Soziale Institution

Potenzial fördern: Crescenda macht aus Migrantinnen Unternehmerinnen

Die tamilische Tanzlehrerin erzählt der Bundesrätin Simonetta Sommaruga von ihrer eigenen Tanzschule.

Die tamilische Tanzlehrerin erzählt der Bundesrätin Simonetta Sommaruga von ihrer eigenen Tanzschule.

Bei Crescenda werden Migrantinnen zu Unternehmerinnen ausgebildet. Bundesrätin Simonetta Sommaruga besuchte die Instituation zum 10-Jährigen Jubiläum und meint, das Projekt sei auch ein Vorbild für andere Städte und Kantone.

In der Schweiz fehlt eine Diskussion über Migrantinnen als Unternehmerinnen. Woran liegt das?

Simonetta Sommaruga: Das Thema «female migrant entrepreneurship» ist im angelsächsischen Raum tatsächlich bekannter. Dabei sind die Voraussetzungen in der Schweiz gut für Klein- und Kleinstunternehmen. Es braucht Projekte wie Crescenda, die Frauen dort abholen, wo sie stehen. Auf meinem Rundgang durch das Gründungszentrum sah ich, wie unglaublich gross das Potenzial der Migrantinnen ist und was für Fähigkeiten diese Frauen mitbringen.

Wieso gelingt es nicht, das Potenzial von Migrantinnen volkswirtschaftlich besser zu nutzen?

Um auf dem Schweizer Arbeitsmarkt integriert zu sein, braucht es einige Voraussetzungen. Es bedingt eine gewisse Ausbildung und gute Sprachkenntnisse. Eine Unternehmerin benötigt darüber hinaus je nach Branche zusätzliche Kenntnisse. Der Bedarf an Unterstützung und Ausbildung ist individuell verschieden. Bei Crescenda können die Kursteilnehmerinnen ihre Wissenslücken schliessen und erhalten die Möglichkeit, den Schritt in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

Was unternimmt der Bund, um die berufliche Integration von Migrantinnen zu fördern?

Die Integration wird durch die Kantone und den Bund gemeinsam organisiert. Dabei sehen die kantonalen Integrationsprogramme vor, den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen oder zu erleichtern. Eine weitere Möglichkeit sehe ich im Mentoring. Beispielsweise könnten Unternehmerinnen, die ihren Weg gemacht haben, Frauen unterstützen und begleiten, die noch am Anfang stehen. Dieser Erfahrungsaustausch wäre auch eine Möglichkeit, um das Potenzial der Frauen zum
Blühen zu bringen. Im Bundesamt für Migration läuft im Moment eine solche Ausschreibung.

Was kann Ihrer Meinung nach eine private Initiative leisten?

Eine Institution wie Crescenda hilft Migrantinnen, dass sie ihre Fähigkeiten in einem eigenen Unternehmen umsetzen können. Die Absolventinnen, die ich heute kennen gelernt habe, weisen komplett unterschiedliche Hintergründe auf. Gemeinsam besuchen Frauen mit einer langjährigen Ausbildung dieselben Kurse wie Frauen, die in ihren Herkunftsländer nur wenig lernen konnten. Diese Durchmischung und den Austausch finde ich ganz wichtig. Es ist nicht nur ein gemeinsames Lernen, sondern auch eine gegenseitige Bereicherung.

Ist die Idee von Crescenda auch an anderen Standorten denkbar?

Sicher, sie kann und soll ein Vorbild für andere Städte oder Kantone sein. Auch an anderen Orten gibt es zahlreiche Frauen, die ein grosses Potenzial mitbringen. Ich hoffe, dass sich viele Nachahmerinnen finden.

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