Modernisierung

Post läutet das Ende der Postfächer ein

Das neue Angebot sei mit einem unnötigen Mehraufwand für den Kunden verbunden, findet SVP-Grossrat Joel Thüring.

Das neue Angebot sei mit einem unnötigen Mehraufwand für den Kunden verbunden, findet SVP-Grossrat Joel Thüring.

Zukünftig werden keine Pakete mehr an private Postfächer geliefert. Das sorgt für Kritik aus dem Grossen Rat.

«Ab dem 6. November erhalten Sie sämtliche Pakete, die an Ihr Postfach adressiert sind, direkt an Ihre Domiziladresse zugestellt», heisst es in einem Schreiben, das die Schweizer Post Anfang Oktober an sämtliche Postfachinhaber gesendet hat.

«Das Postfach entspricht nicht mehr den heutigen Kundenbedürfnissen, ein Paket zu empfangen. Wie auch die Telefonkabinen ist es heute immer weniger gefragt, denn es gibt bessere Möglichkeiten, an sein Paket zu kommen», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler.

Er stützt seine Aussage auf konkrete Zahlen. Laut Post ist die Anzahl Päckchen, die an ein Postfach gesendet wurden in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent gesunken. Viele Postfächer stünden ganz leer und nur 1,8 Prozent aller verschickten Pakete werden, so die Post, heute noch an ein Postfach geliefert.

«Das ist ein sehr geringer Anteil, für eine doch eher komplizierte Art, an sein Paket zu kommen», sagt Flüeler. Ausserdem werden Pakete seit je nicht in die kleinen Postfächer geliefert, sondern nur angekündigt und müssen dann mit entsprechendem Zeitbedarf in der Poststelle am Schalter abgeholt werden. Damit soll in Zukunft Schluss sein. Heute kann der Kunde direkt per SMS oder E-Mail steuern, wo er das Päckchen abholen möchte. Dafür muss er sich lediglich einmal online registrieren. Sobald die Daten verifiziert wurden, kann das Paket dann bequem beispielsweise ins Geschäft, nach Hause, in eine Pickpoststelle, ins Restaurant oder zu einem Paketautomat am Bahnhof beordert werden.

«Es hat ein Wandel der Kundenbedürfnisse stattgefunden, dem wir uns anpassen müssen», sagt Flüeler. «Deswegen fahren wir den Postfachbetrieb langsam, aber sicher zurück und bauen nachgefragtere Dienstleistungen aus.»

«Ein weiterer Serviceabbau»

Für SVP-Grossrat Joël Thüring ist das Ganze symptomatisch für die Gesamtsituation der Post. «Die Schliessung von Filialen, verringerte Öffnungszeiten und jetzt keine Lieferung von Päckchen an Postfächer mehr. Da werden überall Leistungen abgebaut», sagt Thüring.

Der aktuelle Präsident des Grossen Rats hat selbst auf der Hauptpost ein Postfach und ist verärgert über das Schreiben in seinem Briefkasten. «Ich finde das neue Angebot absolut unattraktiv. Ich will meine Pakete nicht nach Hause oder direkt ins Büro geliefert bekommen. Wenn sie dort im frei zugänglichen Treppenhaus deponiert werden, kommt in einer Geschäftsliegenschaft mit viel Laufkundschaft gerne mal was weg», sagt Thüring.

Das neue Angebot sei mit einem unnötigen Mehraufwand für den Kunden verbunden. «Klar gewöhnt man sich an alles. Ich persönlich schaffe das auch von den technischen Mitteln her. Aber ich halte die Aktion dann doch für einen fragwürdigen Leistungsabbau eines Staatsunternehmens, dessen Grundauftrag es ist, Post und Pakete zum Kunden zu bringen – und hierfür ist ein Postfach ein sehr praktisches Mittel», sagt Thüring.

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