Deutsche, Italiener, Türken, Albaner und Kosovaren. Sie gehören zu den oft genannten Staatsangehörigen, wenn es um ausländische Bevölkerungsgruppen in Basel-Stadt geht. Dabei geht eine ausländische Wohnbevölkerung oft vergessen: die Portugiesen.

Aus Anlass des morgigen Spiels des FC Basel im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Porto nimmt die bz die portugiesische Bevölkerungsgruppe in Basel genauer unter die Lupe.

Das Land auf der iberischen Halbinsel kränkelt. Eine immens hohe Arbeitslosenquote, komplette Kürzungen der Renten und eine noch immer anhaltende Eurokrise – auch wenn im letzten Jahr der Austritt aus dem EU-Rettungsschirm geschafft wurde. Die Krise der letzten Jahre hat viele Portugiesen dazu bewogen, ihr Heimatland zu verlassen. Im Jahr 2011 erlebte das Land die grösste Auswanderungswelle seiner Geschichte.

Und eines der Länder, das diesen Exodus zu spüren bekam, war die Schweiz. Neben Grossbritannien und Brasilien gehörte die Schweiz zum Lieblingsauswanderungsziel der Portugiesen. Alleine zwischen August 2011 und August 2012 emigrierten 13'600 Portugiesen in die Schweiz und liessen sich hier nieder, mehr als aus jedem anderen Land. Mittlerweile und laut aktueller Statistik des Bundesamts für Migration ist die portugiesische die drittgrösste ausländische Wohnbevölkerung des Landes.

Zuwachs um über 80 Prozent

In Basel-Stadt bildet sie seit 2008 und mit heute insgesamt 3342 Bewohnern immerhin die sechstgrösste Bevölkerungsgruppe (hinter Deutschland (aktuell 15'616), Italien (8234), der Türkei (6519), Serbien, Montenegro, Kosovo (zusammengefasst 4499) und Spanien (3580). Damit besitzen insgesamt 4,9 Prozent der Ausländer in Basel die portugiesische Staatsbürgerschaft.

Was jedoch viel beeindruckender ist, ist der enorme Zuwachs, den der Kanton in den vergangen Jahren verzeichnen konnte. Waren es vor zehn Jahren noch 1832 Portugiesen, ist die Bevölkerungszahl im letzten Jahrzehnt stetig gewachsen und hat bis heute um 82,4 Prozent zugelegt. Eine enorme Zunahme.

Mittleres Alter dominiert

Während der ersten Zuwanderungswelle in den 1960er-Jahren waren es vermehrt Gastarbeiter etwas höheren Alters, die in die Schweiz kamen. Ende 2014 jedoch bildeten die 30- bis 34-Jährigen sowie die 35- bis 39-Jährigen die grössten Altersgruppen. Das Durchschnittsalter von 31,8 Jahren fällt damit deutlich tiefer aus als jenes der in Basel-Stadt wohnhaften Schweizer (46,3 Jahre). Ausserdem lag es auch unter dem Durchschnitt aller anderen ausländischen Bewohnern Basels (36,5 Jahre). Und während die erste Welle eher schlecht ausgebildete Arbeiter nach Basel gebracht hat, kommen nun vermehrt gut ausgebildete Portugiesen nach Basel, für die im immer noch krisengeschüttelten Land der Arbeitsmarkt weniger attraktiv ist als hier. Mehr oder weniger konstant ist bei den Portugiesen der mit knapp 60 Prozent überwiegende Männer-Anteil.

Basel-Stadt hat also mehr Portugiesen, als viele denken – und der FCB damit mehr Opposition als erwartet. Denn dass sich unter all den Portugiesen auch der eine oder andere Fan des traditionsreichen FC Porto – wie der FCB im Jahr 1893 gegründet – befindet, darf vermutet werden.