Nähkästchen

Präsident des Wirteverbands: «Ich plädiere für eine Nachtruhe ab 23 Uhr»

Maurus Ebneter hat den Begriff Jahreszeiten aus dem Nähkästchen der Schweiz am Wochenende gefischt.

Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands, plaudert aus dem Nähkästchen. Über Hindernisse, Hitze und seine Heimat.

Worüber reden wir?

Maurus Ebneter: Über Jahreszeiten.

Welche Jahreszeit liegt Ihnen am meisten?

Ein Herbsttag in den Bergen ist etwas vom Schönsten. Im Tal ist es neblig, oben angenehm warm an der Sonne, aber nicht heiss. Das sind prima Voraussetzungen für eine Wandertour. Ich stamme aus dem Appenzellerland, bin sehr gerne im Alpstein-Gebiet unterwegs.

Also lieber Berge als Meer.

Ja, definitiv. Das hat wohl mit meinen Wurzeln zu tun. Berge bedeuten für mich Heimat.

In Basel sind Sie nun aber schon lange heimisch. Hier kann es im Sommer richtig heiss werden.

Das finde ich gar nicht fein. Hitze ist nicht so meins.

Den Beizen sollte es gut laufen bei dem Prachtswetter.

Im Gegenteil, das Geschäft läuft während Hitzephasen nicht gut. Die Leute zieht es eher in den Wald oder ans Wasser. Sie meiden die Innenstadt – den Rhein ausgeschlossen –, weil es dort noch heisser ist. Und bei grosser Hitze wird mehrheitlich Wasser getrunken, nicht unbedingt Wein und Bier. Der Konsum geht allgemein zurück.

Welche Strasse, welches Quartier leidet am meisten?

Die Steinenvorstadt zum Beispiel. Sie ist zwar meist gut frequentiert, aber im Vergleich zu früheren Zeiten hat sie im Sommer das Nachsehen. Das hat mit der Verschiebung zum Rhein zu tun.

Ist es heute noch eine gute Idee, in Basel ein Restaurant ohne attraktiven Aussenplatz zu eröffnen?

Davon rate ich ab. Das Leben spielt sich vermehrt draussen ab. Früher zog es die Gäste erst ab 14 Grad nach draussen, die Aussensaison dauerte 100 Tage. Heute sitzt man gerne auch im tiefsten Winter an der Sonne. Die Terrassensaison dauert 200 Tage, an manchen Orten fast das ganze Jahr.

Steht der «Lällekönig» an der Schifflände deshalb immer noch leer?

Das ist sicher mit ein Grund. Hier kann man höchstens 2, 3 Tischchen rausstellen.

Das Klima, die Jahreszeiten verändern sich. Wie muss ein Beizer darauf reagieren?

Zuerst müssten die Behörden reagieren. Es kann nicht sein, dass in Basel die Nachtruhe ab 22 Uhr gilt, vor allem im Sommer. Studien belegen, dass der Durchschnittsmensch eine Stunde später zu Bett geht als noch vor drei Jahrzehnten, er ist länger unterwegs. Ich plädiere für eine Nachtruhe ab 23 Uhr. In anderen Städten ist das auch möglich.

Wo orten Sie weitere behördliche Hindernisse?

Der schleichende Abbau von Parkplätzen muss aufhören. Der Konsument, gerade der ältere, kaufkräftige, ist bequem, will in vernünftiger Distanz zum Ziel parken können. Zudem müssten Parkhäuser günstiger werden.

Die Regierung hat doch eben erst die Abendgebühren gesenkt.

Das ist eine nette Geste, während zwei Stunden einen Franken weniger zu verlangen. Aber sie wird verpuffen. Wirkung hätte, wenn Parkplätze am Sonntag und Werktags ab 20 Uhr gratis wären. Das würde Leute in die Stadt bringen.

Apropos Preise: Wie kann es sein, dass man heute in der Innenstadt 7 Franken für einen Cappuccino zahlt?

Die Schweiz ist eine Hochkosteninsel. Beim Kaffee bezahlen Sie in erster Linie das Drumherum und die Dienstleistung, nicht das Produkt. Deutsche Gastronomen erzielen bei wesentlich tieferen Preisen deutlich mehr Gewinn als wir. Das ist ein Fakt.

Wie kann ein Beizer denn heute noch Erfolg haben, also gut wirtschaften?

Es braucht ein klares Profil, eine gesunde Finanzierung, einen Gastgeber mit Leidenschaft, sodass die Leute gerne an diesem Ort verweilen. Die Konkurrenz ist gross, der Detailhandel etwa gibt bei der Ausserhaus-Verpflegung enorm Gas. Früher konnte man im Supermarkt oder beim Beck keine Sandwiches oder Birchermüesli kaufen, heute verschwimmen die Grenzen zwischen Gastronomie und Handel zunehmend.

Wo gehen Sie gerne essen in Basel?

Namen möchte ich keine nennen. Mit der Familie besuche ich hin und wieder asiatische und vegetarische Selbstbedienungslokale, das ist praktisch und zeitsparend, gerade mit Kindern. Die Marken- und Individualgastronomie ergänzen sich in Basel gut. Für ein vielfältiges Angebot baucht es einen guten Mix.

Was aber fehlt noch?

Spannend finde ich die peruanische Küche. Auch marokkanische und koreanische Lokale würde es nach meinem Geschmack vertragen.

Und wenn Sie nicht mit den Kindern unterwegs sind, wo und was essen Sie gerne während der heissen Jahreszeit zu Abend?

Dann besuche ich gerne Betriebe, in denen die Inhaber noch vor Ort sind. Vitello tonnato mag ich, auch frische Salate. Es kommt allerdings auf den Ort an. Wenn ich wandere, bin ich zufrieden mit einem Salsiz und einem Gläschen Enzianschnaps. Das würde ich in Basel nie trinken!

Wie hat sich die Mitgliederzahl des Wirteverbands entwickelt?

Sie ist konstant. Wir zählen 520 Mitglieder mit 600 Betrieben.

Sie wurden vor einem Jahr zum Präsidenten des Verbands gewählt. Auch die Gastronomin Pia Elia stellte sich überraschend zur Verfügung. Sie war der Meinung, der Wirteverband müsse dringend eine Modernisierung erfahren.

Die Mitglieder haben mich damals sehr klar gewählt. Wir waren und sind auf dem richtigen Weg: Wie geplant haben wir den Vorstand verjüngt und neue Projekte lanciert, zum Beispiel die Genusswoche. Sehr gut entwickelt hat sich auch unsere Präsenz auf Facebook.

Verwandtes Thema:

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

Meistgesehen

Artboard 1