Strafgericht
Polnischer Berufseinbrecher auf frischer Tat gefilmt

Der polnische Berufseinbrecher lässt sich eigentlich nicht so leicht lumpen. Er hat eine sehenswerte Verbecherkarriere hinter sich. Doch in Basel wurde er dabei gefilmt, wie er sich Zugang zu einer Wohnung verschaffte. Jetzt sitzt er im Gefängnis.

Patrick Rudin
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Der Pole hat eine beeindruckende Verbrecherkarriere hinter sich. Nun sitzt er hinter Gitter.

Der Pole hat eine beeindruckende Verbrecherkarriere hinter sich. Nun sitzt er hinter Gitter.

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So hatte sich der 57-jährige und durchaus einschlägig erfahrene Einbrecher aus Polen das wohl nicht vorgestellt: Ende vergangenen Juni brach er das Zylinderschloss einer Wohnungstüre an der Hochstrasse im Gundeldingerquartier auf, nahm Halsketten, Münze und Ringe mit und machte sich wieder aus dem Staub. Was er dabei nicht bemerkt hatte: In der Wohnung war eine Kamera aktiv, die das Live-Bild des Einbruchs direkt aufs Mobiltelefon des Wohnungsinhabers sandte.

Wertlosen Schmuck entsorgt

Der Inhaber rief daraufhin sofort die Polizei an, und die Fahndung mit dem Bild war erfolgreich: Der 57-Jährige konnte festgenommen werden. Äusserst kooperativ zeigte er den Polizisten auch gleich noch den Abfallkübel, in den er kurz zuvor den in seinen Augen wertlosen Modeschmuck entsorgt hatte. Seither sitzt er in Haft, und auch gestern vor dem Strafgericht gab er sich erstaunlich freundlich und kooperativ.

Seine Frau warte in Polen auf ihn, ebenso sein Sohn. «Ich möchte so sehr, dass er nicht meinen Weg geht», erklärte der Mann. Seine Karriere ist beeindruckend: in den 1990er-Jahren sass er wegen zahlreicher Einbrüche in Österreich im Gefängnis, zuletzt im Jahr 2003 in Deutschland. Dazwischen habe er hauptsächlich auf dem Bau gearbeitet, offenbar meistens schwarz.

Einbrechen statt Arbeiten

«Ist Einbrechen ihre Spezialität?», fragte Gerichtspräsident Dominik Kiener. «Ja, wenn Sie so wollen», antwortete der Angeklagte schulterzuckend und lachte. «Das ist meine Art, etwas zu verdienen, wenn ich keine Arbeit habe.» Früher sei er auch schon in der Schweiz gewesen, in Bern. «Haben Sie dort gearbeitet?» Der Mann zögerte und suchte mit einem langen «Äh...» nach einer passablen Antwort. Als Kiener ihn schliesslich fragte, ob er dort eingebrochen habe, kam schliesslich die klare Antwort: «Ja, ich habe dort genau einmal eingebrochen.»

Doch der Einbruch in Bern war nicht angeklagt, und die Vorstrafen aus Deutschland und Österreich sind zehn Jahre alt – formell gesehen, darf die Strafe dadurch nicht verschärft werden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn allerdings wegen eines Einbruchs angeklagt, der wenige Stunden zuvor in der Gundeldingerstrasse verübt worden war. Doch diesen Einbruch bestritt der Mann deutlich, und ausser der räumlichen und zeitlichen Nähe gab es auch sonst keine Beweise für einen Zusammenhang.

«Das war das letzte Mal»

Ansonsten war der Fall aber klar: Einzelrichter Dominik Kiener verurteilte den 57-Jährigen wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Staatsanwalt hatte acht Monate und eine Verurteilung wegen Gewerbsmässigkeit gefordert, drang damit aber nicht durch.

«Ich bin zu alt zum Einbrechen, das war das letzte Mal. Ich bitte um eine bedingte Strafe», hatte der Mann vor dem Urteil noch gesagt. Zumindest der letzte Wunsch blieb unerfüllt, wobei er bereits drei Monate seiner Strafe abgesessen hat. Er wie auch die Staatsanwaltschaft können das Urteil noch weiterziehen. Doch seine Haftentlassung dürfte deutlich früher anstehen, als eine zweite Instanz den Fall überprüfen kann.