Basel
Prävention in der Schule regt die Erwachsenen mehr auf als die Jugendlichen

Das Thema Prävention und Aufklärung wird in Basel rege diskutiert. Eine angebliche Sekundarklasse hat nun in der «Basler Zeitung» einen Bericht über ihre Erlebnisse am Präventionstag verfasst. Bei diesem Text haben aber noch andere mitgemischt.

Pascale Hofmeier
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Geht es um Sex, hat jeder eine Meinung. Die bleibt aus Scham oft privat. Ist Sexualität in der Schule das Thema, entsteht ein Widerspruch. (Symbolbild)

Geht es um Sex, hat jeder eine Meinung. Die bleibt aus Scham oft privat. Ist Sexualität in der Schule das Thema, entsteht ein Widerspruch. (Symbolbild)

Keystone

Geht es um Sex, hat jeder eine Meinung. Die bleibt aus Scham oft privat. Ist Sexualität in der Schule das Thema, entsteht ein Widerspruch: Sexualität ist privat und geheimnisvoll. Jugendliche in der Pubertät schwanken zwischen Faszination und Scham. Sie haben viele Fragen, versuchen sich aber gleichzeitig stark von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. Prävention aber bedeutet Aufklärung, also Wissen statt schummeriges Geheimnis. Im Zeitalter von Aids ist das überlebenswichtig.

Nun gibt laut der «Basler Zeitung» der Präventionsunterricht der Aidshilfe beider Basel Anlass zu öffentlicher Empörung. Ein als Erlebnisbericht der «Klasse 3s, Sekundarschule Binningen» gezeichneter Artikel beschreibt mit expliziter Wortwahl den «Aufklärungsunterricht» durch die «Sextante D.». Die Klasse berichtet: Homosexualität sei als normal bezeichnet worden, sie hätten schambehaftete Begriffe wie Oralverkehr und Schwangerschaft erklären müssen und, und, und. Gut fanden sie die Aufklärung, wo die Gefahr besteht, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken.

Was der Artikel, der von einem Text von «Baz»-Redaktor Daniel Wahl begleitet wird, nicht sagt: Die Tochter des Journalisten geht selber in die Klasse, die sich im geschliffenen Text empört. «Mädchen der Klasse haben das selbstständig geschrieben, und von der ganzen Klasse autorisieren lassen», erklärt Wahl auf Anfrage, die «Baz» habe die Zeilen aber redigiert. Die Klasse werde ein vereinbartes Honorar für die Zeilen erhalten. Seitens der Schule sei die Klasse unter Druck gesetzt worden.

Die Quelle der bz widerspricht Wahls Darstellung: Die sagt, nur zwei Mädchen der Klasse hätten den Text verfasst. Dieser sei veröffentlicht worden, ohne dass die Eltern der anderen Kinder über den Inhalt informiert wurden. Die Sekundarschule Binningen wollte am Freitag keine Stellung nehmen, wohl aufgrund der medial aufgeheizten Stimmung, und verwies an die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Baselland. Allerdings war dort innert kurzer Zeit keine Auskunft über die Vorfälle in Binningen und deren allfällige Konsequenzen erhältlich.

Gesundheit schützen steht im Vordergrund

Die Aidshilfe besucht die Klassen nicht auf eigene Initiative, sondern auf Anfrage der Lehrpersonen. «Das geschieht meist dann, wenn die Lehrer merken, dass Sexualität und Beziehungen zum Thema werden», sagt Geschäftsführer Daniel Stolz. Die Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene der Sekundarstufe 1 und 2. «Uns ist klar, dass Sexualität in der Pubertät ein heikles Thema ist.» Er habe aber in den vergangenen fünf Jahren nie so einen Eklat erlebt. «Wir hatten einmal einen Fall, in dem Eltern mit uns über den Gebrauch von Kondomen diskutieren wollten.»

In erster Linie seien die standardisierten Interventionen als Prävention konzipiert, um die Übertragung von Aids und anderen Geschlechtskrankheiten zu verhindern. Durchgeführt werden sie von Sozialpädagoginnen und -pädagogen. Die Qualität werde mit regelmässigen Befragungen der Kunden, also der Schulen, und Feedbacks durch die Klassen sichergestellt, sagt Stolz. «Die Erfahrung zeigt, dass wenn es zu Diskussionen kommt, die Eltern häufig schockierter über die Inhalte reagieren als die Jugendlichen selber.»

Das ist eine gute Grundlage für die Kampagne gegen den Präventionsunterricht. Den ersten Erfolg kann die Zeitung am Aeschenplatz bereits verbuchen: Die CVP/EVP-Fraktion hat eine Interpellation zum «Sexunterricht» im Landrat angekündet.

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