«Bei einem Ja würde für die Antragssteller der dritten Generation das Einbürgerungsgespräch wegfallen», sagt der CVP-Vertreter. Kriterien wie Leumund, saubere Finanzen oder die Sprachkenntnisse eines Anwärters auf den roten Pass sind grossenteils vom Bund vorgegeben. Die Kantone können dann noch entscheiden, wie stark sie die Schraube zusätzlich anziehen wollen.

Im Gegensatz dazu verfügen die lokalen Behörden bei der Frage nach der gesellschaftlichen Integration über einen grossen Spiel- und Gestaltungsraum. Dies führt auch immer wieder zu fragwürdigen Entscheiden, etwa wenn eine Gemeindeversammlung aus persönlichen Motiven einzelne Einbürgerungen ablehnt. In Basel ist die Bürgergemeinde für die Einbürgerungen zuständig und deren Einbürgerungskommission führt mit jedem Gesuchsteller ein Gespräch durch. Zur Vorbereitung besuchen die Anwärter auf den roten Pass in der Regel den Kompaktkurs der Bürgergemeinde, bei denen an drei Abenden die wichtigsten Grundlagen zur Staatskunde erläutert werden. Was ist eine Initiative? Was ist der Unterschied zwischen einem National-, Stände-, und Bundesrat? Was macht die Bürgergemeinde?

«Höherer Stellenwert»

Zusätzlich bietet die Bürgergemeinde den Kurs «Fit für Basel» inklusive historischem Schnellwaschgang und Stadtführung an. «Unsere Ansprüche sind auf recht hohem Niveau», sagt Wehrle. «Das reine Schulwissen reicht nicht, und ist meistens auch gar nicht vorhanden.» Neben Staatskunde werden im Gespräch auch regionale Aspekte wie etwa Fasnacht, Messen oder die Pharmaindustrie thematisiert. Gerade Angehörige der zweiten und dritten Generation würden immer wieder mit der trügerischen Einstellung am Einbürgerungsgespräch erscheinen, dass sie sowieso schon über alles Bescheid wüssten. «Aber wenn man sie danach fragt, wie viele Nationalräte Basel hat, kommt oft keine Antwort», sagt Wehrle. Wegen einem vermasselten Einbürgerungsgespräch wird zwar ein Gesuch nicht abgelehnt. Allerdings müssen die Betroffenen eine Ehrenrunde drehen und den Kurs nachholen.

Die hohen Anforderungen in Staatskunde verteidigt Wehrle: «Es macht Sinn, dass man weiss, was ein Referendum oder Bundesrat ist, bevor man abstimmen und wählen darf.» Zwar gehe er davon aus, dass das Staatskundewissen bei gleichaltrigen Schweizern im Schnitt auch nicht höher sein dürfte, aber der Bürgerratspräsident legt den Fokus lieber auf die Gesuchsteller, welche das reguläre Einbürgerungsprozedere durchlaufen. «Ein frisch Zugewanderter oder ein Flüchtling, der Schweizer werden will, eignet sich dieses Wissen an. Das ist teilweise anstrengend, aber am Schluss sind die Leute zu Recht stolz darauf, wenn sie Schweizer und Basler werden.» Entsprechend gestalte die Bürgergemeinde die Bürgerbriefübergabe auch bewusst in einem feierlichen Rahmen.

«Da sehe ich einen gewissen Widerspruch», sagt Wehrle, der seine Ausführungen als Beitrag zur laufenden Debatte und nicht als Abstimmungsempfehlung verstanden wissen will. «Wo man den politischen Schwerpunkt legt, muss jeder selber entscheiden.» Er persönlich halte den Entscheid des Grossen Rats, dass Einbürgerungen bis zum 19. Lebensjahr gratis sind, für wichtiger. Dies wurde auf Anfang Jahr so eingeführt und habe innert weniger Tage bereits zu rund 20 Neuanmeldungen geführt.