Mit dem «Kòpfladäärnli» feierte die zweite neue Vorfasnachtsveranstaltung in diesem Jahr ihre Premiere. Renato Salvi eroberte mit dem Gang in die Offene Kirche Elisabethen eine neue Bühne, die mit dezentem Licht in eine wundervolle Atmosphäre verwandelt wurde. Auf der Bühne blieb er der «Alte», wie man ihn aus dem Komikerduo «Almi und Salvi» kennt.

Er begrüsst das Publikum mit allerlei Sprüchen zum aktuellen Geschehen in Basel. So bezeichnet er den neuen Turm beim Bahnhof als «Lego-Unfall von Herzog und de Meuron». Auch die bz bekommt ihr Fett weg: «Wenn ein Kieselstein von der Kirche fällt, wird eine Geschichte gemacht». Ein Lob an die Sponsoren flechtet er geschickt in die Rede mit ein.

Musikalisch spielt das «Kòpfladäärnli» in der oberen Liga mit. Vital Jauslin überzeugt mit seiner eigenen Version von «Mys Dach isch dr Himmel vo Basel», nach dem berühmten Lied «Miis Dach isch dr Himmel vo Züri» aus «Eusi chlini Stadt» von Zarli Carigiet. Als Clochard besingt er melancholisch das Leben auf Basels Parkbänken.

Virtuos die vier von «Piccobelli». Mit dem Konzert-Piccolo, dem Bass-Piccolo und Querflöten verschieben sie die Grenzen zwischen Basler Fasnachtsmärschen und Klassikern von «Heidi» bis zum Pop.

Die musikalische Verbindung zwischen Fasnacht und Kirche stellt Susanne Böke her. Die Organistin spielt auf ihrer Orgel leicht variiert Fasnachtsmärsche und ist auf der Leinwand bei ihrer Arbeit zu sehen. Die Klänge gehen in der Kirche noch mehr unter die Haut, als wenn eine Stammclique durch enge Gassen trommelt. Apropos trommeln: Am «Kòpfladäärnli» wird komplett auf Tambouren verzichtet.

Die Rahmenstücke haben von den Geschichten her grosses Potential. Mit der Verpflichtung von Frank Küster, dem Schreiber von Dieter Nuhr und Harald Schmidt, ist Salvi ein Coup gelungen. Die Szene, in der vier Personen im Tram verschiedene Telefonanrufe erhalten, die sich gegenseitig ergänzen, bietet viel Klamauk. Leider ist sie ein wenig zu lang geraten.

Schnitzelbängg im Übermass

Auch die Grabrede eines Pfarrers über den «gesunden Menschenverstand» ist grandios. Dass über 50-Jährige keine Stelle mehr finden, wird in einem weiteren Stück zu Recht angeprangert. Schliesslich stellt ein Atheist fest, dass er trotzdem an etwas glaubt: An Gott, der eine Frau sein soll: Frau Fasnacht.

In den kurzen Reden, die die Umbauarbeiten zwischen den Nummern überbrücken, ist Salvi witzig, geht aber mehr als nur einmal am guten Geschmack vorbei. So ist die Zote über -minus HIV-Erkrankung eher peinlich.

Die Grossoffensive mit sieben Schnitzelbängg ist gut gemeint, aber nur für Leute, die diese Kunstform lieben. Die Bängg haben zwar durchaus Knaller im Programm, aber auch Verse, die nur in einer entsprechend angeheiterten Cliquenkeller-Stimmung wirklich lustig sind. Ein Versprechen ist «S Källerdiirli», das einen Lehrling aus Indien als «Helgehalter» beschäftigt. Er hat zudem in ein indisches Schnitzelbangg-Comité investiert und ist überzeugt, dass sich die Investition lohnen werde.

Eher mühsam waren die vielen Polizei-Tesla-Verse. Irgendwann kennt man jede Variante. Aber verständlich, dass sich die Bänggler beweisen wollten, sass doch der Sicherheitsdirektor im Publikum. Zum Schluss gab es einen warmen Applaus, die Zuschauer erhoben sich.

Die Meinungen über das neueste «Fasnachts-Kind» waren aber durchmischt, von «grossartig» bis «Durchschnitt» war alles zu hören. Einzelne Zuschauer haben im zweiten Teil die Vorstellung bereits vorzeitig verlassen. Salvi isst hartes Brot, aber der Mut etwas zu wagen, zeichnet ihn aus.