Euro-Taucher
Preissenkungen en masse: Basler Läden gehen in die Offensive

Läden, Modehäuser und Grossverteiler wollen ihre Kundschaft wieder zurück haben. Die bz hat sich umgehört und -gesehen. Die Ladenbesitzer reagieren viel heftiger und schneller als bei der letzten Euro-Abschwächung.

Stefan Schuppli
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Kundinnen in der Tally-Weijl-Filiale am Basler Marktplatz: Der Gang über die Grenze erübrigt sich.

Kundinnen in der Tally-Weijl-Filiale am Basler Marktplatz: Der Gang über die Grenze erübrigt sich.

Martin Toengi

Der gefallene Euro bringt die Welt des lokalen Detailhandels durcheinander. Mit riesigen Inseraten werben deutsche Kaufhäuser für ihr plötzlich 15 Prozent billigeres Angebot. Doch jetzt reagiert der Detailhandel mit zum Teil happigen Preisnachlässen. Die bz hat sich umgehört und -gesehen. Die Ladenbesitzer reagieren viel heftiger und schneller als bei der letzten Euro-Abschwächung.

Spira

Der Knaller vorweg: 20 Prozent gibt das Modehaus Spira ab heute Freitag auf die gesamte Kollektion – inklusive Ausverkaufsware, die schon runtergeschrieben ist. «Der Entscheid war nicht einfach, haben wir doch die Ware noch zum alten, hohen Eurokurs eingekauft», sagt François Spira, Geschäftsführer der Spira Fashion Gallery an der Basler Freien Strasse. Ein Verlustgeschäft. Der 20-Prozent-Rabatt ist eine temporäre Sofortmassnahme, bis die Ware mit neuen Preisschildern versehen ist. «Eine Riesenübung. Wir werden sicher mit Lieferanten verhandeln, damit wir auch längerfristig tiefe Preise kalkulieren können und die Preise nach unten anpassen.», sagt er. Es komme aber nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Service an. So werden Kunden nach dem Einkauf mit einem Kaffee oder hausgemachtem Eistee an der Bar bedient. Glücklich ist er, dass der Laden mit der neuen, sehr grosszügig gestalteten Damenabteilung im Erdgeschoss aufwarten kann und die Herren jetzt neu im 1. Stock bedient werden.

Tally Weijl

Die Modekette Tally Weijl gibt seit Mittwoch 15 Prozent Rabatt auf die neue Kollektion. Diese macht derzeit etwa 60 Prozent des ganzen Sortiments aus, sagt die Firmensprecherin Julia Wild. Die andere (Ausverkaufs-)Ware ist ohnehin schon heruntergeschrieben – bis zu 70 Prozent.

Manor hat in der Vergangenheit die Währungsvorteile den Kunden weitergegeben und werde dies auch in Zukunft tun. «Da wir mehrheitlich Waren in Schweizer Franken beziehen, werden wir umgehend Lieferantengespräche initiieren», sagt die Manor-Sprecherin.

Coop

Die Detailhändlerin Coop reagiert auf die weggefallene Franken-Euro-Bindung und senkt bei zahlreichen Import-Produkten die Preise – insgesamt bei über 1000 Artikeln. So würden beispielsweise Poulet, Milchprodukte, Fisch, Backwaren und Blumen günstiger. Bereits Anfang Woche hatte Coop die Preise auf diverse Früchte und Gemüse um bis zu 20 Prozent gesenkt, insgesamt bei 200 Produkten. Kurz nach dem Entscheid der Nationalbank, die Euro-Frankenbindung aufzugeben, habe Coop alle ihre Lieferanten aufgefordert, die Euro-Vorteile rasch weiterzugeben. In den nächsten Tagen wird auch die Migros Preissenkungen bekannt geben, heisst es dort auf Anfrage.

Interdiscount

Der zur Coop-Gruppe gehörende Interdiscount senkt heute die Verkaufspreise von über 2000 Artikeln. Interdiscount habe sich zum Ziel gesetzt, Währungsvorteile aufgrund des Euro-Kurses so schnell wie möglich an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben, sagt Pierre Wenger, Leiter Division bei Interdiscount.

Die Kleinen

Die kleinen und ganz kleinen Läden können sich weder Werbekampagnen noch allzu grosse Abschläge leisten. Aber oftmals haben sie eine Sonderstellung. Esther Huber vom Laden Babachic («Kleinigkeiten & Grossartiges für Heim & Herz») auf der Lyss: «Ich mache weiter. Jetzt erst recht», sagt sie. «Ich weiss ja auch nicht, welche Auswirkungen es auf meinen Laden hat.» Im Prinzip ist sie zuversichtlich. «Ich bin in einer Nische, diesen Laden findet man nur einmal, und in Lörrach schon gar nicht. Ich verkaufe Handwerk, das hat seinen Preis, die Kundschaft weiss das zu schätzen.» Der vergangene Samstag sei schon unheimlich gewesen. «Keine Leute auf der Strasse. Wie bei Smogalarm. Aber ich glaube auch, es war ein Hype.»

Stephanie Stadermann, Geschäftsführerin des Ladens «1Fach», sagt ebenfalls, es seien weniger Leute unterwegs – auch in ihrem Laden. Was tun also? Sie engagiert zwei Näherinnen, die einen Nähworkshop geben (samstags von 10 bis 16 Uhr). Nur das Material muss bezahlt werden. Ihre Geschäftsidee ist originell: Sie vermietet in ihrem Geschäft Regale, wo kreative Menschen ihre Arbeiten/Ware zum Verkauf anbieten können.

Eine hübsche Idee hat auch Pascal Löhrer vom «Spielbrett» entwickelt. Einmal pro Monat spielt die Belegschaft des Ladens Spiele, damit sie diese auch kennen lernen. Kunden können sich dazugesellen und mitspielen. «Wir bieten das als Service an.»