014 zählt die Stadt 10 000 Einwohner mehr, aber die Zahl der Delikte ist, trotz – oder wegen? – der halbierten Zahl an Polizeiposten, auf 21 485 gesunken.