Eine wahre Entdeckungsreise ist ein Spaziergang durch die Ausstellung «Ausgezeichnet. Red Dot präsentiert prämiertes Kommunikationsdesign 2013/2014». Uns sticht zuerst eine Serie von Plakaten ins Auge. Farbige abstrakte Formen sind wie in einem Zerrspiegel kunstvoll verbogen, ebenso der in grossen Lettern gesetzte Schriftzug. Die Plakate werben für Konzerte der Amsterdam Sinfonietta – gestaltet vom Studio Dumbar.

Die Plakate überzeugen nicht nur künstlerisch, sie sagen uns auch, dass die Amsterdam Sinfonietta eine moderne Auffassung von klassischer Musik vermittelt. Genau dies ist die Aufgabe von Kommunikationsdesign. Es muss die Produkte-Identität und -Botschaft vermitteln. Dies erklärt Jean-Jacques Schaffner im Gespräch mit der bz. Schaffner, von «Schaffner & Conzelmann Designersfactory» (von ihm und seiner Partnerin Silvana Conzelmann 1976 gegründet) bringt eine 40-jährige Erfahrung in Design mit und ist seit 2000 Jurymitglied bei Red Dot im Bereich Kommunikationsdesign. Er brachte 2011 erstmals die Ausstellung der von Red Dot prämierten Arbeiten im Kommunikationsdesign nach Basel.

Zeichen für gutes Design setzen

Die Red-Dot-Ausstellung war zuvor in Europa allein in Berlin zu sehen, danach sei sie vernichtet worden, fügt Schaffner an. Er wollte auch dem Schweizer, speziell dem Basler Publikum die prämierten Design-Arbeiten aus der ganzen Welt zeigen. Das Einmalige ist, dass sich hier in einer – von Red Dot kuratierten – Ausstellung die ganze Welt des Kommunikationsdesigns versammelt.

Und warum gerade Basel als Ausstellungsort? Einmal will Schaffner auf die Notwendigkeit des Ausstellungsraumes auf der Lyss hinweisen. Werden die Räume – wie geplant – der Universität Basel zugeschlagen, verlöre die Stadt ihren einzigen Museumsort für Design – das wäre ein Riesenverlust. Und Schaffner kämpft mit der Präsentation internationalen Designs auch gegen den Imageverlust an, den das Kommunikationsdesign in Basel erlitten hat.

Dafür war Basel einmal international top, heute «fehlen die grosse Persönlichkeiten». Dass Baselland die Subventionen für den Vorkurs der Schule für Gestaltung, die Vorbereitung auf die Lehre als Gestalter, streicht, sei für die Gestalter-Ausbildung eine Katastrophe: Man unterlaufe damit das erfolgreiche, für eine gute Ausbildung notwendige Konzept, das in der Tradition des Bauhauses stehe.

21 Kategorien, 3 Ausstellungsorte

Mitgetragen wird die Schau vor allem von der Schule für Gestaltung Basel, ebenso von der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Sponsoren tragen viel zur Finanzierung bei, das verbleibende Defizit aber übernimmt «Schaffner & Conzelmann».

Auf der Lyss werden die Siegerarbeiten der Grand Prix- und Best of the Best-Preisträger gezeigt. Die prämierten Arbeiten der Bereiche Digital und New Media sind in der benachbarten Galerie Graf & Schelble zu sehen. In der Maurerhalle an der Vogesenstrasse 15 sind die Red Dot Junior Awards ausgestellt.

Auf unserem Gang durch die Ausstellung staunen wir zuerst über das Verpackungsdesign. Hier ist Asien stark auf dem Vormarsch. Die Verpackungen müssen überraschen und von der Produktionsfirma und dem Produkt erzählen. Dann fallen die Plakate ins Auge, die Markwald + Neusitzer Identity aus Frankfurt für Martin Schläpfers Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg entwarfen. Hier sprechen die Dynamik und Modernität der Tanzcompagnie zu uns.

Im Raum der 35 prämierten Schweizer Arbeiten (von 600 eingereichten) treffen wir auf die typografische Grosstat «Effra (Corporate Edition)» von Jonas Schudel (Agentur PRV). Aufbauend auf der bestehenden Schrift von Bruno Maag erhöht das Projekt die gängige Zahl von 256 Zeichen auf 32 000. Damit sind alle Alphabete europäischer Sprachen – von Spanien bis Russland und der Türkei – abgedeckt. Eine Firma muss die Schrift ihres Namens nicht wechseln, wenn sie beispielsweise auch in Griechenland tätig ist.

Der nächste Raum widmet sich den Printprodukten. Kunstfertigkeit und viel Nachdenken steckt im Buch- und Heftdesign. Hamburg verwandelt seinen Geschäftsbericht in einen attraktiven, spannenden Stadtführer.

Musik wird grandios visualisiert

Aus Hamburg kommt der Gewinner des Firmen-Grand Prix: Mutabor Design verknüpft im Designkonzept für den Hamburger Sportverein die Tradition mit dem Blick in die Zukunft. Der Grand Prix für «Visual Identity» geht an Brasilien. Greco Design führt für die Kulturbiennale die Buchstaben D für Diversity und Design zum B für Biennale zusammen, einem B, das auch für Brasilien steht.

Wieder nach Hamburg geht der Grand Prix für ein Riesenplakat. Die Künstlerin Debbie Smyth zeichnete im Auftrag der Hamburger Philharmoniker mit vier Fäden, die die Saiten einer Geige verlängerten, Smetanas «Moldau» nach – grandios ist hier Musik visualisiert. Das ist Design von höchster Qualität: Aussagekräftig und künstlerisch überzeugend steht es beispielhaft für das, was die Ausstellung in Basel uns erzählt.

Ausgezeichnet. Red Dot Kommunikationsdesign 2013/14, Basel, bis 21. Februar.