Der Nebel und die Kälte des herbstlichen Prags kleben immer noch an ihnen. Mit zwei Tourneen und 50 Konzerten pro Jahr ist der Alltag von «The Lombego Surfers» alles andere als langweilig. Umso mehr freut sich nun das langjährige Garage-Rock-Trio, wieder zu Hause in Basel zu sein, genauer in der K113, der Kneipe von Bassist Pascal Sandrin.

Die Beiz im obersten Stock des Werkraums Warteck wäre eigentlich mit ihrem grandiosen Blick auf Basel schon ein guter Grund genug für eine Rückkehr in die Heimat. «Die K113 zu finden, das war Glückssache», erinnert sich Sandrin, und zündet sich eine Zigarette an. «Wir waren einfach im richtigen Moment am richtigen Ort. Aber es hat sich gelohnt. Hier haben wir die schönste Aussicht von Basel».

Mehrere Fan-Generationen

In der K113 spielen The Lombego Surfers «fast schon traditionell» das letzte Konzert der Saison, wie Schlagzeuger Olivier Joliat sagt. Vor einem sehr gemischten Publikum: Im geräumigen, gemütlich eingerichteten Raum feiern Jüngere und weniger Jüngere dicht an dicht, wenn Frontmann und Gitarrist Anthony Thomas mit Sandrin und Joliat die Hütte zum Beben bringen.

Dies ganz im Sinne der Bandtradition: Im Laufe ihrer 27-jährigen Musikkarriere sind die damals 20-jährigen Fans Väter und Mütter geworden und haben den Nachwuchs für die mächtigen, rauen Klänge des Trios begeistern können. Trotz des breiten Publikumsspektrums sind die Musiker allerdings ihrer Berufung immer treu geblieben: «Wir wollen keine Wünsche erfüllen», erklärt Joliat. «Wir sind wir, und wir spielen einfach».

Obwohl es am Anfang ab und zu auch schwierig war. «Vor 15 Jahren haben wir manchmal vor 10 Leuten gespielt», erinnert sich Sandrin. «Heute besuchen 60 bis 100 Leute unsere Konzerte. Und bei jeder Tour kommen etwa 10 Fans dazu. Man muss immer geduldig und stur bleiben». Ein lächelnder Thomas fügt hinzu: «Vor 20 Jahren wurde uns im Ausland oft gesagt: «Was, ihr seid aus der Schweiz? Das glaube ich nicht».

Auf Tournee durch Europa

Mittlerweile hat sich der Bekanntheitsgrad des Trios dermassen vergrössert, dass in Bali Bootlegs von der Band zu finden sind. Heute können die Rocker auf 10 LPs, 3 EPs und diverse Singles stolz sein. Die Tausende Kilometer, die sie auf Tour durch Europa zurückgelegt haben, sind nicht mehr zu zählen. Allein während der letzten Tournee, die es nach Deutschland, Tschechien, Slowenien und Österreich geführt hat, ist das Trio über 4000 Kilometer gefahren.

Der Erfolg ist den Basler Surfers allerdings nicht in den Kopf gestiegen. «Ich finde, dass wir Glück haben», sagt Joliat. «Es ist schön, dass wir neben der Musik anderes tun können, das uns interessiert und wir mit Herzblut machen». So ist Joliat Journalist, Thomas gibt Musikunterricht und ist an Kunstprojekten beteiligt, und Sandrin muss sich um die K113 kümmern. Alles Aktivitäten, «bei denen man sich die Freiheit für die Band nehmen kann».

Dass der finanzielle Aspekt nicht der mentale und emotionale Treibstoff des Trios ist, stellt der Schlagzeuger mit Emphase fest: «Wenn wir die Musik für das Geld machen würden, würden wir nicht mehr spielen».

Diese Ansicht teilt Thomas. Mit seinen 62 Jahren könnte der aus Boston kommende, langhaarige Musiker schon lange die Gitarre an die Wand gehängt haben. Aber da die Musik sein Leben ist, kommt diese Option überhaupt nicht in Frage. Im Gegenteil: «Wir haben für nächstes Jahr schon Konzerte geplant», freut er sich. Und vielleicht ist auch eine Spanientour, ein weiterer Traum der Band, nicht ganz auszuschliessen. Wer weiss, ob das Glück da auch mitspielen wird.

Auf den Dächern von Basel ist die Dämmerung eingebrochen. Sandrins Zigarette ist zu Ende. The Lombego Surfers gehen aus der Kneipe, um ein wenig frische Luft einzuatmen. Nicht nur deswegen: Abends ist die schönste Aussicht von Basel noch schöner.

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